Räume nachhaltig entwickeln – Landschaftsbezogene Identitäten als theoretische und praktische Herausforderung für die räumliche Planung

Falco Knaps 1 , Tanja Mölders 2  and Sylvia Herrmann 1
  • 1 Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung, Herrenhäuser Straße 2, 30419, Hannover, Deutschland
  • 2 Leibniz Universität Hannover, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Herrenhäuser Straße 8, 30419, Hannover, Deutschland
Falco Knaps
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  • Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung, Herrenhäuser Straße 2, 30419, Hannover, Deutschland
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, Prof. Dr. Tanja Mölders
  • Leibniz Universität Hannover, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Herrenhäuser Straße 8, 30419, Hannover, Deutschland
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and PD Dr. Sylvia Herrmann
  • Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung, Herrenhäuser Straße 2, 30419, Hannover, Deutschland
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Kurzfassung

Ausgangspunkt des Beitrages ist die Annahme, dass nachhaltige Raumentwicklung in substanzieller Hinsicht an ein relationales Raumverständnis und prozedural an die Auseinandersetzung mit Konflikten gebunden ist. Diese Anforderungen werden auf einen konkreten Gegenstand der räumlichen Planung bezogen: landschaftsbezogene Identitäten. Deren Konzeptualisierung erfolgt als individuelle Deutungen landschaftlicher Spezifik, die sich der Materialität ebenso wie gesellschaftlicher Deutungsmuster bedienen. Für die empirische Erfassung werden landschaftsbezogene Identitäten als Zuspitzung der ‚angeeigneten physischen Landschaft‘ konkretisiert. Im Zentrum des Interesses stehen also solche Merkmale, die zur individuellen Konstruktion spezifischer Landschaft ‚zusammengeschaut‘ werden und auf die sich Zugehörigkeits- bzw. Zusammengehörigkeitsvorstellungen sowie emotionale Zuwendungen beziehen. An diesen als Referenzpunkte bezeichneten Merkmalen kommen auch identitätsrelevante Konflikte zum Ausdruck, also gegensätzliche Deutungen landschaftlicher Spezifik. In einer ländlichen Fallstudienregion werden so verstandene landschaftsbezogene Identitäten mit qualitativ-rekonstruktiven Methoden sichtbar gemacht. Die Ergebnisse von 28 leitfadengestützten Interviews belegen ein vielfältiges Spektrum an Referenzpunkten, die zwar individuell unterschiedlich besetzt sind, aber dennoch wiederholt auftreten. Zudem zeigen sich gegensätzliche Deutungsmuster: Dieselben Merkmale gelten den einen als identitätsstiftend, den anderen nicht. Die Diskussion resümiert die theoretisch-konzeptionellen und methodologischen Überlegungen vor dem Hintergrund der empirischen Ergebnisse und leitet Implikationen für die räumliche Planung ab. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Handlungsempfehlungen zur Bearbeitung konfliktär verfasster Lesarten landschaftsbezogener Identität.

1 Einleitung

Spätestens mit Beginn des 21. Jahrhunderts gilt Nachhaltigkeit als richtungsweisendes Paradigma zukunftsfähiger räumlicher Entwicklung (Berke 2002; Scholich 2008; von Haaren/Albert/Galler 2016). In Deutschland wurde nachhaltige Raumentwicklung bereits 1998 als Leitvorstellung räumlicher Entwicklung rechtsverbindlich festgeschrieben (§ 1 Abs. 2 ROG) 1 und stellt seitdem die normative Orientierung der räumlichen Planung dar. Dabei schließen die Prämissen nachhaltiger Entwicklung direkt an die seit Langem etablierten konzeptionellen Grundlagen räumlicher Planung an: Das Gebot der intra- und intergenerationellen Gerechtigkeit spiegelt sich in dem Gestaltungspostulat zur Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse (§ 1 Abs. 2 ROG), der Förderung strukturschwacher Gebiete (§ 2 Abs. 2 ROG Nr. 1) sowie der Orientierung an Daseinsvorsorge (§ 2 Abs. 2 Nr. 3) wider; das Gebot der integrativen Entwicklung findet sich in dem überfachlichen Verständnis von Raumplanung wieder (vgl. Beaucamp 2002; Hofmeister 2018).

Der Bedeutungsgewinn nachhaltiger Raumentwicklung führte auf wissenschaftlicher Ebene zu Arbeiten, die nach deren Umsetzungshemmnissen und -anforderungen in der räumlichen Planung fragten. Erstens zeigte sich dabei, dass Planungsprozesse vielfach auf Raumverständnissen fußen, die an Vorstellungen eines Behälter- bzw. Containerraums angelehnt sind (Blotevogel 2018: 1854; Kühne 2018: 16). In dieser Denkweise gilt Raum als Gesamtheit aller wahrnehmbaren Gegenstände einer Erdstelle (Hard/Bartels 2003: 16), als beobachterunabhängige territoriale Gegebenheit mit bestimmten und bestimmbaren Eigenschaften (Schroer 2006: 44; Freytag 2014: 14 f.), die das Handeln aller gewissermaßen vorstrukturiert (Löw 2001: 63 f.). Je enger Planungsprozesse an solche Vorstellungen angelehnt sind, umso eher kommt es dazu, dass das gleichzeitige Nebeneinander unterschiedlich konstituierter Räume (z. B. soziale Lebens- und Handlungsräume, Wirtschaftsräume, Kulturräume) übersehen wird. Auch grenzüberschreitende Bezüge sowie komplexe sozial-ökologische Wechselwirkungen bleiben vielfach unerkannt (vgl. Hofmeister/Scurrell 2006; Thiem 2013). Durch eine solche, reduktionistische Perspektive verschließt sich die Komplexität räumlicher Phänomene. Mithin bleibt auch eine integrative Entwicklung erschwert – also eine Sichtweise, die unterschiedliche Interessen und Nutzungsansprüche in die Entscheidungsfindung einbeziehen möchte (Hofmeister/Mölders/Thiem 2014). Auf theoretisch-konzeptioneller Ebene müssten demnach reduktionistische Containerraumverständnisse zugunsten relationaler Konzeptionen überwunden werden (Levin-Keitel/Mölders/Othengrafen et al. 2018).

Zweitens wurde deutlich, dass integrative planerische Ansätze vor der Herausforderung stehen, divergierende Interessen miteinander in Einklang zu bringen (van Ostaaijen/Horlings/van der Stoep 2010). In der praktischen Umsetzung kommt es jedoch häufig zu einer Beschränkung auf einigermaßen konsensfähige Themen (Osthorst 2008: 305) und/oder einer Dominanz ökonomischer Aspekte (von Haaren/Albert/Galler 2016: 572; Patron 2017: 233). Beides greift jedoch zu kurz, da durch Dethematisierung bzw. Privilegierung immer auch Exklusionsmechanismen aktiviert werden, die wiederum Hürden für integrative Betrachtungsweisen darstellen. Damit nachhaltige Raumentwicklung realisiert werden kann, ist es stattdessen nötig, Konflikte zu erkennen, zu benennen und zu bearbeiten (Carr/McDonough/Telaar 2015).

