Editorial

Open access
Keywords:

SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR versteht sich als ein Medium der Vermittlung und des Dialogs zwischen kulturwissenschaftlich arbeitenden Forscher_innen verschiedener Disziplinen aus Frankreich und Deutschland sowie darüber hinaus.

Hintergrund für die Auswahl dieses Schwerpunktes sind die unterschiedlichen Profilbildungen kulturwissenschaftlichen Arbeitens, wie sie sich im Kontext des cultural turns in Deutschland und in Frankreich herausgebildet haben. Der cultural turn, der in den 1990er Jahren manchen als Mode erschien, hat inzwischen weltweit zu einer etablierten, pluralen Forschungsrichtung mit Blick auf kulturelle Phänomene geführt. Die wichtigsten Ausrichtungen sind international unter den Bezeichnungen Cultural Studies, Kulturwissenschaften, études culturelles oder histoire culturelle bekannt. Während erstere zunächst vor allem im angelsächsischen Raum beheimatet waren, sind die Kulturwissenschaften im deutschsprachigen Raum entstanden und die études culturelles/histoire culturelle in Frankreich. Diese kulturraumbezogene Verortung impliziert spezifische Programmatiken und epistemologische Grundlagen, die auf die jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen ihrer Entstehung und Entwicklung verweisen.

Wenn in der Zeitschrift SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR der Fokus auf die Entwicklungen in Frankreich und Deutschland gelegt wird, dann deshalb, weil davon auszugehen ist, dass – anders als die Cultural Studies, die als älteste und prominenteste Richtung kulturwissenschaftlichen Arbeitens weit bekannt sind – die Kulturwissenschaften aus dem deutschsprachigen Raum und die études culturelles/histoire culturelle international weniger rezipiert worden sind. In Deutschland ist die Annahme, dass es in Frankreich keine Kulturwissenschaft gäbe, noch immer anzutreffen. In Frankreich wurden die Ansätze der Kulturwissenschaften längst nicht überall wahrgenommen. Dies gilt, auch wenn in beiden Ländern epistemologisch ähnliche Fragen behandelt werden. Gleichwohl ist in den letzten Jahren ein Prozess der verstärkten wechselseitigen Wahrnehmungen zu beobachten, in dem französische Germanist_innen und deutsche Frankoromanist_innen sowie Historiker_innen aus beiden Ländern eine besonders aktive Rolle spielen.

Die Zeitschrift SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR verschreibt sich dem Anliegen, diesen Prozess der Annäherung konzeptionell und an Beispielen mit Blick auf epistemologische Grundfragen der Kulturforschung vorzustellen und auf Gemeinsamkeiten und Differenzen hin zu befragen. Dialog bedeutet auch, die Frage nach möglichen Übertragungen und grenzüberschreitenden Kooperationen zu stellen. Gelungene Beispiele sollen vorgestellt und in ihren Grundlagen betrachtet werden. Ebenso werden wechselseitige Wahrnehmungen und Transfers unter dem Aspekt möglicher Transformationen von Konzepten erörtert, wie auch Resistenzen und Abwehrhaltungen, die übergreifende Kooperationen erschweren oder sogar verhindern.

Ausgehend von der wissenschaftlichen Verortung der Herausgeberinnen – deutsche Frankoromanistinnen, die auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften forschen sowie französische Germanistinnen und Historikerinnen, deren Forschungsfelder auf Frankreich und/oder Deutschland bezogen sind – soll SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR auch möglichst dem Prinzip des gekreuzten Blickes verpflichtet sein. Das Kreuzen der Blickrichtungen bedeutet, das Eigene mit den Augen des Anderen zu sehen. Es ist methodologisch fruchtbar, weil hiermit auch die oftmals implizit bleibenden Grundannahmen erhellt werden können.

