Diskursive Konstituierung von Kulturlandschaft am Beispiel politischer Windenergiediskurse in Deutschland

Markus Leibenath 1  and Antje Otto 1
  • 1 Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Weberplatz 1, 01217, Dresden, Deutschland
Dr.-Ing. Markus Leibenath
  • Corresponding author
  • Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Weberplatz 1, 01217, Dresden, Deutschland
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and Antje Otto

Zusammenfassung

Es gibt zahlreiche Landschafts- oder Kulturlandschaftsbegriffe, was mitunter irritierend sein kann. In diesem Beitrag wird kein „neuer“ Landschaftsbegriff propagiert. Stattdessen untersuchen wir, wie „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ in politischen Diskursen mit Bedeutung aufgeladen werden. Ziel ist es, einen Ansatz zur Analyse der diskursiven Konstituierung von Kulturlandschaft und Methoden zu dessen Umsetzung vorzustellen. Dabei stützen wir uns auf die poststrukturalistische Diskurstheorie von Ernesto Laclau. Als Beispiele werden eine bundesweite Erhebung zu den thematischen Bezügen ortsbezogener Kulturlandschaftsdiskurse und eine vertiefende Untersuchung von Landschaftskonzepten und Argumentationsmustern in politischen Diskursen über die Nutzung der Windenergie in Deutschland vorgestellt. In den Windenergiediskursen werden allgemein bekannte Landschaftskonzepte reproduziert: „Landschaft als schönes, wertvolles Gebiet“, „Landschaft als von Menschen geprägtes Gebiet“ und „Landschaft als etwas subjektiv Wahrgenommenes“. Der Pro-Windenergie-Diskurs verursacht jedoch Brüche in der scheinbaren Geschlossenheit des konservativen Landschaftsdiskurses, dessen Kernstruktur das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ darstellt, und auch in umgekehrter Richtung werden Friktionen ausgelöst. Durch bestimmte Argumentationsmuster wird versucht, die Diskurse zu schließen und gegen Störungen zu immunisieren. Insgesamt spielen Landschaftskonzepte in Windenergiediskursen eine nachgeordnete Rolle und werden teilweise unter instrumentellen, argumentationstaktischen Gesichtspunkten artikuliert.

1 Einleitung

Kulturlandschaft kann vieles sein: Etwas Harmonisches, Schönes; ein menschlicher Lebens-, Erfahrungs- und Handlungsraum; eine durch menschliches Tun geprägte Gegend; ein sichtbarer, geschauter Ausschnitt der Erdoberfläche; ein Resultat und ein Spiegel geschichtlicher und politischer Ereignisse; eine Art, die Welt zu sehen; ein Objekt der Raumordnung, der Denkmalpflege oder des Naturschutzes; eine Ressource der Regionalentwicklung oder eine wissenschaftliche Perspektive. Vielleicht auch alles zuvor Genannte zugleich. Oder aber etwas ganz anderes!

Offensichtlich gibt es nicht einen Landschafts- oder Kulturlandschaftsbegriff, sondern zahlreiche. Dies kann mitunter für Planungspraktiker irritierend sein, die zum Beispiel „Kulturlandschaft“ als einen von vielen Planinhalten behandeln müssen oder zur Abwehr unerwünschter Vorhaben nutzen wollen und sich klare Definitionen wünschen. Ähnlich ergeht es oftmals Personen, die gerade damit beginnen, sich wissenschaftlich mit Landschaft oder Kulturlandschaft zu beschäftigen.

Es kann als Reaktion auf ein verbreitetes Unbehagen über die semantische Unbestimmtheit der Wörter „Kulturlandschaft“ und „Landschaft“ betrachtet werden, dass immer wieder neue Versuche unternommen werden, Ordnung in die Vielfalt von Kulturlandschafts- oder Landschaftsbegriffen zu bringen und diese zu strukturieren, zu systematisieren oder zu typisieren, zum Beispiel nach geschichtlichen Epochen, nach Verwendungskontexten oder danach, welche Rolle der Mensch in den jeweiligen Landschaftsverständnissen1 spielt (z. B. Schenk 2001; Jessel 2005; Marschall 2007).

In diesem Beitrag wird kein „neuer“ Landschaftsbegriff propagiert – zumindest nicht im üblichen positivistischen Sinne. Stattdessen untersuchen wir, wie „Landschaft“ und „Kulturlandschaft“ in politischen Diskursen mit Bedeutung aufgeladen werden. Als politisch bezeichnen wir Diskurse, in denen Fragen, die ein Gemeinwesen (z. B. Gesellschaft, Staat, Kommune) betreffen, konflikthaft verhandelt werden (Nonhoff 2006: 109). Bisherige deutschsprachige Studien haben zwar teilweise die forschungspolitische Bedeutung von „Landschaft“ ins Visier genommen (z. B. Schenk 2002: 9), aber kaum die darüber hinausgehenden politischen Dimensionen. Welche politischen Implikationen ergeben sich daraus, dass „Landschaft“ so unterschiedlich interpretiert werden kann? Für welche politischen Zwecke und mithilfe welcher Argumentationsmuster werden bestimmte Landschaftsbegriffe instrumentalisiert? – Darüber ist wenig bekannt. Indem wir politische Verwendungskontexte von „Landschaft“ und die politischen Funktionen unterschiedlicher Landschaftsbegriffe untersuchen, möchten wir Bausteine zur Schließung dieser Forschungslücke liefern.

Konstituierung von Kulturlandschaft findet in unserem Verständnis statt, wenn das Wort „Kulturlandschaft“ mit anderen diskursiven Elementen verknüpft wird. Dabei stützen wir uns auf die poststrukturalistische Diskurstheorie, die Ernesto Laclau – anfänglich gemeinsam mit Chantal Mouffe – entwickelt hat, sowie auf einige Aspekte der Differenzphilosophie Jacques Derridas.

Poststrukturalistisch-diskurstheoretische Ansätze der Landschaftsforschung befinden sich in Deutschland noch in den Anfängen (im englischsprachigen Raum ist dies anders; vgl. Duncan/Duncan 1988; Matless 1998). Es liegen jedoch erste empirische Arbeiten aus der Raum- und Stadtforschung vor, etwa von Glasze (2007) über die Entstehung eines weltumspannenden Raums der Frankophonie und von Mattissek (2008) über die Selbstdarstellung von Städten im Stadtmarketing (vgl. auch die Beiträge in Glasze/Mattissek 2009).

In diesem Beitrag wollen wir einen theoretischen Ansatz zur Analyse der diskursiven Konstituierung von Kulturlandschaft (Kap. 2) sowie Methoden zu dessen Umsetzung (Kap. 3) vorstellen. Dabei beziehen wir uns exemplarisch auf zwei eigene empirische Untersuchungen: Eine bundesweite Erhebung zu den thematischen Bezügen ortsbezogener Kulturlandschaftsdiskurse und eine daran anknüpfende Untersuchung von Landschaftskonzepten und Argumentationsmustern in nicht-ortsbezogenen politischen Diskursen über die Nutzung der Windenergie in Deutschland (Kap. 4). Abschließend wollen wir die planungspraktische Relevanz der Ergebnisse sowie Optionen zur Weiterentwicklung dieses Ansatzes erörtern (Kap. 5).