Trotz der gesetzlichen Festschreibung nachhaltiger Raumentwicklung, des Anschlusses an die konzeptionellen Grundlagen der Raumplanung sowie trotz der Kenntnisse über zentrale Anforderungen ist zu konstatieren, dass ihre Realisierung nach wie vor defizitär ist (vgl. Hofmeister 2018). Um diesem Defizit zu begegnen, gehen wir davon aus, dass sowohl die Orientierung an einem relationalen Raumverständnis als auch die Hinwendung zu Konflikten auf konkrete Strategien und Themen der räumlichen Planung bezogen werden müssen. Eine solche Anwendung wird in diesem Beitrag exemplarisch am Beispiel landschaftsbezogener Identität gezeigt. Dabei handelt es sich um ein aktuelles Thema der räumlichen Planung, dem ein hohes Potenzial bei der Unterstützung nachhaltiger Raumentwicklung zugeschrieben wird (Loupa Ramos/Bianchi/Bernardo et al. 2019). Gleichzeitig gibt es jedoch uneinheitliche Konzeptionen, die teilweise an Containerraumverständnisse anschließen und landschaftsbezogene Identität (auch) in reduktionistischer Weise als Raumeigenschaft definieren (vgl. Oliveira/Roca/Leitão 2010; Loupa Ramos/Bernardo/Carvalho Ribeiro et al. 2016). 2 Zudem wird auf Konflikte zwischen unterschiedlichen Lesarten raum- bzw. landschaftsbezogener Identitäten beispielsweise im Nachgang materieller (van Eetvelde/Loupa Ramos/Bernardo 2016; Butler/Sarlöv-Herlin/Knez et al. 2018), struktureller sowie sozioökonomischer Veränderungen (Bürk/Kühn/Sommer 2012) zwar hingewiesen, konkrete Handlungsempfehlungen zu deren Sichtbarmachung sowie Bearbeitung bleiben jedoch häufig aus. Somit besteht auch im Umgang mit landschaftsbezogenen Identitäten die Gefahr, die oben beschriebenen ‚blinden Flecken‘ mitzuführen, indem beispielsweise das gleichzeitige Nebeneinander unterschiedlicher ‚Versionen‘ verkannt und Konflikte sowie Exklusionsmechanismen ignoriert werden. Forschungsbedarf besteht also hinsichtlich einer Konzeption und Operationalisierung landschaftsbezogener Identität(en), die Planungsprozesse mit dem Ziel einer nachhaltigen Raumentwicklung unterstützen können – die also eine relationale Fundierung zugrunde legen und sensibel für Konflikte sind. Vor diesem Hintergrund stellen sich folgende Forschungsfragen:

  1. Theoretisch-konzeptionell: Wie lassen sich landschaftsbezogene Identitäten für eine Verwendung in der räumlichen Planung konzeptualisieren?
  2. Methodologisch: Wie lassen sich so verstandene landschaftsbezogene Identitäten sichtbar machen?
  3. Praktisch-planerisch: Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich für Akteure räumlicher Planungsprozesse, die Konflikte im Kontext landschaftsbezogener Identitäten bearbeiten wollen?

Für die theoretisch-konzeptionellen Überlegungen wird in Kapitel 2 auf relationale Raumkonzepte zurückgegriffen und daraus ein Verständnis landschaftsbezogener Identität sowie damit zusammenhängender Konflikte entwickelt. Dieses Grundverständnis wird anschließend in ein qualitatives Untersuchungsdesign überführt (Kapitel 3) und in einer Fallstudie angewandt (Kapitel 4). Die Diskussion (Kapitel 5) resümiert die Befunde und widmet sich explizit Handlungsempfehlungen für den Umgang mit landschaftsbezogenen Identitäten in der Planung unter besonderer Berücksichtigung konfligierender Aspekte, bevor ein Fazit (Kapitel 6) den Beitrag abschließt.

2 Theoretisch-konzeptionelle Überlegungen

2.1 Raum und Landschaft aus relationaler Perspektive

In der sozialwissenschaftlichen Raumforschung wird Raum nicht als materiell-physisch bestimmte oder bestimmende äußere Hülle (bzw. als Container) begriffen, sondern als soziale Konstruktion von Wirklichkeit (Blotevogel 2018: 1851). Mit einer solchen Perspektive ist verbunden, das Verhältnis von physischmaterieller Welt und Raum in seiner gesellschaftlichen Konstruiertheit zu thematisieren (Kilper 2010: 17). Im Gegensatz zu allein auf die gesellschaftliche Konstruktion von Raum gerichteten Sozialraumkonzepten nehmen relationale Ansätze eine vermittelnde Position ein: Räume werden als stets sozial gesehen, da sie im Handeln entstehen und auf Wahrnehmungs-, Vorstellungs- und Erinnerungsprozessen basieren. Sie gelten ebenso als materiell bestimmt, da sie auf platzierte physisch-materielle Objekte, Menschen (bzw. Lebewesen) und ihre Relationen zueinander zurückgreifen (Löw/Sturm 2016: 13 ff.). Relationale Raumkonzepte lassen sich deshalb als sozial-ökologische Raumkonzepte begreifen (Hofmeister/Scurrell 2006: 278), an die die Nachhaltigkeitsforschung und -praxis anschließen kann (Levin-Keitel/Mölders/Othengrafen et al. 2018: 1887). In Konkretisierung eines solchen relationalen Raumverständnisses wird dieser Untersuchung das Landschaftsverständnis nach Kühne (2018: 55 ff.) zugrunde gelegt. Dieser unterscheidet einerseits den physischen Raum, verstanden als materielles Ausgangssubstrat von Landschaft, das alle wahrnehmbaren Raumobjekte umfasst. Daneben stehen drei Landschaftszugänge:

  1. Gesellschaftliche Landschaft: Die sozial-konstruktive Dimension von Landschaft im Sinne eines kollektiven Wissensvorrates bzw. einer Art Übereinkunft darüber, welche Merkmale (in bestimmten Gruppen) als Landschaft zu verstehen und wie sie zu bewerten sind. Auf dieser Ebene werden Deutungsmuster ausgehandelt, die ‚Seherwartungen‘ für individuelle Lesarten bereitstellen.
  2. Individuell aktualisierte gesellschaftliche Landschaft: Die individuelle Lesart von Landschaft auf der Grundlage gesellschaftlicher Wissensvorräte. Letztere werden vor dem Hintergrund von lebensgeschichtlichen Erfahrungen, Kenntnissen sowie Präferenzen interpretiert, modifiziert und einer Wertung zugeführt. Der konstruierte Charakter dieser Repräsentation bleibt häufig unbewusst, sodass die Landschaftsinterpretationen als Wirklichkeit gedeutet werden.
  3. Angeeignete physische Landschaft: Merkmale des physischen Gesamtraumes, die zur Konstruktion gesellschaftlicher und individuell aktualisierter gesellschaftlicher Landschaft synthetisiert werden. Dieser Zugang fokussiert auf die als Landschaft gedeutete Teilmenge des physischen Gesamtraumes.

Diese Zugänge verdeutlichen, dass Landschaften Wirklichkeitskonstruktionen darstellen, die keinesfalls wertfrei sind. Sie beinhalten immer bereits Bewertungen und Bedeutungszuweisungen, die sowohl Basis als auch Produkt der als Landschaft konstruierten Räume sind (z. B. symbolische und emotionale Wertzuschreibungen, ästhetische und normative Wertungen, Wertung auf der Basis vorhandener Wissensbestände).