Der Schwerpunkt der ersten Nummer von SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR ist einer Bestandsaufnahme verschiedener Forschungsrichtungen in Frankreich und in Deutschland gewidmet, die unter den Bezeichnungen Kulturwissenschaft(en), histoire culturelle und études culturelles figurieren. Die Cultural Studies erfüllen – vor allem in den auf Frankreich bezogenen Beiträgen – die Funktion einer vergleichenden Matrix. Die verschiedenen Forschungsrichtungen werden konzeptionell und in ihrer Genesis sowie aktuellen, auch institutionellen Verortung thematisiert. Da sich die Zeitschrift dem internationalen Dialog verschreibt, ist die Problematik des Übersetzens und der Übersetzbarkeit grundlegender Termini in allen Beiträgen explizit oder virulent sichtbar. Zu den zentralen Fragen in diesem Zusammenhang gehört die nach der Übertragung und Übersetzbarkeit von Kulturwissenschaft(en) nach Frankreich bzw. ins Französische: Welche Optionen sind unter Berücksichtigung der epistemologischen Implikationen adäquat: science de la culture oder sciences de la culture? Oder sollte man die noch nicht verbreitete Übersetzung sciences des cultures bevorzugen, die die Pluralität der Forschungsansätze wie die der Kulturen impliziert? In allen Beiträgen wird ersichtlich, dass die vorgestellten Forschungsrichtungen genuin mit gesellschaftsrelevanten Fragen und Positionen verknüpft sind, die in einem mehr oder weniger weiten Sinne auch politikrelevant sind. Akademische Fragen haben in diesen Forschungsrichtungen ‚ihren Sitz‘ im Leben.