Dieser Beitrag stellt in mehrfacher Hinsicht eine Gratwanderung dar, zum Beispiel zwischen dem Anspruch, allgemeinverständlich zu schreiben, und der Notwendigkeit, eine spezielle Terminologie zu verwenden, die unserem theoretischen Zugang gerecht wird. Des Weiteren müssen wir mit dem Widerspruch umgehen, dass in einer poststrukturalistischen Perspektive einerseits alle Begriffe und Bedeutungszuschreibungen relativ sind und dass es keine „eigentlichen“ Bedeutungen gibt, aber dass wir natürlich andererseits – um überhaupt analysieren und schreiben zu können – Annahmen und Setzungen vornehmen müssen, die wir unhinterfragt lassen. Dieser Widerspruch lässt sich auch so formulieren, dass es aus poststrukturalistischer Sicht keine in sich geschlossenen Ganzheiten, keine universellen Gedankengebäude und keine völlig konsistenten Diskurse geben kann, aber dass man als Autor natürlich bestrebt ist, eine logische und in sich schlüssige Argumentation vorzulegen. In Anbetracht dessen wird Schreiben zu einem selbstreflexiven Prozess, bei dem die Autoren die Begrenztheit des eigenen Blickwinkels, die Relativität der Erkenntnisse und letztlich auch das eigene Scheitern stets mitdenken (Stäheli 2000: 7; Harrison 2007: 590 f.).

2 Theoretischer Rahmen

2.1 Bedeutung

Es geht uns darum zu untersuchen, wie „Landschaft“ und „Kulturlandschaft“ in politischen Diskursen mit Bedeutung aufgeladen werden. Aber was verstehen wir unter Bedeutung? – In einem alltagsweltlichen Verständnis ergibt sich die Bedeutung eines Wortes daraus, dass es ein bestimmtes Phänomen in der realen Welt bezeichnet. Demnach steht jedem Signifikanten (Bezeichnendes) ein Signifikat (Bezeichnetes) gegenüber.

Der Schweizer Sprachforscher Ferdinand de Saussure, der dem Strukturalismus zugeordnet wird, hat aufgezeigt, dass sich die Bedeutung eines Wortes wie „Baum“ nicht allein durch den Bezug auf die Vorstellung eines physischen Objekts, sondern erst durch Bezüge zu anderen Zeichen wie „Blatt“, „Stamm“, „Wurzel“ und so weiter ergibt. Bedeutung ist also relational. Außerdem gibt es nach de Saussure keine zwingende oder naturgegebene Verbindung von Signifikant und Signifikat, sondern diese ist arbiträr. Einmal etablierte Zeichen betrachtet de Saussure jedoch als starre Verbindungen von Signifikant und Signifikat (de Saussure 2001[1916]: 77 ff. und 134 ff.).

Derrida betont in Anknüpfung an de Saussure, dass sich Bedeutung vor allem über Differenzbeziehungen herstellt: „Differenzen [sind] … die Vorbedingung jeglicher Bedeutung und jeglicher Struktur“ (Derrida 1986 [1972]: 42). Er begreift „Bedeutungskonstitution als Resultat eines Spiels differentieller Verweisungen“ (Engelmann 2008: 18). Die Bedeutung oder die Identität eines Elements entsteht, indem es als different artikuliert wird und mit anderen Elementen in Beziehung gesetzt wird: „A ist anders als B“, „A und B sind anders gelagert als C“ und so weiter.

Im Unterschied zu de Saussure weisen Derrida und Laclau darauf hin, dass es keine festen Verbindungen zwischen Signifikanten und Signifikaten gibt. Ein Wort wie „Baum“ kann mit „Holz“, „Pflanze“ und „Stamm“ in Verbindung gebracht werden, aber auch mit „Computer“ und „Datenspeicherung“ oder mit „Segelschiff“ und „Takelage“. Jeder Signifikant ist potenziell vieldeutig und kann unendlich viele Bedeutungen tragen, er ist mit Bedeutungen „überdeterminiert“ (Laclau/Mouffe 1985: 113). Für Derrida und Laclau existieren daher keine transzendentalen – also außerhalb der Verweisungen von einem Signifikant zu anderen Signifikanten liegenden – Verbindungen vom Signifikant zum Signifikat. Folglich kann es keinen Fixpunkt geben, an dem das unendliche Netz von Verweisungen und Verknüpfungen dauerhaft zum Stillstand käme. Wegen dieser Kritik an der Zeichentheorie de Saussures wird das Denken von Derrida und Laclau (und zahlreichen weiteren Autoren; vgl. z. B. die Übersicht in Stäheli 2000) als poststrukturalistisch bezeichnet.

In der poststrukturalistischen Perspektive sind auch Raum, Landschaft oder Kulturlandschaft keine physischen Gegebenheiten oder Sinneseindrücke, sondern Signifikanten, die durch Differenzbeziehungen mit anderen Signifikanten verbunden sind und auf diese Weise Bedeutung erlangen – ähnlich wie in der Neuen Kulturgeographie und der Systemtheorie (Klüter 1986: 168; Wylie 2007: 94 f.; Lossau 2008: 330). Diese Bedeutungen sind allerdings nicht stabil, sondern stets brüchig und instabil (oder „precarious“ in der Formulierung von Laclau/Mouffe 1985: 96).

Diese Überlegungen zur Entstehung von Bedeutung bilden den Schlüssel zum Verständnis des poststrukturalistischen Diskursbegriffes von Laclau/Mouffe.

2.2 Diskurs

Ein Diskurs stellt nach Laclau/Mouffe den Versuch dar, innerhalb des unendlichen Feldes möglicher differentieller Verknüpfungen Bedeutung zu fixieren. Dabei geht es darum, ein möglichst geschlossenes System von Querbezügen beziehungsweise differentiellen Verweisen – „a structural totality of differences“ (Andersen 2003: VI) – aufzubauen und nach außen hin abzugrenzen (Laclau/Mouffe 1985: 108 und 111 f.; Laclau 1990: 100; Laclau 1993: 435).

Dazu sind mehrere strategische Operationen erforderlich. Erstens müssen Signifikanten überhaupt miteinander in Beziehung gesetzt werden (Nonhoff 2006: 86), zum Beispiel indem gesagt wird: „Gut ausgebaute Autostraßen und Parkhäuser sind wichtig für die Lebensqualität in Städten.“ Hier wird Differenz artikuliert: „Autostraßen“ ist etwas anderes als „Parkhäuser“ und beide sind anders als „Lebensqualität“ und „Städte“.