2.2 Eine relational fundierte Konzeption landschaftsbezogener Identität

Für die Konzeption landschaftsbezogener Identität wird das dargestellte Landschaftsverständnis mit einem Verständnis von Identität verknüpft. In seiner Grundbedeutung verweist der Begriff der Identität auf Eigenschaften, die zentral und typisch sind (Amundsen 2001: 3), die also Spezifik im Sinne von Distinktion, Unverwechselbarkeit und Identifizierbarkeit schaffen. Als Forschungsbegriff wird Identität in zahlreichen Disziplinen verwendet. Die damit einhergehende Vielzahl an Konzeptionen und Operationalisierungen kann hier nur kursorisch dargestellt werden. Auf individueller Ebene wird Identität als das Wissen einer Person über sich selbst und die eigene Unverwechselbarkeit verstanden (Abels 2006: 258). Dieses Wissen greift einerseits auf zentrale Persönlichkeitsmerkmale zurück, wie biographische und körperliche Eigenschaften. Dieser Aspekt von Identität wird teilweise als „persönliche Identität“ bezeichnet (Müller 2011: 74 f.). Andererseits wird individuelle Identität maßgeblich durch die soziale Umwelt strukturiert. Zentrale Einflussvariablen sind kulturell vordefinierte Rollenbilder und Erwartungen. Dieser Aspekt von Identität wird teilweise als „relational identity” bezeichnet (Graumann 1983: 309 ff.; Vignoles/Schwartz/Luyckx 2011: 3). Zentrale Einflussvariablen sind zudem Zuordnungen zu sozialen Gruppen und Kategorien. Dieser Aspekt von Identität wird teilweise als „soziale Identität” 3 bezeichnet (Morf/Koole 2014: 150; Kessler/Fritsche 2018: 76 ff.). Die Debatte um soziale Identitäten steht wiederum in engem Zusammenhang mit derjenigen um „kollektive Identitäten“, die als diskursiv hergestellte Wissensvorräte von Kollektiven konzeptualisiert werden, an die Wahrnehmungen von Gemeinschaft und Solidarität gekoppelt sind (Snow/Corrigall-Brown 2015: 175). Publikationen zu landschaftsbezogener Identität führen ähnliche Grundunterscheidungen mit, wenngleich diese nicht immer explizit gemacht werden. So wird landschaftsbezogene Identität im Sinne von kollektiver Identität als diskursiv hergestelltes Wissen über den Charakter und die Spezifik eines als Landschaft gedeuteten räumlichen Ensembles verstanden (Arts/Buizer/Horlings et al. 2017: 448), aus dem „Wir-Gefühle“ abgeleitet werden (Gailing 2010: 53; Stobbelaar/Pedroli 2011: 328 ff.). Davon untrennbar können positiv distinkt verstandene Landschaften soziale Kategorien darstellen, die als Elemente sozialer Identitäten in individuelle Selbstbilder integriert werden (Loupa Ramos/Bernardo/Carvalho Ribeiro et al. 2016: 37 f.). Dabei erfährt die entsprechend gelesene Landschaft Aufladungen als Symbol individueller Zugehörigkeit (Fritz-Vietta/de La Vega-Leinert/Stoll-Kleemann 2015: 29 ff.) und wird mit emotionalen Zuwendungen verknüpft (z. B. Heimat, Vertrautheit, Geborgenheit; Meier/Bucher/Hagenbuch 2010: 221; Kühne 2018: 59). Diese Gedanken fortführend, lassen sich landschaftsbezogene Identitäten als Zuspitzung der oben beschriebenen Landschaftszugänge fassen:

  1. Als Zuspitzung gesellschaftlicher Landschaft: Kollektive Wissensvorräte darüber, welche Merkmale (in bestimmten Gruppen) als spezifische Landschaftseigenschaften zu verstehen sind, wie sie als Symbol räumlicher Zugehörigkeit sowie Zusammengehörigkeit zu bewerten sind und eine Projektionsfläche darauf aufbauender emotionaler Zuwendung darstellen.
  2. Als Zuspitzung individuell aktualisierter gesellschaftlicher Landschaft: Individuelle Lesarten gesellschaftlich präformierten Wissens über Merkmale, die als spezifische Landschaftseigenschaften verstanden werden sowie deren symbolisch-emotionale Bedeutungen, wobei die jeweiligen Interpretationen als Element subjektiver Identitäten aktiviert werden können.
  3. Als Zuspitzung angeeigneter physischer Landschaft: Merkmale des physischen Gesamtraumes, die zur individuellen wie gesellschaftlichen Konstruktion spezifischer Landschaft ‚zusammengeschaut‘ werden und die zu symbolischen sowie darauf aufbauenden emotionalen Bezugnahmen herangezogen werden.

Die beschriebene Dreiteilung ist rein analytischer Natur, da die Dimensionen unabhängig voneinander nicht denkbar sind. Für die Operationalisierung in der räumlichen Planung – einem Bereich, in dem raum- bzw. merkmalbezogene Denk- und Handlungsmuster vorherrschen – bietet sich eine Herangehensweise über die angeeignete physische Landschaft an.

2.3 Konflikte um landschaftsbezogene Identitäten

Da landschaftsbezogene Identitäten nicht als bloße materielle Raumeigenschaften verstanden werden können, sondern als individuelle Deutungen gesellschaftlich präformierter Bedeutungszuschreibungen, sind sie auch als stets ‚umkämpft‘ zu betrachten. 4 Denn gesellschaftliche wie individuelle Lesarten landschaftsbezogener Identitäten sind in ständiger Rekonstruktion, was mit einer Gleichzeitigkeit inhomogener Vorstellungen einhergeht und somit auch Konflikte hervorruft, die nicht immer explizit sind. Dies belegen empirische Befunde zu inhaltlich divergierenden Mustern landschaftsbezogener Identitäten (Davenport/Anderson 2005; Paniagua 2014; Loupa Ramos/Bianchi/Bernardo et al. 2019), in die Vorstellungen von Identitätsbedrohungen und ‑verlust eingelassen sind (Dossche/Rogge/van Eetvelde 2016). Variierende Deutungen können zwar komplementär koexistieren (Sheringham 2015), aber auch in einem konkurrierenden (Mettepenningen/Schuermans/Messely et al. 2011) oder sogar konfliktären Verhältnis zueinander stehen (Knaps/Herrmann 2018). Nach unserem Verständnis rekurriert der Begriff „konfliktär“ diesbezüglich nicht notwendigerweise auf die Gegenwart offener Kämpfe unterschiedlicher Parteien. Stattdessen werden Konflikte begriffen als Positionen, die durch Gegensätzlichkeit gekennzeichnet sind (vgl. Sturzebecher 1994: 356 f.). Bezogen auf landschaftsbezogene Identitäten lassen sich Konflikte fassen als miteinander unvereinbare, gegensätzliche Interpretationen landschaftsspezifisch gedeuteter Merkmale und deren symbolischen wie emotionalen Aufladungen.

3 Methodik der Fallstudie

3.1 Auswahl des Untersuchungsgebiets

Als Untersuchungsraum dient der südliche Teil des Landkreises Steinburg in Schleswig-Holstein (vgl. Abbildung 1), der in der Terminologie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) als „dünn besiedelter ländlicher Kreis“ 5 mit leichten demographischen Schrumpfungstendenzen gilt. 6 Der teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegende Untersuchungsraum verfügt über einen überdurchschnittlichen Anteil landwirtschaftlicher Nutzflächen (im Vergleich zum Bundesland Schleswig-Holstein) mit einer teilräumlich starken Konzentration von Grünland (Knaps/Lüder 2016: 96). Voruntersuchungen des Forschungsprojektes „Regiobranding“ 7 (Kempa/Herrmann/Böhm 2019) wiesen auf eine hohe Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit der landwirtschafts- und gewässergeprägten Marschlandschaft hin. Gleichzeitig unterliegt die Region starken Veränderungsprozessen durch den landwirtschaftlichen Strukturwandel und die zunehmende Produktion erneuerbarer Energien (vor allem Windkraftanlagen; Ruge/Huusmann 2018: 137). Solche Umbrüche evozieren vielschichtige Veränderungen bindungsrelevanter Bezüge (Dossche/Rogge/van Eetvelde 2016: 12 ff.). Da sie zudem mit einem Positionierungsbzw. ‚Bekenntniszwang‘ einhergehen und landschaftsbezogene Identitäten somit bewusster machen, wird deren Untersuchung erleichtert. Zudem verlaufen solche Umbrüche selten konfliktfrei. Aus diesen Gründen stellt das gewählte Gebiet einen geeigneten Untersuchungsraum dar, um landschaftsbezogene Identitäten inklusive der damit einhergehenden Konflikte zu untersuchen.