Anne Chalard-Fillaudeau präsentiert, im Prisma der Norm, einen Vergleich der internationalen Varianten der Kulturstudien, die im englisch-, deutsch- und französischsprachigen Raum entstanden sind. Einheitlichkeit und Differenziertheit werden dabei herausgearbeitet, was die Autorin zu der Schlussfolgerung führt, dass alle Varianten im Grundsatz übereinstimmen, aber praktisch und politisch voneinander abweichen. Damit gelingt es, die eminent kulturelle ‚Natur‘ dieser Variationen kultureller Studien in den Blick zu nehmen und sie als eine Fallstudie der Archäologie des Wissens im Foucaultschen Sinne zu beleuchten. Zentral ist dabei die wissenschaftstheoretische Verortung dieser Kulturforschungen mit dem heuristischen Mittel der Norm als einem strukturierenden Bestandteil der Praktiken und als einem erkenntnistheoretischen Prinzip der Kultur. Die Verfasserin belegt, dass die besprochenen Ansätze dennoch „keine ganz normalen Formationen in der wissenschaftlichen Landschaft“ darstellen. Hinzu kommt, dass die Art und Weise, wie sich diese mit der Norm bzw. der Kultur auseinandersetzen (können und dürfen), auf den jeweiligen nationalen und wissenschaftlichen Kontext verweist, wodurch Identität mit Heterogenität verbunden sind. Pascal Ory trägt mit dem Expertenwissen eines Zeitzeugen und bedeutenden Akteurs zu diesem Dossier bei. Neben Jean-Yves Mollier ist er Mitbegründer des 1992 gegründeten Zentrums für Kulturgeschichte an der Universität Versailles-Saint-Quentin-en-Yvelines. Pascal Ory gehört insofern auf dem Gebiet der Kulturgeschichte in Frankreich zu den wichtigen Referenzen in der Lehre und Forschung. Mit seinen zahlreichen Schriften, aber auch mit den Doktorarbeiten, die er am CHCSC, dann am Zentrum für Sozialgeschichte an der Universität Paris 1 initiierte und betreute, hat Pascal Ory großen Anteil an der Profilierung dieses historiographischen Untersuchungsfeldes. Insbesondere trug er dazu bei, Film und Comics als Forschungsgegenstände zu legitimieren, um nur zwei Beispiele dieser Richtung moderner Kulturgeschichtsschreibung zu erwähnen. In seinem Beitrag geht er auf verschiedene Orientierungen und Etappen dieser wissenschaftlichen Profilbildung ein, auch in Verbindung mit seinem eigenen wissenschaftlichen Werdegang. Der Autor vollzieht jene Begegnungen nach, die vor allem für die von ihm vertretene Richtung der Kulturgeschichtsschreibung in Frankreich zentral waren. Dazu gehören neben der deutschen Kulturgeschichtsschreibung, die politische und Wirtschaftsgeschichte sowie die historische Anthropologie. Susanne Greilich untersucht Platz und Ausformungen der Kulturwissenschaften in den Philologien in Deutschland. Als Romanistin blickt sie auf die Nachbardisziplinen, die deutsche Germanistik und Anglistik. Kulturwissenschaft wird in den Philologien im Singular verwendet, was darauf verweist, dass dort oft der Anspruch auf eine gleichwertige ‚disziplinäre‘ Ausrichtung und Implementierung von Kulturwissenschaft neben Literatur- und Sprachwissenschaft erhoben wird. Die Autorin zeigt, welche Nuancen sich in den Philologien jedoch in der institutionalisierten Forschungs- und Lehrpraxis bis heute etabliert haben. Die von der Autorin diagnostizierten Entwicklungen verschiedener konzeptioneller Ausformungen und Grade der Implementierung von Kulturwissenschaft erhellen insofern Spezifik, Potenziale, aber auch Grenzen kulturwissenschaftlicher Forschungen in den dominant geisteswissenschaftlich verstandenen philologischen Fächern in Deutschland. In den Beiträgen von Klaus Peter Walter und Françoise Lartillot geht es um den Blick der jeweiligen Fachwissenschaftler_innen – Frankoromanist_innen vs. Germanist_innen – auf die Kulturen des Nachbarlandes, was die Sympathie oder zumindest das Interesse für die Fremdartigkeit des anderen ‚Kulturraums‘ stets vorausgesetzt hatte. Beide Autor_innen wählen die historische Perspektive. Walter zeichnet nach, wie in der deutschen Romanistik die Wesenskunde, die einem essentialistischen Kulturverständnis folgte und zeitweilig nationalen Interessen diente, nach 1945 lange als Hypothek wirkte. Bis in die 1970er/80er Jahre konzentrierten sich Debatten und Lehrpraxis deshalb auf die sozialwissenschaftlich ausgerichtete Landeskunde bzw. auf die Landeswissenschaften. Beide Richtungen konnten sich in einer als Geisteswissenschaft verstandenen Philologie nicht durchsetzen. Kulturwissenschaft wurde in der Romanistik sodann mit dem cultural turn auf der Höhe eines weiten und nicht normativen Kulturverständnisses diskutiert und teilweise implementiert, ein Verständnis, das den Blick für historischen Wandel und Pluralität einschließt. Lartillot zeigt, dass die französischen Germanist_innen kulturelle Untersuchungsgegenstände schon frühzeitig unter dem Siegel civilisation etablierten. Civilisation wurde Ende der 1960er Jahre zu einer eigenen Fachrichtung institutionalisiert, wobei jedoch Geschichte, Politologie und Landeskunde in den Vordergrund traten. Kulturelle Studien blieben meist an die Literatur und Ideengeschichte angeschlossen. Aus diesen Gründen ist die Tragweite der Debatte um Inhalt und Methoden der Cultural Studies und der deutschen Kulturwissenschaft von den französischen Germanist_innen relativ spät wahrgenommen worden. Lartillot verweist in ihrem Beitrag nicht nur auf die Vielfalt aktueller germanistischer Forschungen zu den deutschsprachigen Kulturen, sondern auch auf deren institutionelle Verortung und grenzüberschreitende Ausrichtung. Der Beitrag von Patrick Farges ist als Sammelrezension angelegt und gewährt einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen kulturwissenschaftlichen Denkens und Arbeitens in Frankreich, wie sie in Auseinandersetzung mit den Cultural Studies beobachtet werden können. Wenn die Kulturwisenschaften aus dem deutschsprachigen akademischen Raum hier kaum eine nennenswerte Rolle spielen, dann aus dem Grund, weil eine Rezeption bislang kaum erfolgt ist. Als Ausgangspunkt für seine Ausführungen wählt Farges den 9. Kongress der Association for Cultural Studies (ACS), der im Juli 2012 in Paris ausgetragen wurde, und in dessen Folge zahlreiche Publikationen französischer Wissenschaftler_innen erschienen sind, die ihrerseits zu einer „neuen Generation französischer Vermittler_innen der Cultural Studies“ gehören. Katja Schubert beschreibt in einer Art Erfahrungsbericht die Entwicklung, den der gemeinsam mit Marion Picker konzipierte Masterstudiengang „Kulturwissenschaften/ Cultural Studies“ seit seiner Implementierung im Jahr 2016 an der Université Paris Nanterre genommen hat.1 Die Einrichtung dieses Studiengangs, der sowohl in deutscher als auch französischer Sprache angeboten wird, stellt insofern ein „Experiment“ dar, als erprobt wird, inwieweit kulturraumbezogene Konzepte, Denktraditionen und Forschungsrichtungen aus dem englisch- und deutschsprachige Raum in die französische Universitätslandschaft transferiert, adoptiert und ggf. transformiert werden können. Die gesellschaftspolitische Relevanz dieses Vorhabens wird nicht zuletzt an den neu geschaffenen Hochschulreformen deutlich, die den Ausgangspunkt für langanhaltende Protestaktionen und Diskussionen um Formen des Studierens und des gesellschaftlichen Engagements bilden.