Zweitens gilt es, bestimmte Elemente als äquivalent zu artikulieren, das heißt, einander in Bezug auf ein Drittes gleichzusetzen (Laclau/Mouffe 1985: 128; Nonhoff 2006: 87 f.). Mit dem obigen Satz werden beispielsweise „gut ausgebaute Autostraßen“ und „Parkhäuser“ im Hinblick auf „Lebensqualität in Städten“ äquivalenziert. Wenn sich weitere Artikulationen daran anschließen, zum Beispiel: „Auch städtische Wohngebiete sollten gut mit Autostraßen erschlossen werden“, „Für jede neu errichtete Wohnung in Städten sollten zwei Autostellplätze geschaffen werden, um eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten“ und „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf innerstädtischen Wohnstraßen soll 50 km/h betragen“, so ergeben sich Ketten von Elementen, die als äquivalent artikuliert werden, hier etwa: „Lebensqualität“ – „Städte“ – „gut ausgebaute Autostraßen“ – „Parkhäuser“ – „Wohngebiete“ – „zwei Autostellplätze pro neu errichteter Wohnung in Städten“ – „50 km/h Höchstgeschwindigkeit auf Wohnstraßen“.

Drittens muss versucht werden, ein Diskurs-Äußeres aufzubauen, das den Hintergrund bildet, gegen den die scheinbar geschlossene Struktur eines Diskurses überhaupt erst produziert werden kann. Diskurstheoretiker sprechen daher vom „constitutive outside“ (Torfing 1999: 124): „Jeder Diskurs grenzt sich von einem unverfügbaren Außen ab, auf das er aber angewiesen ist, um überhaupt eine begrenzte Totalisierung und Schließung zustande zu bringen. Mit dem konstitutiven Außen ist also nicht alles, was sich außerhalb eines Diskurses befindet, gemeint, sondern nur das, was notwendigerweise ausgeschlossen werden muss, damit seine innere ‚Reinheit‘ nicht verletzt wird“ (Stäheli 2000: 25).

In dem von uns entwickelten fiktiven Beispiel könnten dazu die folgenden, ebenfalls fiktiven Aussagen dienen: „Wenn in Städten Radwege zulasten von Parkplätzen gebaut werden, bedroht dies den innerstädtischen Einzelhandel“, „Radfahrer gefährden sich selbst und andere“ und „Die generelle Einführung von Tempo 30 auf innerstädtischen Straßen beschränkt die Freiheitsrechte von Autofahrern“. In diesen Artikulationen ist eine zweite, antagonistische Äquivalenzkette zu erkennen. Der Antagonismus zeigt sich darin, dass Kontraritätsbeziehungen (Nonhoff 2006: 88) artikuliert werden, zum Beispiel zwischen „Radwegen“ und „Parkplätzen“ oder zwischen „Tempo 30“ und „Freiheitsrechte der Autofahrer“ und dass die als konträr artikulierten Elemente untereinander wiederum äquivalenziert werden, wodurch die folgende antagonistische Äquivalenzkette entsteht: „Radwege“ – „den innerstädtischen Einzelhandel bedrohen“ – „Radfahrer“ – „sich selbst und andere gefährden“ – „Tempo 30“ – „Freiheitsrechte beschränken“.

Viertens schließlich ist es wichtig, den Diskurs dadurch zu schließen, dass ein Element herausgehoben und als Repräsentant einer gesamten Äquivalenzkette artikuliert wird (Nonhoff 2006: 216; Wullweber 2010: 145). Im Idealfall repräsentiert dieser eine Signifikant alle anderen Elemente und steht mit ihnen in einer unmittelbaren Äquivalenzbeziehung. Dadurch wird er tendenziell zu einem leeren Signifikanten, weil er innerhalb des Diskurses zwar alle anderen Elemente und Bedeutungen repräsentiert, aber nicht mehr Träger einer konkreten Bedeutung ist (Laclau 2007: 31). Er bedeutet tendenziell alles – und damit tendenziell nichts. Wir schreiben „tendenziell“, weil solch ein Signifikant in anderen Diskurszusammenhängen durchaus mit wenigen spezifischen Bedeutungen „gefüllt“ sein kann (Laclau 2005: 133). Für unsere empirischen Analysen ist dieser Aspekt nicht unmittelbar relevant; ein anschauliches Beispiel eines leeren Signifikanten ist jedoch in Nonhoffs (2006) Arbeit über „Soziale Marktwirtschaft“ zu finden.

Wie bereits erwähnt wurde, lassen sich Diskurse nicht vollständig abschließen: „ no discursive formation is a sutured totality“ (Laclau/Mouffe 1985: 106). Die Struktur eines Diskurses steht in permanenter Gefahr gestört zu werden, indem andersartige Äquivalenzketten artikuliert werden. Dies hängt mit der prinzipiellen Bedeutungsoffenheit der Signifikanten zusammen, die von Laclau deshalb als fließende Signifikanten („floating signifiers“, Laclau 2005: 131) bezeichnet werden. Die Bedeutung von Elementen wie „gut ausgebaute Autostraßen“ aus unserem Beispiel könnte ins Fließen geraten, wenn sie etwa mit „Lärm“, „hohe Unterhaltungskosten“, „Luftbelastung“, „Flächenverbrauch“ und „Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen ohne Auto“ äquivalenziert und so in einen antagonistischen Gegensatz zu „Lebensqualität“ gebracht werden würden. Andere, grundsätzlichere Störungen können aus unvorhergesehenen Ereignissen („Dislokationen“, vgl. Torfing 1999: 148 f.; Howarth 2000: 148 f.) resultieren, die die Einheit und scheinbare Geschlossenheit des Diskurses zerstören. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 stellte beispielsweise eine Dislokation für den Pro-Atomenergie-Diskurs in Deutschland dar.

Artikulation, also das Herstellen differentieller Beziehungen zwischen Elementen, beinhaltet für Laclau sprachliche und nicht-sprachliche Praktiken (Laclau/Mouffe 1985: 108; Laclau 1990: 100). Die Bedeutung von „Lebensqualität in Städten“ kann beispielsweise durch die sprachliche Verknüpfung mit „Gesundheit“, „saubere Luft“ und „Förderung des Fuß- und Fahrradverkehrs“ sowie zusätzlich auch durch das Anlegen großzügig bemessener Radfahrstreifen auf allen Straßen und die Einführung öffentlicher Fahrradverleihsysteme produziert werden.

2.3 Diskurstheorie als Gesellschaftstheorie

Laclau arbeitet mit einer Analogie von Diskurs und Gesellschaft. Für ihn ist das Soziale gleichbedeutend mit dem Diskursiven, weswegen er alle Aussagen über die Strukturierung von Diskursen prinzipiell auch auf soziale Gruppen bezieht (Howarth 2000: 13; Glasze 2007: 662; Laclau 2007: 29). Demzufolge resultiert beispielsweise die Identität sozialer Gruppen daraus, dass Grenzen zwischen „innen“ und „außen“ artikuliert werden und dass bestimmte Personen(-gruppen) dem „inside“ oder dem „outside“ zugeordnet werden. Letztlich werden soziale Gruppen durch Diskurse konstituiert, weswegen etwa Hansen/Sørensen (2005) von „discursive polities“ sprechen.