Abbildung 1
Abbildung 1

Untersuchungsraum im südlichen Teil des Landkreises Steinburg (SH)

Citation: Raumforschung und Raumordnung Spatial Research and Planning 2020; 10.2478/rara-2020-0011

3.2 Datenerhebung und -auswertung

Empirisch unmittelbar zugänglich sind landschaftsbezogene Identitäten als Zuspitzung der individuell aktualisierten gesellschaftlichen Landschaft. Da diese Dimension einen ausgeprägten subjektiven Einschlag hat, fiel die Wahl auf qualitative Interviews als Erhebungsmethode, da den Teilnehmenden dabei ausreichend Platz zur Entfaltung ihres eigenen Relevanzsystems zur Verfügung steht (Kruse 2015: 148). In den Interviews diente ein Leitfaden der thematischen Strukturierung (vgl. Tabelle 1). Bei den Formulierungen der Fragen und Erzählimpulse wurde das Wort „Landschaft“ nicht mitgeführt, um alltagsweltliche Verkürzungen auf das reine Landschaftsbild zu vermeiden. Der Begriff „Region“ wurde statt „Raum“ genutzt, um den Interviewpartnerinnen und ‑partnern einen Hinweis zu geben, dass der Fokus nicht auf lokalen und sublokalen Landschaften liegen sollte (ohne ihnen entsprechende Bezugnahmen zu untersagen). In Abhängigkeit des Erzählflusses sowie der angesprochenen Inhalte der 20- bis 60-minütigen Interviews wurde von der Reihenfolge der Fragen abgewichen und Fragen nicht gestellt.

Tabelle 1

Leitfaden zur Strukturierung der qualitativen Interviews

Inhaltlicher AspektLeitfrage/Erzählimpuls
Merkmale, die als spezifische Landschaft verstanden werdenBitte erzählen Sie mir doch einmal etwas zu dieser Region!
Welche Merkmale empfinden Sie als typisch für Ihre Region?
Stellen Sie sich vor, ein Freund käme für einen Tag zu Besuch, der noch nie in dieser Region war. Was würden Sie ihm zeigen?
Hat die Region Qualitäten, um die Sie die Menschen aus anderen Regionen wohl beneiden?
Merkmale, die als Landschaft verstanden werden und als Symbole räumlicher Zugehörigkeit bzw. Zusammengehörigkeit geltenFühlen Sie sich hier zu Hause? Würden Sie diese Region als Ihre Heimat bezeichnen? Wenn ja: Womit verbinden Sie Ihr zu Hause? Womit verbinden Sie Ihre Heimat?
Stellen Sie sich vor, Sie wären für lange Zeit weg. Gibt es etwas, das Sie vermissen würden?
Gibt es hier etwas, worauf Sie stolz sind?
Können Sie mir etwas über Orte erzählen, die eine ganz besondere Bedeutung für Sie haben?

Die Befragten wurden nach dem Prinzip des kontrastierenden Sampling ausgewählt. Dabei wird hinsichtlich bestimmter Merkmalsausprägungen (hier: Alter, Herkunft, Geschlecht, Personengruppe; vgl. Tabelle 2) eine bewusste Fallauswahl getroffen, die dem Ziel einer maximalen strukturellen Variation folgt (Kruse 2015: 242). Beim Alter zeigte sich ein deutlicher Überhang mittlerer Lebensphasen, der sich dadurch erklären lässt, dass Vertreterinnen/Vertreter von Interessengruppen sowie Akteure aus Politik und Verwaltung überwiegend in diese Kategorien fielen.

Tabelle 2

Eigenschaften der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner (N=28)

EigenschaftenDifferenzierungskategorienN
AlterJunge Erwachsene (bis 30 Jahre)3
Mittlere Lebensphase (31-61 Jahre)16
Senioren (ab 61 Jahren)9
HerkunftAlteingesessen19
Zugezogen9
GeschlechtMännlich17
Weiblich11
PersonengruppePrivatwirtschaftliche Akteure4
Vertreterin/Vertreter von Interessengruppen9
Akteure aus Politik und Verwaltung2
Privatpersonen mit landschaftsbezogenen Fachkenntnissen3
Privatpersonen ohne landschaftsbezogene Fachkenntnisse10

Die Datenanalyse zielte auf landschaftsbezogene Identitäten auf der Ebene der angeeigneten physischen Landschaft. Merkmale, die die Befragten als spezifische Landschaftseigenschaft deuteten und mit symbolischen bzw. emotionalen Gehalten aufladen, sind im Folgenden als Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten bezeichnet. Diese machte ein inhaltsanalytisch-rekonstruktives Verfahren sichtbar, bei dem zunächst individuelle Deutungen nachvollzogen und einzelne Textabschnitte durch die Zuweisung merkmalbezogener Begriffe kodiert wurden (vgl. Abbildung 2, Stufe 1). Auf einer fallübergreifenden Ebene (Stufe 2) erfolgte eine zunehmende Bündelung, Strukturierung und Verdichtung der kodierten Aussagen, aus denen ein mehrstufiges, merkmalbezogenes Kategoriensystem resultierte. Der letzte Schritt bestand in einer vertiefenden Analyse der Referenzpunkte, um konfliktär verfasste Bezüge zu erkennen.

Abbildung 2
Abbildung 2

Methodik der Datenanalyse

Citation: Raumforschung und Raumordnung Spatial Research and Planning 2020; 10.2478/rara-2020-0011

4 Ergebnisse der Fallstudie

4.1 Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten

Die Interviews enthalten zahlreiche Äußerungen, die die unterschiedlichen Selektionskriterien (vgl. Stufe 1 in Abbildung 2) erfüllen. Exemplarische Codierbeispiele 8 zeigt Tabelle 3.

Tabelle 3

Exemplarische Codierbeispiele, die die Selektionskriterien erfüllen

SelektionskriteriumCodierbeispiel
Wahrgenommene Spezifik„Die Marsch ist eine Kulturlandschaft, also künstlich geschaffen, zum Zweck der Landwirtschaft und das hat man eingedeicht [...]. Und dabei ist eben eine charakteristische Wirtschaftsform der Landwirtschaft entstanden, charakteristische Bebauungen, die letztlich ja die ganze Kulturlandschaft ausmachen, mit Deichen, mit Höfen in Einzelhoflage et cetera.“ (I9)
„Also da fällt mir natürlich ein, diese Marschenlandschaft, [...] das ist ja wirklich eine 800 Jahre alte Kulturlandschaft, so ganz typisch mit dem gekrüften Weideland und mit den weiten Sichtbeziehungen, das haben Sie woanders nicht.“ (I2)
Symbol räumlicher Zugehörigkeit„Und das ist das, ja, was ich sehr schön finde, was mir sehr liegt, was für mich meine Heimat ist: Die saftigen grünen Wiesen und viel Wasser, viele Gräben, kleine Flüsschen oder eben dann die Elbe.“ (I7)
„Also für mich habe ich mal irgendwann festgestellt, dass ein ganz besonderer Bezug ist, dann eben meistens im Sommer, wenn Grasschnitt ist, dieser Duft von Heu. So, das ist, sofort, wenn ich den habe, habe ich so ein Gefühl von: Das ist dein, dein zu Hause, deine Region so.“ (I5)
Symbol räumlicher Zusammengehörigkeit („Wir“-Gefühle)„Wir haben so eine interessante Geschichte, wir haben hier so viele historische Gebäude, wir haben in der Umgebung ganz traditionelle bäuerliche Strukturen, ne. [...] Wir haben hier überall Marschenland.“ (I3)
„Aber das ist eben das eigentümliche unserer Gegend, dass man weit gucken kann. […] Ja, das ist eben unsere Gegend.“ (I23)
Emotionale Aufladungen„Ich liebe auch die Weite.“ (I8)
„Ja, Wilstermarsch ist ja auch verbunden mit dem Käse. […] Und, ja, da kann man eigentlich stolz drauf sein, wenn man in der Region wohnt, dass man sagen kann, da komme ich her, da wurde der erfunden.“ (I11)

Aus der fallübergreifenden Codierung solcher Aussagen resultierte ein dreistufiges Kategoriensystem, das unterschiedliche Grade der Abstraktion widerspiegelt (vgl. Tabelle 4). Zentrale Kategorien sind die Referenzpunkte, die ihrerseits in fünf Obergruppen gebündelt sind und zahlreiche Aspekte aufweisen, anhand derer die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner ihre Interpretationen konkretisierten.