*

Abschließend möchten die Herausgeberinnen all jenen danken, die das Projekt von der Planung bis zur Durchführung ideell, wissenschaftlich und finanziell unterstützt haben. Ein besonderer Dank gebührt dem Berliner Wissenschaftsverlag De Gruyter/Sciendo für die Aufnahme in das Verlagsprogramm, der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. und dem pluridisziplinären Forschungszentrum der Universität Toulouse Jean Jaurès IRPALL (Institut de Recherche Pluridisciplinaire en Arts, Lettres et Langues) als Eigentümer und Hauptsponsoren der Zeitschrift für das entgegengebrachte Vertrauen, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für die großzügige Anschubfinanzierung, Pascal Ory als Ehrenpräsident des wissenschaftlichen Beirats für seine Dialogbereitschaft sowie den gesamten Mitgliedern des Redaktionskomitees und des wissenschaftlichen Beirats für ihren Einsatz und ihre wissenschaftliche Expertise.

Editorial

La revue SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR souhaite inviter les chercheurs2, en France, en Allemagne et au-delà, à échanger leurs réflexions concernant les domaines de la culture – quelle que soit la discipline dont ils relèvent. Ce projet découle du constat que les travaux effectués dans le contexte du « tournant culturel » ont vu émerger des recherches dont les dissemblances méritent d’être plus précisément commentées et les résultats largement diffusés hors des frontières nationales et disciplinaires.

Le « tournant culturel », que certains, dans les années 1990, réduisaient à un simple phénomène de mode, a généré dans la recherche internationale un courant qui a acquis une identité spécifique, plurielle, et qui se concentre sur les phénomènes culturels. Les plus importantes de ses orientations sont désignées, selon le contexte, par Cultural Studies, Kulturwissenschaften, études culturelles ou histoire culturelle. Tandis que les premières étaient initialement surtout implantées dans les pays anglo-saxons, les Kulturwissenschaften se sont développées dans les pays germanophones et les études culturelles/histoire culturelle en France. Ces ancrages géographiques impliquent une différenciation des programmes et des fondements épistémologiques, lesquels sont tributaires des conjonctures sociales et culturelles afférentes qui ont présidé à leur genèse et à leur développement.