Von dieser Warte aus lässt sich der poststrukturalistische Diskursbegriff Laclaus abgrenzen

  • vom alltagsweltlichen Diskursbegriff, bei dem Diskurs gleichbedeutend ist mit Debatte oder Konversation und der eng verwandt ist mit dem Diskursbegriff der nordamerikanischen Diskursanalyse-Schule (z. B. Kroger/Wood 2000),
  • vom normativ geprägten Habermas’schen Diskursbegriff (Habermas 1981; für die Planungswissenschaften z. B. Meyer-Oldenburg 2003) und
  • von den Diskursbegriffen der wissenssoziologischen Diskursanalyse (z. B. Hajer 1995; Keller 2005), der Kritischen Diskursanalyse (z. B. Chouliaraki/Fairclough 1999) und des „Discursive Institutionalism“ (Schmidt 2008). In einer Traditionslinie, die auf Foucault (z. B. 1981 [1969]; 1990 [1966]) zurückgeht, werden Diskurse in diesen Ansätzen als etwas Sprachliches, als Ideen, Deutungsmuster und dergleichen konzeptualisiert und von einer Sphäre des Außerdiskursiven, Nicht-Sprachlichen unterschieden.

In Diskursanalysen geht es nicht darum, Diskurse zu ‚entdecken‘ und zu beschreiben. Diskurse sind keine ontischen Entitäten, sondern interpretative Konstruktionen des Analytikers. Die Grenzen von Diskursen sind nicht objektiv zu ermitteln, sondern stets abhängig von Auswahlentscheidungen des Beobachters: Je nachdem, welche Diskursfragmente analysiert werden und welche differentiellen Verweise in diesen Fragmenten berücksichtigt werden, kann das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen. Mit Blick auf die Praxis ist von einer Überlagerung und Überschneidung vielfältiger Äquivalenzketten auszugehen (Demirović 2007: 75; Nonhoff 2007: 13 f.) und die Frage nach den Grenzen und der adäquaten Repräsentation von Diskursen durch leere Signifikanten bezieht sich auf ein politisch umkämpftes Terrain. Diskursmacht ist politisch-gesellschaftliche Macht. Aus diesen Gründen wird die Laclau’sche Diskurstheorie auch als Gesellschafts- und Hegemonietheorie gelesen.

Laclau definiert Hegemonie weitgehend als ein Synonym von Diskurs, nämlich als Versuch, mithilfe der oben beschriebenen Strategien – Äquivalenzierung differenter Elemente, antagonistische Zweiteilung des diskursiven Raums sowie Repräsentation durch leere Signifikanten – Bedeutungen zu fixieren und eine Schließung im offenen Raum des Diskursiven vorzunehmen (vgl. Laclau 1990: 28; Laclau 1993: 435; Nonhoff 2006: 214 ff.). Von einer Hegemonie kann jedoch eigentlich erst gesprochen werden, wenn zwei weitere Kriterien erfüllt sind: Erstens, dass in dem betrachteten Diskurs eine große Zahl von Elementen beziehungsweise politischen Forderungen als äquivalent artikuliert werden und somit mehrere ursprünglich getrennte Diskursstränge zusammengeführt werden (Torfing 1999: 101; Howarth 2000: 102). Das zweite Kriterium hängt mit dem ersten zusammen und lautet, dass der Diskurs von vielen Sprechern reproduziert wird – oder anders ausgedrückt: Dass sich zahlreiche Subjekte der Sprecherpositionen bedienen, die der Diskurs bietet. Im Falle einer entwickelten Hegemonie ist es kaum mehr möglich, sich zu einem Thema (z. B. Wirtschaftspolitik in Deutschland) zu äußern, ohne den hegemonialen Diskurs und den ihn repräsentierenden leeren Signifikanten (hier: „Soziale Marktwirtschaft“) zu reproduzieren. So betrachtet, stellen alle Diskurse entweder Hegemonien dar oder aber (anti-)hegemoniale Projekte, die darauf gerichtet sind, hegemonial zu werden (Stäheli 2000: 38 f.; Nonhoff 2006: 15, 20, 141, 225, 233 und 379 ff.).

3 Methodik

3.1 Empirische Operationalisierung der Laclau’schen Diskurstheorie

Die Laclau’sche Diskurstheorie sperrt sich gegen eine direkte empirische Anwendung, weil Laclau in seinen Schriften ein weitaus größeres Interesse an politiktheoretischen Zusammenhängen und philosophischen Beweisen als an empirischen Fragen zeigt: „In der methodologischen Bewegung vom Abstrakten zum Konkreten und vom Einfachen zum Komplexen bleiben Laclau/Mouffe auf einem relativ hohen Abstraktionsniveau stehen, das zugleich für konkretes (politik- und sozial-)wissenschaftliches Vorgehen zu unterkomplex ist“ (Wullweber 2010: 104; vgl. auch Glasze 2007: 663).

In Diskursanalysen auf Grundlage der Laclau’schen Diskurstheorie kann prinzipiell mit allen qualitativen wie quantitativen Verfahren der empirischen Sozialforschung gearbeitet werden. Wichtig ist nur, die Methoden im Einklang mit den epistemologischen Prämissen dieser Theorie zu gebrauchen. Das bedeutet, dass jegliche Phänomene ausschließlich als diskursive Phänomene behandelt werden und dass nicht versucht wird, eine „hinter“ dem Diskurs liegende Wirklichkeit oder Wahrheit durch hermeneutisches Interpretieren zu erschließen (Mattissek/Reuber 2004: 232; Torfing 2005: 13 f.; Bauriedl 2008: 285).

Bei unserem Vorhaben, die Konstituierung von Kulturlandschaft in politischen Diskursen zu untersuchen, sind wir iterativ vorgegangen und haben mit einer Triangulation verschiedener Methoden gearbeitet. Zunächst haben wir über eine telefonische Befragung in Erfahrung gebracht, welche ortsbezogenen Kulturlandschaftsdiskurse aktuell in Deutschland geführt werden und mit welchen anderen Elementen die Worte „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ darin verbunden werden. Diese Befragung stellte eine Vorerhebung dar. Die Interviewpartner haben am häufigsten von Verknüpfungen mit „Windenergie“ berichtet. Daher haben wir in einem zweiten Schritt Landschaftskonzepte ermittelt, die in nicht-ortsbezogenen, allgemeinen politischen Diskursen über die Nutzung der Windenergie artikuliert werden. Die dabei verwendeten Methoden werden im Folgenden beschrieben.

3.2 Methodik zur Ermittlung aktueller ortsbezogener Kulturlandschaftsdiskurse in Deutschland

Auf den ersten Blick scheint es einfach zu sein, einen Überblick über politische Diskurse zu bekommen, in denen „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ artikuliert werden. Man braucht nur im Internet das Archiv einer überregionalen Zeitung aufzurufen, um sofort auf zahlreiche Diskursfragmente zu stoßen. Betrachtet man die so gefundenen Texte näher, so fällt auf, dass „Landschaft“ häufig eher beiläufig verwendet wird – zum Beispiel wenn in einem Zeitungsbericht die Feuerwehr „durch die weiße Landschaft zu einem Brand fährt“ – oder im Zusammenhang mit Kunstausstellungen, Gemälden und dergleichen. Außerdem findet man zahlreiche metaphorische Verknüpfungen, zum Beispiel „Museumslandschaft“, „Forschungslandschaft“, „Bildungslandschaft“ oder „Trägerlandschaft“.

Uns interessieren dagegen nur politische Diskurse, in denen „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ mit „Erdoberfläche“, „Erde“, „Raum“, „Land“, „Gegend“, „Region“ oder ähnlichen Elementen äquivalenziert wird oder zumindest widerspruchsfrei äquivalenziert werden könnte. Wir waren also auf der Suche nach raumbezogenen Landschaftskonzepten.