Tabelle 4

Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten

ObergruppeReferenzpunkteKonkretisierende Aspekte
Physisch-materielle EigenschaftenTopographieTiefe Lage, Lage unter dem Meeresspiegel, flache Landschaft, Weite, Offenheit, tiefste Landstelle Deutschlands
BodeneigenschaftenMoorgebiete, fruchtbare Böden, feuchte Böden, schwere Böden, gut bearbeitbare Böden, eingeschränkter Baugrund, besondere Biotopeigenschaften
EntwässerungssystemEntwässerungsinfrastrukturen (Gräben, Deiche, Sperrwerke, Schöpfwerke, Pumpen), Entwässerung im Zeitverlauf (prägender Faktor über Jahrhunderte, technische Verbesserungen im Zeitverlauf), Notwendigkeit
FlusslandschaftHohe Fließgewässerdichte, geprägt durch Tidenhub, Ort(e) besonderer Aufenthaltsqualität und Ästhetik, Breite der Elbe, Teil des Elbedeltas, Transportweg für Personen und Güter (historisch, gegenwärtig), flussbegleitende Baustrukturen (Schleusen, Häfen, Werften, Leuchttürme), Elbdeich, Fließgewässer als Raumgrenze(n), Elbstrand, besondere Biotopeigenschaften
Klimatische EigenschaftenMaritimes KlimaHimmel/Wolkenformationen, Kleinklima (gemäßigt bis rau, schnelle Wetterwechsel, kleinräumige Unterschiede), Wind, frische Luft
SturmflutenBesondere Einzelereignisse, regelmäßiges Phänomen, zerstörender und bedrohender Faktor
Siedlungs-strukturenLandwirtschaftliche BautenHistorische Hofanlagen, (teil)raumspezifische Bauweisen, Höfe in Einzellage, Höfe auf Warften, reetgedeckte Höfe, große Höfe
DorfstrukturenDörflicher Charakter, kleine Dörfer, Marschhufendörfer, intakte soziale Strukturen
Historische Ortskerne und dortige EinzelbauwerkeNarrationen zur baulichen Entwicklung, historische Einzelbauten (Kirchen, Rathäuser), Dorf- und Stadtkerne mit historischen Baustrukturen
Land- und GewässernutzungFischereiFischerei als nur noch rudimentär vorhandene Nutzungsform, Narrationen zu historischen, aus der Region initiierten Walfang-Expeditionen
Grünlandbewirtschaftung(Teilräumlich) dominante Landnutzungsform, Grünlandbewirtschaftung durch Weidehaltung, traditionelle Rinderrassen, regionale Molkereiprodukte
Ackerbau, Gemüsebau(Teilräumlich) dominante Landnutzungsform, regionale Produkte
Energieproduktion und ‑transportAtomenergieproduktion, Atomkraftwerk Brokdorf, Narrationen zur Protestbewegung gegen das Atomkraftwerk, Windkraftanlagen, Energietransportleitungen
Landwirtschaft (ohne Spezifizierung)Hoher Anteil landwirtschaftlicher Flächen, Form landwirtschaftlicher Nutzflächen (gekrüftet), Wohlstand landwirtschaftlicher Betriebe in der Vergangenheit
Eigenschaften der gesamten LandschaftKünstliche LandschaftLandschaft im früheren Elbeurstromtal, künstliche Entstehung durch Eindeichung, Urbarmachung/Besiedlung durch holländische Einwanderer
Ruhige LandschaftRuhe durch Abwesenheit von Siedlungsstrukturen und Verkehr
Freie LandschaftFreiraum zur persönlichen Lebensentfaltung (durch geringe Besiedlungsdichte)
Naturnahe LandschaftNaturnähe (durch geringe Besiedlungsdichte und Abwesenheit von Verkehr), wenig Zerschneidung und Zersiedelung, geringer Überprägungsgrad

4.2 Widersprüchlich besetzte Referenzpunkte

Dieses Kapitel stellt gegensätzlich verfasste und damit konfligierende Besetzungen der identifizierten Referenzpunkte dar. Die Darstellung erfolgt entlang von drei Polarisierungsmustern, die jeweils an unterschiedlichen Referenzpunkten bzw. einzelnen Aspekten (vgl. Tabelle 4) zum Ausdruck kamen.

4.2.1 Identitätsstiftend vs. nicht identitätsstiftend

Die deutlichste Form gegensätzlicher Interpretationen besteht in der Besetzung gleicher Merkmale als identitätsstiftend (bzw. als Referenzpunkt landschaftsbezogener Identitäten) wie auch als eindeutig nicht identitätsstiftend. So werden Windkraftanlagen als „typisch“ (I12) oder „Einzigartigkeit der Landschaft“ (I14) dargestellt und somit als spezifische Landschaft verstanden. Zudem gelten sie als Symbol raumbezogener Zugehörigkeit („irgendwie Heimat“; I15). In Opposition dazu beschreibt z. B. I22 Windkraftanlagen als „Eindringlinge in diese Landschaft“, was sie als etwas gar nicht zur Landschaft gehörendes ausgrenzt. In ähnlicher Weise betont I7, dass die Abwesenheit dieser technischen Infrastrukturen die eigentliche spezifische Landschaftseigenschaft darstellt:

„Und das ist das Schöne an diesem Fleckchen: Kein Windrad. Man guckt über die Wiesen bis zum Nord-Ostsee-Kanal. […] Was aber auch ganz typisch für diese Region wieder ist dann.“

Mit der tiefsten Landstelle Deutschlands wird zudem eine topographische Eigenschaft einerseits als identitätsstiftend gedeutet, indem die Interviewpartner diese als „was Besonderes“ (I7) und als „ganz speziell, spezifisch hier für unseren Standort“ (I13) bezeichnen. Konträr dazu stehen andererseits Aussagen, die dieses Merkmal im Kontext von Spezifik als „nicht so interessant“ (I19) bewerten und ihm lediglich zubilligen, etwas „touri-mäßiges“ bzw. eine „Pseudoattraktion“ (I6) zu sein. Andere schreiben dem Merkmal zwar durchaus eine gewisse Spezifik zu, die jedoch keine persönliche Bedeutung habe, wie beispielsweise I1 auf den Punkt bringt:

„Und es gibt natürlich, also hier denn so Punkte wie die tiefste Landstelle. Also das sind dann Sachen, die werden halt touristisch genutzt oder vermarktet. Haben für mich jetzt irgendwie nicht so eine spezifische Bedeutung.“