Si la revue SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR met l’accent sur les développements observables en France et en Allemagne, c’est parce que, à la différence des Cultural Studies qui constituent la variante la plus ancienne et la plus notoire des orientations que connaissent les sciences des cultures, les Kulturwissenschaften présentes dans l’aire germanophone et les études culturelles/histoire culturelle existant en France sont moins bien connues à l’échelle internationale. Il n’est par exemple pas exclu d’entendre dire en Allemagne que la France n’a pas de Kulturwissenschaft ; et en France, il s’en faut de beaucoup que les approches spécifiques des Kulturwissenschaften soient prises en considération. Et ce, bien que ce soient des questions épistémologiques analogues qui soient abordées dans ces deux pays. Chacun peut néanmoins constater que, par le truchement de germanistes français, de francoromanistes allemands, d’historiens des deux pays, il s’est produit ces dernières années, de part et d’autre, une dynamisation de l’observation et de la prise en compte des positions du voisin.

La revue SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR se donne l’objectif de présenter le processus d’un tel rapprochement, de traiter des questions épistémologiques fondamentales pour les recherches culturelles – tant par le bais de théorisations que par celui d’études de cas – et d’examiner les convergences tout comme les différences. Établir un dialogue implique aussi de s’interroger sur les possibilités de transferts et de coopérations par-delà les frontières. Les exemples d’expériences réussies seront présentés et leurs principes fondamentaux analysés. De même, les perceptions réciproques et les transferts seront commentés en fonction des éventuelles modifications conceptuelles qu’ils entraînent, tout comme seront analysées les résistances et les attitudes défensives susceptibles de freiner voire d’empêcher des coopérations d’envergure. A moyen terme, le dialogue scientifique et les informations sur les travaux portant sur la culture et l’histoire culturelle de la France, de l’Allemagne et le franco-allemand seront privilégiés mais d’autres aires culturelles ne sont nullement exclues. En outre, les chercheurs, qu’ils soient expérimentés ou encore au début de leur parcours, seront invités à faire connaître leurs travaux.

Étant donné l’ancrage scientifique des éditrices – francoromanistes spécialistes des sciences des cultures, germanistes et historiennes françaises dont les champs de recherches concernent la France et/ou l’Allemagne –, SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR adoptera le principe des regards croisés. Ce croisement implique de regarder son propre patrimoine avec les yeux de l’étranger, regard méthodologiquement fécond dans la mesure où même les présupposés, qui restent souvent implicites, seront élucidés.

Le premier numéro de SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR propose un état des lieux des diverses orientations des recherches qui se mènent présentement en France et en Allemagne sous les sigles de Kulturwissenschaft, histoire culturelle et études culturelles. Ce sont les Cultural Studies qui, surtout dans les articles consacrés à la France, remplissent la fonction de tertium comparationis. Les diverses orientations de la recherche sont abordées sous un angle conceptuel et reliées à leur genèse ainsi qu’à leur ancrage institutionnel actuel. La revue souhaitant inclure une dimension internationale, les questions de traduction et de traductibilité des termes-clé sont posées soit directement par les auteurs, soit indirectement car on voit qu’elles sont incontournables. Cela concerne en particulier la traduction en français de Kulturwissenschaft(en), terme essentiel s’il en est. Quelles options retenir : science de la culture ou bien sciences de la culture, sachant que le choix du singulier ou du pluriel a des implications épistémologiques ? Vaudrait-il mieux opter pour sciences des cultures, afin de rendre compte de la pluralité des approches aussi bien que de celle des cultures en question ? ll ressort par ailleurs des articles de ce numéro que toutes les orientations de la recherche sont systématiquement liées à des problèmes et des enjeux sociaux, lesquels ont plus ou moins aussi une importance politique. Autrement dit, les préoccupations universitaires recoupent ici celles de la vie civique et sociale.