Mit „Konzept“ meinen wir einen Ausschnitt einer diskursiven Struktur oder Formation, in dem charakteristische, regelmäßig wiederkehrende Differenzbeziehungen zwischen bestimmten Elementen artikuliert werden. Laclau/Mouffe (1985: 105) sprechen in diesem Zusammenhang unter Verweis auf Foucault von „regularity in dispersion“.

Die Forschungsfrage für die Vorerhebung, die eingangs indirekt gestellt wurde, muss daher folgendermaßen präzisiert werden: Wie kann man einen Überblick über politische Diskurse bekommen, in denen Landschaft oder Kulturlandschaft im Kontext raumbezogener Landschaftskonzepte artikuliert werden? – Eine Medienanalyse wäre problematisch gewesen, weil sie aus den oben beschriebenen Gründen zu einer großen Zahl nicht relevanter Diskursfragmente geführt hätte. Insbesondere wäre es mühsam gewesen zu entscheiden, welche Diskursfragmente im Kontext politischer Auseinandersetzungen stehen und in welchen Diskursfragmenten „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ in unpolitischen Zusammenhängen erwähnt werden, zum Beispiel in einem Zeitungsbericht über eine öffentliche Fahrradrallye. Eine Analyse politischer Dokumentationen wie zum Beispiel den Sitzungsprotokollen des Deutschen Bundestages hätte zwar zu politischen Diskursen geführt, aber nur zu solchen, die mit aktuellen Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene zusammenhängen. Wir waren jedoch daran interessiert, ortsbezogene Kulturlandschaftsdiskurse zu ermitteln und hier wiederum einen möglichst breiten Überblick zu erlangen.

Daher haben wir zur Methode einer telefonischen Befragung gegriffen, die wir zwischen Dezember 2009 und April 2010 durchgeführt haben. Dabei wurden die Leiter aller für Regionalplanung zuständigen Stellen in Deutschland kontaktiert. Die Regionalplaner wurden ausgewählt, weil wir davon ausgehen, dass diese Personengruppe am ehesten einen Überblick über ortsbezogene Kulturlandschaftsdiskurse hat. Insgesamt wurden 82 Einrichtungen angefragt, was einer Vollerhebung entspricht. Mit Vertretern von 73 dieser Einrichtungen konnten Interviews geführt werden. Die anderen haben sich schriftlich geäußert oder lediglich mitgeteilt, zu dem Thema nichts sagen zu wollen oder zu können.

Die Gespräche wurden anhand eines Leitfadens geführt. Die Hauptfrage lautete: „Kennen Sie landschaftsbezogene Auseinandersetzungen in Ihrer Region, das heißt Diskussionen, in denen die Worte „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ eine zentrale Rolle spielen?“ Diese Frage war bewusst alltagssprachlich formuliert, allerdings unter der Annahme, auf diese Weise ortsbezogene Kulturlandschaftsdiskurse im oben beschriebenen Sinne in Erfahrung bringen zu können. Es ist davon auszugehen, dass in einer Diskussion oder Auseinandersetzung mehrere miteinander konkurrierende Diskurse (re-)produziert werden, wobei nicht in allen Diskursen, die in einer konkreten Debatte zu finden sind, „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ vorkommen muss.

Eine Auseinandersetzung wurde als relevanter Fall betrachtet, wenn in den Interviews deutlich wurde, dass es sich nicht bloß um ein einmaliges öffentliches Streitgespräch oder dergleichen handelte, sondern um eine länger andauernde Debatte mit breiter Beteiligung und entsprechender öffentlicher Resonanz.

Anhand der Interviewaussagen haben wir thematische Kategorien gebildet, denen die angesprochenen Auseinandersetzungen zugeordnet wurden. Anschließend wurde bilanziert, wie viele Debatten jede Kategorie umfasste.

3.3 Methodik zur Analyse von Landschaftskonzepten und Argumentationsmuster in politischen Windenergiediskursen in Deutschland

In Diskursanalysen, die über das Stadium von Vorerhebungen hinausgehen, sind unseres Erachtens unter anderem die folgenden fünf methodischen Fragen zu beantworten (vgl. Sharp/Richardson 2001; Keller 2003; Keller/Hirseland/Schneider et al. 2003; Keller 2004; Bauriedl 2008).

(1) Welcher Diskurs wird untersucht und wie wird er abgegrenzt? – Weil unsere Vorerhebung ergeben hat, dass die Nutzung der Windenergie die häufigste thematische Hauptkategorie ortsbezogener Landschaftsdiskurse bildet, haben wir allgemeine – also nicht ortsbezogene – politische Diskurse über die Nutzung der Windenergie untersucht. Dahinter steht die Annahme, dass ortsbezogene und allgemeine Diskurse zusammenhängen.

In den allgemeinen politischen Diskursen über die Nutzung der Windenergie wurden nur solche Diskursfragmente untersucht, in denen „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ in einem räumlichen Sinne artikuliert werden. Das Kriterium „politisch“ haben wir operationalisiert, indem wir nur solche Diskursfragmente berücksichtigt haben, in denen Kulturlandschaftskonzepte in Verbindung mit einer Positionierung pro oder contra Windenergie artikuliert werden. Solche Diskursfragmente werden typischerweise von politischen Subjekten wie etwa Parteien, zivilgesellschaftlichen Gruppen, Wirtschaftsverbänden und unternehmensnahen Organisationen sowie zum Teil auch von Wissenschaftlern produziert.

(2) Welche Typen von Artikulationen und Diskursfragmenten werden berücksichtigt? – In dieser Diskursanalyse haben wir uns auf sprachliche, schriftliche Diskursfragmente konzentriert. Diese Texte wurden durch eine Kombination offener Schlagwortrecherchen im Internet und der gezielten Durchforstung der Webseiten von Verbänden und Organisationen ermittelt. Wissenschaftliche Publikationen wurden über die Datenbank „DNL-online“ des Bundesamtes für Naturschutz recherchiert. Der Suchzeitraum war offen, das heißt, das Jahr der Veröffentlichung spielte bei der Textauswahl keine Rolle.

(3) Welche Diskursfragmente werden im Detail analysiert? – Die geschilderte Internetrecherche führte zu einem Korpus, der viele hundert potenziell relevante Texte beinhaltete. Nach einer ersten Grobsichtung dieser Texte haben wir den Inhalt von 86 Diskursfragmenten eingehender erfasst. Anschließend haben wir zehn Texte (Binswanger 1997; Scheer 1998; Wolfrum 1998; BUND 2001; DRL 2006; BMU 2007; Oelker 2007; Schumacher/Sieber 2007; Stratmann/Greenpeace 2008; BWE 2010) für die Feinanalyse ausgewählt. Dies erfolgte anhand der beiden Kriterien, dass die Differenz- und Äquivalenzbeziehungen, die der Text enthält, möglichst prägnant und umfangreich sein sollten und dass der Gesamtkorpus der ausgewählten Texte möglichst heterogen sein sollte im Hinblick auf die Landschaftskonzepte, die politischen Positionen und die Argumentationsmuster, die darin artikuliert werden.