4.2.2 Noch Erhalten vs. schon verloren

Ein weiteres Muster gegensätzlich gedeuteter Merkmale folgt einer zeitlichen Logik und bezieht sich ausschließlich auf Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten. Es handelt sich also um gegensätzliche Besetzungen jenseits der Bewertung als identitätsrelevantes Merkmal. Dabei werden die jeweils gleichen Referenzpunkte als noch erhaltene und über die Zeit stabile Identitätsanker dargestellt, während andere sie als (fast) schon verlorene Merkmale ansehen und Gefühle von Identitätsverlust daran anknüpfen. So erkennen die Befragten Grünlandbewirtschaftung durch Weidehaltung beispielsweise als eine weitgehend erhaltene Produktionsweise an, wie I10 deutlich macht:

„Eine gleichmäßig bewirtschaftete Marschenfläche ist ein sehr schönes Bild, mit dem rotbunten Vieh drauf. So und das haben wir ja auch eigentlich überwiegend bewahrt.“

Andererseits wird Weidehaltung als etwas beschrieben, „das heute im Prinzip gar nicht mehr [passiert]“ (I16) und dessen Rückgang auch als Verlust spezifischer Landschaft gilt. Letzteres verdeutlicht beispielsweise I21, für den „die alte Kulturlandschaft der bäuerlichen Landwirtschaft“ einen wichtigen Aspekt landschaftlicher Spezifik darstellt, der die Weidehaltung einschließt. Gleichzeitig sei dieser Aspekt jedoch durch den Rückgang der Weidehaltung bedroht:

„Früher wurden die Tiere reingeholt zum Melken und wurden nach dem Melken wieder rausgelassen. Heutzutage sind die Kühe den ganzen Tag im Stall. Nur die Nachzucht ist dann auf dem Land. Es ändert sich so schon was, also dieses, der bäuerliche Flair ist schon verloren gegangen […].“

Neben weiteren Aspekten der Grünlandbewirtschaftung (traditionelle Rassen, regionale Molkereiprodukte) wird auch Gemüseanbau entlang der Gegensätzlichkeit erhalten vs. verloren thematisiert. So sei einerseits in einem bestimmten Teilraum „ein ganz großer Teil […] immer noch Gemüsebau“ (I9), während andere darauf hinweisen, dass in diesem Bereich „viele Gemüseanbauflächen heute schon mit Getreide bestellt sind“ (I25) und die Zahl der entsprechenden Betriebe zurückginge. Jenseits von Landnutzungen tritt dieses Muster gegensätzlicher Besetzungen bei historischen Hofanlagen sowie bei Entwässerungsinfrastrukturen auf. So schreibt beispielsweise I22 beiden Merkmalen zu, noch weitgehend unverändert vorhanden zu sein:

„Mich reizt an dieser Gegend, dass manches nicht so schnell geht und sich nicht so rasend verändert […]. Hier habe ich auch solche Karten aus dem 18. Jahrhundert und das sieht heute noch so aus. […] Die Grundstrukturen, die Höfe, die Wasserläufe, die Deichlinien, […] sind fast noch dieselben.“

In Polarisierung dazu bezeichnet I5 historische Höfe als „ganz wichtiges bauliches Kulturmerkmal, das aber leider immer mehr abnimmt“. Neben der sinkenden Anzahl entsprechender Höfe meint I5 damit auch die Abnahme von Reetdachbedeckungen und verknüpft dies mit Verlustvorstellungen landschaftlicher Spezifik:

„Dadurch steht dann nur noch ein großer Hof da, der auch nett sein kann. Aber nicht mehr durch dieses typische mit Reet gedeckt. Weil Hofanlagen ist schön und gut aber ohne Reet […] geht was Landschaftstypisches verloren.“

Eine ähnliche Tendenz sieht I27 hinsichtlich Entwässerungsinfrastrukturen:

„Was mir noch so auffällt, […] dass bei uns viel offene Entwässerung stillgelegt werden. Dadurch entsteht auch eine Kultur, ein Blick auf die Landschaft, die nicht mehr typisch ist [sic].“

4.2.3 Schonend vs. überprägend

Spezifisch wahrgenommene sowie symbolisch-emotional aufgeladene Landnutzungsformen werden entlang der Polarisierung schonend vs. überprägend thematisiert. Bewertungen als „überprägend“ werden dabei auf den zunehmenden Wandel eines eigentlich identitätsstiftenden Merkmals in einen Bedrohungsfaktor für andere Referenzpunkte zurückgeführt. Auch dieses Muster ist am Referenzpunkt der Grünlandbewirtschaftung nachweisbar. Letztere gilt insofern als schonend, als dass ihr (trotz intensiver Produktionsweise) Naturverträglichkeit und eine geringe Auswirkungsintensität zugeschrieben werden. So charakterisiert etwa I11 die Landschaft zwar als „intensiv genutzt, überwiegend Milchviehhaltung“, resümiert jedoch wenig später:

„Wir haben hier eben natürliche Ressourcen, die wir dann nutzen […]. Also ich beobachte nach wie vor, dass hier eben doch noch genug Natur möglich ist. Ich kann eben auch Stellen zeigen, wo Kiebitze brüten und sich vermehren.“

Darüber hinaus wird die Grünlandbewirtschaftung mit einem geringen Pestizideinsatz (I13), Naturschutzmaßnahmen (I16) und schonender Flächennutzung (I19) verbunden. Gegensätzlich dazu sind Vorstellungen, die diese Landnutzung zwar als spezifisch, aber auch als (zumindest partiell) überprägend und damit problematisch interpretieren. Dies verdeutlichen negativ konnotierte Aussagen, die Landschaftsveränderungen durch größer werdende Viehherden zum Ausdruck bringen (I25) und negative Wirkungen auf das eigentlich identitätsstiftende Weideland hervorheben:

„Im Moment leiden wir immer mehr durch diese Massentierhaltung der Rinderzucht. Alle vier Wochen – ich überzieh das vielleicht ein bisschen – da wird wieder gemäht, es wird die alte Wiese oder Dauerweide wurde aufgerissen, da wurde neuer Grassamen gemacht, damit das noch ertragreicher ist und dann geht das immer mehr in die Güllebewirtschaftungsbedingung.“ (I17)

Das gleiche Unterscheidungsmuster lässt sich im Hinblick auf Windkraftanlagen nachweisen. Diese werden zwar nicht unmittelbar als schonende Landnutzungsform beschrieben, das Ausmaß des derzeitigen Ausbaus wird jedoch als gering oder zumindest akzeptabel bewertet, wie beispielsweise I5 argumentiert:

„Aber das [Windkraftanlagen] finde ich ist […] ein ganz, jetzt doch auch landschaftsprägendes Bild mit, was ja durchaus nicht von allen positiv gesehen wird. Aber ich sage, in diesem Umfang, wie wir es im Moment haben, kann man das noch sehr gut aufnehmen und positiv bewerten.“

Im Widerspruch dazu stehen Wahrnehmungen von Windkraft als überprägendem Faktor. Die Ausbauintensität wird beispielsweise negativ als „auf Teufel komm raus“ (I1) oder als „Wildwuchs“ (I10) umschrieben und resultiere „in einem solchen wilden Netz, von dem man kaum versteht, wie das eigentlich zu Stande kommt“ (I28). Zudem werden negative Wechselwirkungen auf andere Referenzpunkte gesehen, wie die landwirtschaftlichen Bauten (I11), die Weite (I21) sowie die Landschaft im Gesamten (I8, I3, I22).

5 Diskussion

Den konzeptionellen Ausgangspunkt dieses Beitrages bildet die Annahme, dass nachhaltige Raumentwicklung in substanzieller Hinsicht an ein relationales Raumverständnis gebunden ist und prozedural auf die Auseinandersetzung mit Konflikten gerichtet sein sollte (vgl. Kapitel 2). Diese allgemeinen Anforderungen leiteten eine Konzeption und Methodenentwicklung zur Erhebung landschaftsbezogener Identitäten an. In Kenntnis der empirischen Ergebnisse werden im Folgenden die theoretischen und methodologischen Überlegungen resümiert sowie praktisch-planerische Implikationen aufgezeigt.