Le premier article, celui d’Anne Chalard-Fillaudeau, présente, au prisme de la norme, une comparaison des variantes de recherches en matière de culture telles qu’elles sont pratiquées dans les aires anglophones, germanophones, francophones. De leurs convergences et dissemblances l’auteur tire la conclusion que toutes ces variantes partent d’un même principe et que les écarts se produisent au niveau des applications et de la politique. La nature éminemment culturelle de ces variantes est ainsi mise en évidence et leur „archéologie“ reconstituée, pour reprendre cette notion foucaldienne. Une importance prépondérante est donnée dans cet article à l’ancrage théorique des recherches en matière de culture par le biais heuristique de la norme, traitée comme élément structurant des pratiques et comme principe épistémologique de la culture. L’auteure montre que les approches qu’elle commente ne sont cependant pas « des formations tout à fait normales dans le paysage scientifique ». En outre, la manière dont ces approches se confrontent à la norme ou à la culture, ou peuvent officiellement se confronter à elles, est tributaire de l’arrière-plan national et scientifique, si bien qu’il y a à la fois identité et hétérogénéité. Pascal Ory apporte au dossier son regard et son expertise de grand témoin. Cofondateur avec Jean-Yves Mollier du Centre d’histoire culturelle de l’université de Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines, initié en 1992, il est en effet l’une des références de l’enseignement et de la recherche en histoire culturelle en France. De par ses nombreux écrits mais aussi de par les thèses qu’il a dirigées au CHCSC puis au Centre d’histoire sociale du XXe siècle de l’université de Paris1, Pascal Ory a façonné en très grande partie ce champ historiographique. Il a notamment contribué à légitimer et à renouveler les travaux sur le cinéma ou sur la bande dessinée – pour ne prendre que deux exemples parmi bien d’autres. Sa contribution revient ainsi sur la genèse de ce courant de l’histoire culturelle, en lien avec son propre parcours. C’est dans une série de confrontations, y compris franco-allemandes, avec l’histoire politique, l’histoire économique et l’anthropologie historique, que Pascal Ory voit l’émergence en France de l’histoire culturelle telle qu’il la revendique. Les recherches pratiquées dans le cadre des Kulturwissenschaften propres aux germanistes et aux anglicistes allemands sont ensuite présentées par Susanne Greilich. C’est au singulier qu’elle emploie le terme Kulturwissenschaft, ce qui correspond au fait que, dans leur cas, ce qui est revendiqué est la reconnaissance de la particularité et de la mise en oeuvre de la Kulturwissenschaft en tant que « discipline », à part égale avec la littérature et la linguistique. L’auteure signale les nuances qui se sont cependant instaurées jusqu’à aujourd’hui dans la pratique institutionnalisée de l’enseignement et de la recherche. Les changements qu’elle a notés dans les définitions des concepts et la mise en oeuvre de la Kulturwissenschaft font comprendre la spécificité, les potentialités, mais aussi les limites de telles recherches dans des disciplines qui restent traditionnellement attachées à une dominante littéraire. A leur tour, Klaus Peter Walter et Françoise Lartillot se concentrent sur le regard que les francoromanistes et les germanistes jettent sur les cultures de leur voisin respectif, étant entendu que le point de départ, dans ces deux cas, était la sympathie ou tout au moins l’intérêt que les chercheurs éprouvaient pour l’altérité culturelle. Les deux auteurs procèdent à une mise en perspective historique. K. P. Walter expose en quoi les romanistes allemands ont eu à gérer encore après 1945 l’hypothèque d’une approche essentialiste de la culture, dite Wesenskunde, que leurs prédécesseurs avaient mise au service des intérêts nationaux. Du fait de la volonté de s’en éloigner, les débats et la pédagogie des années 1970-1980 ont privilégié des thématiques sociales et géographiques (Landeskunde, Landeswissenschaften), lesquelles n’ont guère trouvé de place dans une romanistique qui privilégiait les volets littéraire et linguistique. Mais, avec le cultural turn, de nouvelles réflexions se sont développées autour d’une compréhension plus large et non normative de la culture, ce qui a eu parfois des applications pratiques et a incité à prendre en compte l’évolution et la pluralité des cultures. Selon Françoise Lartillot, les germanistes français ont commencé très tôt à traiter d’objets de recherche culturels, les plaçant sous le signe de la civilisation. Cette civilisation est devenue une discipline à part entière depuis la fin des années 1960, incluant alors surtout l’histoire, la politologie et les études dites pratiques. L’enseignement de la culture n’était pas coupé de la littérature et de l’histoire des idées. Cet état des choses explique la date relativement tardive à laquelle ces germanistes ont pleinement pris conscience de la portée du débat sur le contenu et les méthodes des Cultural Studies et de la Kulturwissenschaft. Françoise Lartillot souligne la variété des recherches actuelles sur les cultures de langue allemande, sur les institutions et les liens internationaux. La synthèse effectuée par Patrick Farges donne un aperçu des évolutions les plus récentes des réflexions et des travaux publiés en France à propos des Cultural Studies et des débats qu’elles suscitent. Si les Kulturwisenschaften présentes dans les universités des pays de langue allemande ne sont guère mentionnées, c’est qu’il en a été peu question en France jusqu’à présent. Le terminus a quo choisi par P. Farges est le 9e Congrès de l’Association for Cultural Studies (ACS) organisé en juillet 2012 à Paris : de nombreuses publications de chercheuses et de chercheurs français ont vu le jour à la suite de ce Congrès, ce qui manifeste la montée d’une « nouvelle génération de Françaises et de Français jouant le rôle de passeurs des Cultural Studies ». Katja Schubert relate l’expérience, qu’elle a faite conjointement avec Marion Picker, d’un cursus de Master « Kulturwissenschaften/Cultural Studies » qui a été ouvert en 2016 à l’Université de Paris Nanterre.3 L’instauration d’un tel Master permet de tester dans quelle mesure les concepts, les habitudes mentales, les orientations de la recherche caractéristiques des aires culturelles anglophones et germanophones peuvent être exportés dans l’université française, y être adoptés et le cas échéant ajustés et transformés. L’importance politique et sociale de ce projet scientifique se manifeste d’ailleurs si on s’intéresse aux nouvelles réformes universitaires qui ont suscité des protestations et des débats sur les formes des études universitaires et sur l’engagement civique et social.