(4) Mit welchen Methoden wird bei der Feinanalyse gearbeitet? – Wir haben jedes Diskursfragment einzeln und in mehreren Schritten ausgewertet, in denen wir den Text immer wieder gelesen haben. Zunächst haben wir in einem sequenzweisen Vorgehen untersucht, zwischen welchen Signifikanten Äquivalenz- oder Kontraritätsbeziehungen artikuliert werden. Im Ergebnis konnten wir jeweils zwei antagonistische Äquivalenzketten darstellen sowie die Kontraritätsbeziehungen, die zwischen einzelnen Elementen der verschiedenen Ketten artikuliert wurden. Daran anknüpfend haben wir in einem zweiten Schritt die Landschaftskonzepte ermittelt, also die Verknüpfungen zwischen „Landschaft“ oder „Kulturlandschaft“ und anderen diskursiven Elementen. Dabei kann es sich ebenfalls sowohl um Äquivalenzals auch um Kontraritätsbeziehungen handeln.

Uns interessierten jedoch nicht allein die Landschaftskonzepte, sondern auch die Frage, welche Art von Windenergiediskurs in den Texten reproduziert wurde und in welchem politischen Kontext die Landschaftskonzepte folglich stehen: Im Kontext des Diskurses, in dem die Nutzung der Windenergie grundsätzlich befürwortet wird oder des Diskurses, in dem die Nutzung der Windenergie abgelehnt wird.

Landschaftskonzepte werden mit politischen Positionen pro oder contra Windenergie verknüpft, indem sie in Argumentationsmuster integriert werden. Ein Argumentationsmuster – oder Topos – ist ebenfalls eine diskursive Teilstruktur, also eine wiederholt artikulierte Anordnung diskursiver Elemente, die „zur argumentativen Begründung konkreter zur Diskussion stehender Positionen herangezogen wird“ (Jung/Wengeler 1999: 154). Ein komplett artikuliertes Argumentationsmuster besteht aus „wenn-dann-Formulierungen in Form eines vollständigen Syllogismus mit Ober- und Unterprämisse sowie Konklusion“ (Wengeler o. J.: o. S.), zum Beispiel: „Unsere historisch gewachsenen Kulturlandschaften sind schön und wertvoll. Windkraftanlagen zerstören unsere Kulturlandschaften. Daher sind Windkraftanlagen abzulehnen.“

Daran wird deutlich, dass die Argumentationsmuster, nach denen wir suchen, aus einem Landschaftskonzept als Oberprämisse, einer bestimmten Differenzbeziehung zwischen Landschaft und Windkraft als Unterprämisse und einer Positionierung pro oder contra Windkraftanlagen als Konklusion bestehen. Oftmals werden Artikulationsmuster jedoch unvollständig oder nur implizit artikuliert und müssen dann in der Analyse rekonstruiert werden (van Eemeren/Grootendorst 2004: 4 f.), denn „das Zielen auf Plausibilität und die mangelnde Explizitheit der Argumentation sind augenscheinlich auch Kennzeichen der öffentlich-politischen Argumentation“ (Wengeler 2003: 181). Deswegen würden wir auch einen Satz wie „Ich bin gegen Windräder, weil sie unsere gewachsene Kulturlandschaft zerstören“ als eine Ausprägung des oben genannten Argumentationsmusters betrachten.

(5) Wie wird von der Analyse einzelner Diskursfragmente auf den Diskurs abstrahiert? – Wir haben die ermittelten Landschaftskonzepte zu Typen zusammengefasst, so dass am Ende Aussagen darüber möglich wurden, welche Landschaftskonzepte gegenwärtig in Diskursen über die Windenergienutzung in Deutschland artikuliert werden. Außerdem haben wir einen qualitativen Überblick darüber erlangt, anhand welcher Argumentationsmuster Landschaftskonzepte in Windenergiediskurse eingebettet werden.

4 Ergebnisse

4.1 Überblick über aktuelle ortsbezogene Kulturlandschaftsdiskurse in Deutschland

In den 73 leitfadengestützten Interviews wurden 133 Auseinandersetzungen genannt, in denen die Worte „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ nach Aussage der Interviewpartner eine zentrale Rolle spielen. Wenn diese Angaben zutreffen, muss es also auch mindestens 133 ortsbezogene Diskurse geben, in denen „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ eine wichtige Rolle spielen. Wahrscheinlich sind es allein in den von den Regionalplanern genannten 133 Debatten noch mehr Diskurse, weil davon auszugehen ist, dass zumindest in einigen Fällen mehrere Landschaftsdiskurse in Konkurrenz zueinander artikuliert werden – so wie es in der Debatte um die Nutzung der Windkraft einen Pro-Windenergie-Diskurs und einen Contra-Windenergie-Diskurs gibt.

Anhand der Interviewaussagen wurden alle 133 ermittelten landschaftsbezogenen Auseinandersetzungen einer thematischen Hauptkategorie zugeordnet. Dies war nicht immer einfach, weil oft mehrere Themen berührt werden und weil zwischen manchen Themen Überschneidungen möglich sind, zum Beispiel zwischen „Regionalentwicklung“ und „Bergbaufolgelandschaft“.

Mit 41 Nennungen stellt das Thema „Windkraftanlagen“ den häufigsten Bezugspunkt dar. Andere Formen der Nutzung erneuerbarer Energien wurden ebenfalls angesprochen: „Freiflächen-Photovoltaikanlagen“ mit neun und „Biomasse“ in Form von großflächigem Maisanbau für energetische Zwecke mit sieben Nennungen. Von großer Bedeutung sind darüber hinaus die Themen „Regionalentwicklung“ mit 23, „Rohstoffabbau“ mit neun und „Landschaftspflege“ mit neun Nennungen. Daneben wurden noch verschiedene andere Themen mit geringerer Häufigkeit genannt.

Mit diesen Resultaten verbindet sich kein Anspruch auf Vollständigkeit. Einige allgemein bekannte Auseinandersetzungen wurden in den Interviews gar nicht oder nur indirekt genannt, zum Beispiel die Debatten um die Dresdner Waldschlösschenbrücke, den geplanten Nationalpark Teutoburger Wald, die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land oder die Hochmoselbrücke bei Ürzig. Außerdem werden die Ergebnisse dadurch relativiert, dass sie stark von den situativen Kontexten, dem Kenntnisstand und den subjektiven Wahrnehmungen der befragten Personen abhängen. Nichtsdestotrotz stellen die Interviewergebnisse eine Art Momentaufnahme dar, die die relative Häufigkeit thematischer Bezugspunkte lokaler Kulturlandschaftsdebatten und der damit zusammenhängenden Diskurse näherungsweise abbilden dürfte.

4.2 Landschaftskonzepte und Argumentationsmuster in politischen Windenergiediskursen in Deutschland

In den zehn Dokumenten, die wir in der Feinanalyse untersucht haben, haben wir drei Landschaftskonzepte und fünf Argumentationsmuster ermittelt.