5.1 Theoretisch-konzeptioneller und methodologischer Ansatz

Aus der theoretisch-konzeptionellen Orientierung an einem relationalen Raumverständnis ergab sich eine Konzeption landschaftsbezogener Identitäten als individuelle Deutungen, die sich der Materialität ebenso wie gesellschaftlich vorgehaltenen Deutungsmustern bedienen. Eine Konkretisierung erfolgte anhand der angeeigneten physischen Landschaft (Kühne 2018). Im Zentrum des Interesses standen damit Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten – also solche Merkmale, die als spezifisch für eine Landschaft kategorisiert werden und auf die symbolische Gehalte (Zugehörigkeits- und Zusammengehörigkeitsvorstellungen) sowie damit einhergehende Emotionen bezogen werden. Es wurde zudem hergeleitet, dass sich anhand solcher Referenzpunkte auch Konflikte – verstanden als gegensätzliche und miteinander unvereinbare Positionen – bestimmen lassen. Die empirischen Ergebnisse untermauern diese theoretisch-konzeptionellen Annahmen. So belegen die Resultate einerseits ein weites Spektrum an Referenzpunkten, die die Befragten zwar individuell besetzten, die aber dennoch wiederholt auftraten. Andererseits ließen sich anhand der Besetzungsmuster gegensätzliche und damit (potenziell) konfligierende Lesarten nachweisen: Dieselben Merkmale gelten den einen als identitätsstiftend, den anderen ausdrücklich nicht. Sie werden von den einen als noch erhaltene, beständige Referenzpunkte gesehen, von anderen als (fast) schon verlorene Spezifik bedauert. Sie sind für die einen schonend und problemlos, für andere ‚kippen‘ sie immer mehr von einem eigentlich identitätsstiftenden Merkmal zu einem problematischen Bedrohungsfaktor.

Von wesentlicher Bedeutung für die Ergebnisgenerierung war die Überführung der konzeptionellen Ansätze in eine qualitativ-rekonstruktive Methodologie, mit der landschaftsbezogene Identitäten interpretativ sichtbar werden. Zentral ist dabei der Gedanke, dass qualitative Ergebnisse keine ‚objektiven‘ Daten liefern, die das Ableiten von ‚Wahrheiten‘ über Phänomene wie landschaftsbezogene Identitäten erlauben. Durch den Fokus qualitativer Ansätze auf (subjektive) soziale Wirklichkeiten stellen sich Fragen nach der Reichweite der erhobenen Daten – also inwieweit überhaupt Einsichten gewonnen wurden, die über subjektive Sinnstrukturen der Befragten hinausgehen und damit eine Legitimation haben, in Planungsprozessen zur Geltung zu kommen. In diesem Zusammenhang sei nochmals auf das Prinzip des kontrastierenden Sampling verwiesen, das der Datenerhebung zugrunde lag (wenngleich mit Einschränkungen hinsichtlich der Altersverteilung; vgl. Kapitel 3.2). Denn ein Schluss, der aus den empirischen Befunden gezogen werden kann, ist, dass die Referenzpunkte identitätsrelevante Größen für unterschiedliche Interviewpartnerinnen und ‑partner darstellen (z. B. hinsichtlich Herkunft, Geschlecht, Profession). Gleiches gilt für die einzelnen Pole, aus denen sich die identifizierten Widerspruchspaare zusammensetzen. Weil also konsistente Kerne trotz kontrastierender Interviewpartnerinnen und ‑partner nachweisbar sind, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich vergleichbare ‚Versionen‘ dieser Grundmuster auch in anderen Teilen der Gesellschaft wiederfinden (vgl. Kruse 2015: 245 f.). Oder mit anderen Worten und in Anbindung an die theoretischkonzeptionellen Ausführungen am Beginn: Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Grundmuster eine Verankerung auf der Ebene der gesellschaftlichen Landschaft haben, sodass gesellschaftliche Prozesse (z. B. Planungsprozesse) daran anknüpfen können. Für eine weitergehende empirische Absicherung der Daten sind also nicht einfach nur ‚mehr Interviews‘ notwendig (eine nach wie vor häufige Forderung an qualitative Untersuchungen mit geringer Fallzahl), sondern eine erhöhte strukturelle Variation der einbezogenen Interviewpartnerinnen und ‑partner oder historische Vergleiche, mit denen sich stabile Muster trotz gesellschaftlicher und räumlicher Veränderungen ausmachen ließen.

5.2 Planungspraktische Implikationen

Planungspraktische Implikationen ergeben sich zunächst in Anknüpfung an die obigen methodologischen Ausführungen. Denn für die Durchführung qualitativer Interviews sowie inhaltsanalytisch-rekonstruktiver Auswertungsverfahren fehlen in der praktischen Planung – sowohl in formalen Verfahren, wie Umweltprüfungen oder der Aufstellung von Plandokumenten, als auch in informellen Entwicklungsprozessen – häufig personelle und zeitliche Kapazitäten, sodass hier Abkürzungsstrategien erforderlich sind. Eine solche könnte im Aufgreifen der vorgefundenen Polarisierungsmuster als Analyseheuristik liegen. Damit könnten beispielsweise partizipative Prozessschritte einer Planung angeleitet und ausgewertet werden, die auf landschaftsbezogene Identitäten aufbauen soll. Es wäre beispielsweise im Rahmen von Werkstattgesprächen oder Regionalforen (vgl. Kempa 2019) zu thematisieren bzw. zu analysieren, welche Merkmale gleichzeitig als identitätsstiftend wie auch als nicht identitätsstiftend besetzt sind, welche Referenzpunkte landschaftsbezogener Identität zunehmend in Verruf geraten, ein bedrohender Faktor für andere zu werden, und welche bereits mit Verlustvorstellungen und ‑gefühlen besetzt sind.

Weitere Implikationen lassen sich im Hinblick auf die planerische Berücksichtigung der Ergebnisse formulieren. Durch ihren Raumbezug öffnet sich die Möglichkeit, die Referenzpunkte beispielsweise in die unterschiedlichen Schritte der Landschaftsplanung zu integrieren: Bereits bei der Problembestimmung ließen sich unter Veränderungsdruck geratene Referenzpunkte einbringen, um Planungsprioritäten zu bestimmen und durch entsprechende Schutzmaßnahmen Verlusterfahrungen landschaftsbezogener Identitäten vorzubeugen. Ebenso können sie zur Bewertung geplanter Vorhaben einen Beitrag leisten. In informellen landschaftsplanerischen Verfahren oder in der Regionalentwicklung bieten Kenntnisse über Referenzpunkte landschaftsbezogener Identitäten eine Möglichkeit, um über entsprechende Thematisierungen eine hohe Beteiligung zu erreichen und Akteure jenseits der ‚üblichen Verdächtigen‘ zu aktivieren (vgl. Messely/Dessein/Lauwers 2010).