*

Pour finir, les éditrices remercient toutes celles et tous ceux qui, depuis le projet initial jusqu’à sa concrétisation, ont apporté un soutien conceptuel, scientifique et financier. Elles sont particulièrement redevables à la maison d’édition berlinoise De Gruyter/Sciendo qui héberge la revue et l’insère dans son catalogue. Leur grande gratitude va à la Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. et à l’Institut de Recherche Pluridisciplinaire en Arts, Lettres et Langues (IRPALL) de l’Université Toulouse Jean Jaurès qui leur accordent leur confiance et sont les deux propriétaires et promoteurs scientifiques de la revue. Que soit aussi remerciée l’Université Martin-Luther de Halle-Wittenberg pour son allocation initiale. Enfin, les éditrices expriment leur reconnaissance à Pascal Ory, président d’honneur du Comité scientifique, pour ses précieux encouragements et remercient tous les membres du Comité de rédaction et du Comité scientifique pour leur engagement.

Footnotes

1

Der Masterstudiengang heißt mittlerweile „études culturelles/Kulturwissenschaften/Cultural Studies“

2

Nous n’avons retenu l’écriture inclusive que pour les textes en allemand, afin de maintenir une lecture fluide en français.

3

La dénomination de ce cursus de Master ayant été modifiée, il s’intitule actuellement « études culturelles/Kulturwissenschaften/Cultural Studies ».

Journal Information

Metrics

All Time Past Year Past 30 Days
Abstract Views 0 0 0
Full Text Views 182 182 38
PDF Downloads 83 83 11