Das erste Landschaftskonzept nennen wir „Landschaft als schönes, wertvolles Gebiet“. Es wird von Binswanger (1997), Stratmann/Greenpeace (2008), BMU (2007), BUND (2001), BWE (2010), DRL (2006), Scheer (1998) und Wolfrum (1998) artikuliert. „Landschaft“ wird hier in erster Linie mit Elementen wie „Heimat“, „zu Hause fühlen“, „Erholung“, „Eigenart und Schönheit“, „Reste von Natur und Landschaft“, „ursprünglich“, „schöner Anblick“ und „reizvoll“ äquivalenziert. Dem steht folgende antagonistische Äquivalenzkette gegenüber: „Unrast und Beliebigkeit städtischer Siedlungen“, „industrielle Überformung“, „in die Landschaft gesetzte Maschinen“, „Technisierung und Nivellierung des Landschaftsbilds“ und „Landschaftszerstörung“. In diesem Landschaftskonzept wird differenziert zwischen Gebieten, auf die die positiven Attribute zutreffen, und solchen Gebieten, in denen nicht (mehr) viel zu zerstören ist. Daher handelt es sich um ein segregatives Konzept: Nur bestimmte Gebiete stellen wertvolle, schöne Landschaften dar.

Das zweite Landschaftskonzept heißt „Landschaft als von Menschen geprägtes Gebiet“ und ist zu finden in den Texten von BWE (2010), Oelker (2007), DRL (2006), Scheer (1998) und Schumacher/Sieber (2007). In der Äquivalenzkette von „Landschaft“ stehen hier typischerweise Formulierungen wie „seit jeher haben menschliche Aktivitäten das Landschaftsbild geformt“, „jede Epoche hat ihre Zeichen und Spuren in der Kulturlandschaft hinterlassen“, „Wasser- und Windmühlen“, „neue Energielandschaften“, „großflächige agrarindustrielle Gebiete, Bergbaufolgelandschaften oder Industriegebiete/-brachen als Kulturlandschaft“ und „neue, zukunftsfähige Leitbilder“. Die antagonistische Äquivalenzkette umfasst die Elemente „Museumslandschaften“, „restriktives Kulturlandschaftsverständnis“, „überkommene Leitbilder“, „zwangsläufig alles Neue in Frage [stellen]“, „Ausgleichsmaßnahmen für den Bau von Windkraftanlagen“ sowie das Reden von „Landschaftsverschandelung“. An den Zitaten wird deutlich, dass dies ein ubiquitäres Landschaftskonzept ist, das ausdrücklich auf alle menschlich beeinflussten Gegenden bezogen wird.

Das dritte Landschaftskonzept haben wir mit „Landschaft als etwas subjektiv Wahrgenommenes“ überschrieben. Es wird in den Texten von BWE (2010), Oelker (2007), Stratmann/Greenpeace (2008) und DRL (2006) artikuliert, allerdings nur rudimentär und in Ergänzung zu anderen Landschaftskonzepten. „Landschaft“ steht hier in einer Äquivalenzkette mit „Frage der Sehgewohnheit“, „Gewöhnungseffekt“, „subjektiver Faktor“, „subjektive Wahrnehmung“ sowie „Und was ist überhaupt schön?“. Dieses Landschaftskonzept bleibt in den untersuchten Texten rudimentär, weil keine Kontraritätsbeziehungen und folglich auch keine antagonistische Äquivalenzkette hergestellt werden. Es handelt sich aber insofern um ein eigenständiges Landschaftskonzept, als der Blick vom „objektiven“ Charakter konkreter Gebiete auf subjektive Aspekte der Wahrnehmung und Bewertung physischer Objekte wie zum Beispiel Windkraftanlagen gelenkt wird. Andere Autoren (z. B. Hasse 1999; Schindler 2005) artikulieren dieses Landschaftskonzept prononcierter und reichhaltiger, wurden aber in der Endauswahl nicht berücksichtigt, weil ihre Texte keine politischen Diskursfragmente in unserem Sinne darstellen.

Wie werden nun Landschaftskonzepte und politische Positionen pro oder contra Windenergie argumentativ miteinander verbunden? – In den von uns analysierten Texten konnten wir insgesamt fünf Argumentationsmuster identifizieren.

Der Topos „Schutz des Status Quo“ ist das einzige Argumentationsmuster, dessen Konklusion aus einer ablehnenden Position zur Windenergienutzung besteht. Als Oberprämisse wird das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ verwendet. Die zwischengeschaltete Unterprämisse besagt, dass Windkraftanlagen die Landschaft zerstören und daher nicht befürwortet werden können (so fast wörtlich in Binswanger 1997: 1275; außerdem in Wolfrum 1998).

Die anderen vier Argumentationsmuster stellen Verknüpfungen zur eher hegemonialen Position pro Windenergienutzung her.

Das Argumentationsmuster „Relativierung“ beinhaltet das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ als Oberprämisse und als Unterprämisse die Annahme, dass Windkraftanlagen die Landschaft beeinträchtigen. Hinzu kommen jedoch die Unterprämissen, dass die Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen insgesamt nicht erheblich sind und vor allem, dass andere Formen der Energieerzeugung die Landschaft noch viel mehr beeinträchtigen oder zumindest beeinträchtigen können, zum Beispiel durch Abbaggerung, durch Verstrahlung als Folge von Atomunfällen oder durch Klimaveränderungen. Daher wird die Konklusion gezogen, Windkraftanlagen zu befürworten. Dieses Argumentationsmuster könnte auch als Topos des kleineren Übels bezeichnet werden (zu finden in Scheer 1998; Stratmann/Greenpeace 2008; BWE 2010).

Beim Argumentationsmuster „Richtige Planung“ dient ebenfalls das Landschaftskonzept „schönes und wertvolles Gebiet“ als Oberprämisse, und zwar in Verbindung mit der Unterprämisse, dass Areale ermittelt werden können, die bereits so vorbelastet sind, dass Windkraftanlagen keinen weiteren oder zumindest keinen großen Schaden anrichten können. Damit wird der segregativen Logik des zugrundeliegenden Landschaftskonzepts gefolgt. Außerdem wird als zweite Unterprämisse artikuliert, dass es in Deutschland ein bewährtes Instrumentarium zur Vermeidung und Minderung von Beeinträchtigungen und zur Beteiligung der Öffentlichkeit gibt. In Anbetracht all dessen – so die Konklusion – kann die Nutzung der Windenergie grundsätzlich unterstützt werden (zu finden in BUND 2001; DRL 2006; BMU 2007; BWE 2010).

Der Topos „qualitätsvolle Gestaltung“ nutzt das Konzept „Landschaft als von Menschen geprägtes Gebiet“ als Oberprämisse. Die Unterprämisse ist idealtypisch bei Oelker (2007: 107) zu lesen: „Windkraftanlagen besitzen schon allein durch ihre Größe ein hohes Potential für die Veränderung des Landschaftsbildes, das mehr als bisher innovativ genutzt werden sollte für die attraktive Gestaltung und zeitgemäßen Entwicklung der Kulturlandschaft“. Die zentralen Aussagen lauten also, dass Windkraftanlagen Kulturlandschaften bereichern können und deswegen befürwortet werden (ähnlich in Schumacher/Sieber 2007).