Neben diesen skizzierten Integrationsmöglichkeiten lassen sich Handlungsempfehlungen für das Bearbeiten konfliktär verfasster Inhalte landschaftsbezogener Identitäten ableiten: Erstens unterstreichen die nachgewiesenen Inkonsistenzen der Ergebnisse, dass einheitliche Lesarten landschaftsbezogener Identitäten weder vorauszusetzen (Gailing 2010) noch anzustreben sind (Schönwald/Kühne 2014). Zweitens ist im Umgang mit widersprüchlichen Besetzungen einzelner Merkmale zu vermeiden, dass Planende sich ‚auf eine Seite schlagen‘. Denn auch dies ginge mit der thematischen Exklusion der jeweils anderen Perspektive sowie der entsprechenden Akteure einher. Drittens ist beim Bearbeiten konfliktärer Besetzungen anzuerkennen, dass solche Konfliktlinien wegen ihrer symbolisch-emotionalen Aufladungen nicht einfach durch Aushandlungen ‚beseitigt‘ werden können. Die Bearbeitung unvereinbarer Perspektiven sollte eher darauf abzielen, zunächst einen Konsens über Dissens zu erarbeiten. Darauf können Versuche aufbauen, neue Beziehungen zwischen unterschiedlichen Lesarten zu entwickeln, die jenseits konfliktärer Bewertungsmuster organisiert sind. Solche „Zwischenräume“ (Forschungsverbund „Blockierter Wandel?“ 2007: 103) existieren bereits vielfach, jedoch als Ausnahmen jenseits etablierter Strukturen. In der Untersuchungsregion ließe sich beispielsweise hinsichtlich der mehrdeutigen Besetzungen der Grünlandbewirtschaftung eine Initiative regionaler Landwirte in den Vordergrund rücken. In Anknüpfung an naturräumlich bedingte Produktionsbedingungen hat diese zum Ziel, eine regionale Weidemilch mit eigenen Qualitätsstandards zu etablieren. Ein Koprodukt der Realisierung entsprechender Praktiken und Produkte wäre ein neues Identitätsangebot, das an vorhandene Referenzpunkte anknüpft, sich aber einer Einordnung in polarisierende Kategorien entzieht. Denn es handelt sich weder um den Versuch eines bedingungslosen Erhalts traditioneller (aber in die Krise geratener) Milchviehwirtschaft, noch findet ein vollständiger Bruch mit diesen Praktiken (insbesondere der Weidehaltung) statt, der Gefühle des ‚schon verloren‘ katalysieren würde. Zugleich ist es keine primär auf den Schutz ausgerichtete Landnutzung, während es durch die Abkopplung der marktorientierten Praktiken konventioneller Landwirtschaft auch nicht als überprägend zu kategorisieren wäre. Viertens ist jedoch zu beachten, dass neue Identitätsangebote im Diskurs gegenüber anderen Lesarten bestehen müssen (Christmann 2016). Über Maßnahmen wie „Kulturlandschaftspolitik“ (Gailing 2014), „Identitätspolitik“ (Sackmann/Schubert 2018: 310) oder „Kulturlandschafts-Branding“ (Kempa/Herrmann/Böhm 2019: 8 ff.) kann begünstigt werden, dass neue Identitätsvorlagen zu einer Komponente landschaftsbezogener Identitäten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene werden. Gemeinsam ist solchen Ansätzen, dass sie Zeit und ein regelmäßiges Sichtbarwerden dieser neuen Identitätsangebote benötigen.

Ein weiterer Aspekt mit unmittelbarer Relevanz für die Bearbeitung identitätsrelevanter Konflikte ist die Frage nach (z. B. ökonomischen, ästhetischen, ethischen) Rationalitäten, die hinter den identitätsrelevanten Widersprüchen stehen bzw. diese anleiten. So lassen sich die in den Interviews genannten – beispielsweise ökonomischen – Rahmenbedingungen in den Bereichen Landwirtschaft und Windenergieproduktion als Begründungen für Polarisierungen herausarbeiten: Manche Interviewpartnerinnen und -partner stimmen darin überein, dass der Wandel der Landwirtschaft und die damit einhergehenden landschaftlichen Veränderungen das Ergebnis ökonomischer Zwänge sind. Zugespitzt lässt sich formulieren, dass es diese ökonomischen Zwänge sind, die eine überprägende Wirtschaftsweise bedingen und die dazu führen, dass identitätsstiftende Landschaftsstrukturen verloren gehen. Auch Politik und Steuerung werden als deutliche Einflussgrößen in Bezug auf die Entwicklung der Landwirtschaft sowie die Gestaltung des Windkraftanlagenausbaus gesehen und bedingen die damit zusammenhängenden widersprüchlichen Wahrnehmungsmuster. Dabei geht es im Kern um die – wiederum unterschiedlich eingeschätzte – Frage, wer, von wem, warum und wie (nicht) gefördert wird und welche Konsequenzen sich daraus für den landschaftlichen Wandel ergeben. Solche Begründungszusammenhänge knüpfen an Fragen nach (gesellschaftlicher und individueller) Gestaltungsmacht an, die – intendiert oder nicht – immer auch eine Gestaltung von Landschaft ist. Wie genau solche Rationalitäten landschaftsbezogene Identitäten (mit-)beeinflussen und wie diese in Analysemethoden sowie der praktischen Planung berücksichtigt werden können und sollten, sind interessante Fragestellungen für zukünftige Forschung.

6 Fazit

Die Orientierung an relationalen Raumverständnissen in Kombination mit der Hinwendung zu Konflikten kann in ihrem konkreten Bezug auf landschaftsbezogene Identitäten wirkungsvolle Beiträge zu einer nachhaltigen Raumentwicklung leisten. Denn die dargestellte theoretisch-konzeptionelle und methodologische Herangehensweise adressiert zentrale Defizite nicht-nachhaltiger Planung, die ein verstelltes Verständnis des räumlichen Handlungskontextes ebenso wie thematische und personelle Exklusionsprozesse zur Folge hätten. Der Blindheit für das gleichzeitige Nebeneinander unterschiedlicher Vorstellungen wird in der Anerkennung und methodischen Berücksichtigung der Vieldeutigkeit und Vielfalt landschaftsbezogener Identitäten begegnet. Der Dethematisierung konfliktträchtiger Inhalte wird mit einem expliziten Fokus auf diese begegnet, wodurch sie thematisierbar und bearbeitbar werden. Im Gegensatz zu reduktionistischen Perspektiven vermag diese neue Denk- und Handlungsräume zu öffnen, die sich bis auf die Ebene konkreter Handlungsempfehlungen niederschlagen (vgl. Kapitel 5.2) und eine tatsächliche Berücksichtigung unterschiedlicher Raumnutzungsansprüche begünstigen. Damit lassen sich Gestaltungsoptionen eher in einem breiten gesellschaftlichen Konsens und entlang von demokratischen Aushandlungsprozessen entwickeln und realisieren. Auf diese Weise wird der vielfach abstrakt erscheinenden Leitvorstellung einer nachhaltigen Raumentwicklung ‚Leben eingehaucht‘ und ihre Realisierung begünstigt.

Danksagung

Wir bedanken uns bei allen Interviewpartnerinnen und -partnern für ihre Zeit sowie bei den anonymen Gutachtern für die wertvollen Hinweise zur Verbesserung dieses Artikels.

Förderhinweis

Bundesministerium für Bildung und Forschung (033 L121 AN) (Falco Knaps, Sylvia Herrmann).

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Footnotes

1

Raumordnungsgesetz vom 22. Dezember 2008, das zuletzt durch Artikel 2 Absatz 15 des Gesetzes vom 20. Juli 2017 geändert worden ist.

2

Dies kann für die Verwendung in anderen Kontexten durchaus angemessen sein.

3

Die theoretisch-konzeptionelle Unterscheidung zwischen personaler, relationaler und sozialer Identität ist jedoch keinesfalls als akademischer Konsens zu sehen. Beispielsweise lehnt Breakwell (2004: 28) die Dichotomie personale vs. soziale Identität explizit ab.

4

Im Gegensatz zu essenzialistischen Ansätzen, die von einer landschaftsbezogenen Identität ausgehen (vgl. Gailing 2014: 239).

7

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Innovationsgruppen für ein nachhaltiges Landmanagement“; Förderkennzeichen 033 L121 AN.

8

Die Kennzeichnung „I“ hinter Zitaten steht im Folgenden für „Interviewpartnerinnen und Interviewpartner“ und wird durch eine Nummer ergänzt.

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