Das Argumentationsmuster „Gewöhnung“ enthält als Oberprämisse das Landschaftskonzept „etwas subjektiv Wahrgenommenes“ und als Konklusion eine Positionierung pro Windenergienutzung. Es ist wiederum Oelker (2007: 103), der die dazugehörige Unterprämisse in prägnanter Weise formuliert: „Windkraftanlagen sind relativ neue Bauwerke in unserer Kulturlandschaft und damit für viele Betrachter ungewohnt. Doch müssen sie deshalb zwangsläufig als störend empfunden werden? Ist es nicht viel mehr eine Frage der Seh-Gewohnheit? Ich wage zu behaupten, dass die Generation der nach 1990 Geborenen kaum Probleme mit Windturbinen haben wird – die waren für sie ‚immer‘ schon da“.

5 Diskussion und Schlussfolgerungen

Die Landschaftskonzepte, die wir in der Analyse der politischen Windenergiediskurse ermittelt haben, sind keineswegs neu. Folgt man beispielsweise der Einteilung von Kirchhoff/Trepl (2009) in objektivistische, auf eine materielle Wirklichkeit bezogene, und subjektivistische, auf mentale Phänomene bezogene Landschaftsbegriffe und unterscheidet man bei den objektivistischen Landschaftsbegriffen nochmals zwischen normativen und deskriptiven Begriffen (Gailing/Leibenath 2010), so ergibt sich eine Trias aus

  • objektivistischen, normativen Landschaftsbegriffen,
  • objektivistischen, deskriptiven Landschaftsbegriffen und
  • subjektivistischen Landschaftsbegriffen,

die große Ähnlichkeit mit den drei von uns beschriebenen Landschaftskonzepten aufweist.

Es war allerdings auch nicht zu erwarten, dass in einer solchen empirischen Untersuchung neue Landschaftskonzepte zutage gefördert werden. Diskursive Formationen beinhalten stets nur eine begrenzte Zahl von Positionen. Sprechende und handelnde Subjekte können zwar entscheiden, welche Positionen und Diskurse sie reproduzieren möchten, aber in den meisten Fällen handelt es sich eben tatsächlich nur um das Reproduzieren bereits vorhandener Positionen – denn: Diskurse gehen den Subjekten voraus, nicht umgekehrt (Derrida 1986 [1972]: 70; Laclau 1990: 101; Stäheli 2000: 48). Die Formierung neuer Differenzbeziehungen und diskursiver Strukturen vollzieht sich entweder über längere Zeiträume oder als Effekt äußerer Störungen (Dislokationen).

Es gibt Indizien (Hard 1970; Kühn 2001; Körner 2007; Hokema 2009) für die Hypothese, dass das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ – oder weiter gefasst: objektivistische, normative und räumlich segregative Landschaftsbegriffe – in der Bevölkerung, aber auch in den Fachkreisen von Raumordnung und Landschaftsplanung in Deutschland nach wie vor sehr weit verbreitet oder gar hegemonial ist. Der Pro-Windenergie-Diskurs hat sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls in Richtung einer Hegemonie entwickelt. Das ist daran zu erkennen, dass sich zum Beispiel alle im Bundestag vertretenen Parteien und auch sogar viele Gegner konkreter Windpark-Projekte grundsätzlich für die Nutzung der Windenergie aussprechen. Stimmen, die sich fundamental gegen Windkraftanlagen aussprechen, sind seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit praktisch nicht mehr zu vernehmen und artikulieren sich allenfalls auf bestimmten Internetforen. Dieser Pro-Windenergie-Diskurs verursacht jedoch immer wieder Brüche in der scheinbaren Geschlossenheit des konservativen Landschaftsdiskurses, dessen Kernstruktur das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ darstellt. Gleichzeitig ist der konservative Landschaftsdiskurs eine Quelle ständiger Störungen des Pro-Windenergie-Diskurses. In den von uns ermittelten Argumentationsmustern werden drei Wege sichtbar, die Geschlossenheit der Diskurse zu wahren oder wiederherzustellen und gegen Störungen zu immunisieren: Erstens – am Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ festzuhalten und Windenergie abzulehnen (Argumentationsmuster „Schutz des Status Quo“); zweitens – das Landschaftskonzept „schönes wertvolles Gebiet“ mit dem Pro-Windenergie-Diskurs zu verbinden (Argumentationsmuster „Relativierung“ oder „richtige Planung“); drittens – sich vom Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ abzuwenden und den Pro-Windenergie-Diskurs mit anderen Landschaftskonzepten zu artikulieren (Argumentationsmuster „qualitätsvolle Gestaltung“ oder „Gewöhnung“).

Mag auch der konservative Landschaftsdiskurs die Geschlossenheit des Pro-Windenergie-Diskurses bedrohen: Die Landschaftsthematik spielt in den bundesdeutschen Windenergie-Diskursen eine nachgeordnete Rolle. Bei unseren Recherchen zur Bildung des Textkorpus hat sich gezeigt, dass „Landschaft“ in den meisten Fragmenten aus den Windenergiediskursen überhaupt nicht artikuliert wird. Dazu passt auch die Beobachtung, dass die Autoren der untersuchten Texte zwar konsistente Windenergiediskurse, aber nicht immer konsistente Landschaftsdiskurse reproduzieren. Besonders deutlich wird das in den Texten der Windenergie-Befürworter BWE (2010), Scheer (1998) und Stratmann/Greenpeace (2008). Diese Autoren erwähnen das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ vor allem in Verbindung mit „Atomenergie“ und „fossile Energieträger“, aber wenn es um Windenergie geht, schwenken sie zu einem der anderen beiden Landschaftskonzepte um. Die Landschaftskonzepte werden hier offensichtlich unter instrumentellen, argumentationstaktischen Gesichtspunkten artikuliert.

Welche Schlussfolgerungen können aus diesen Befunden für die politisch-planerische Praxis abgeleitet werden? – Erstens sollte deutlich geworden sein, dass Landschaftskonzepte oder -begriffe nichts Statisches, Unverrückbares darstellen, sondern dass sie brüchig und zugleich dynamisch sind und sich gegenwärtig im Fluss befinden. Praktiker sollten sich der Spielräume bewusst sein, die sich daraus für die politische Kommunikation ergeben. Zweitens lässt sich aus unseren Analysen der Schluss ziehen, eigene Landschaftsverständnisse nicht in einem ideologischen Sinne zu verabsolutieren, sondern sich stets ihrer Kontingenz und Brüchigkeit bewusst zu sein (vgl. das Resümee des Beitrags von Gailing/Leibenath in diesem Heft). Eine dritte Schlussfolgerung lautet, dass sich die Befürworter einer verstärkten Windenergienutzung unseres Erachtens keinen Gefallen tun, wenn sie das Landschaftskonzept „schönes, wertvolles Gebiet“ ignorieren, wenn sie es nur mit den Folgen anderer Formen der Energiegewinnung in Zusammenhang bringen oder wenn sie versuchen, die Windenergie zu relativieren und zu verharmlosen, aber damit den von den Gegnern unterstellten Konflikt zwischen Windkraftanlagen und „schönen, wertvollen Gebieten“ nur bekräftigen.

Hätten wir den Befürwortern der Energiewende und eines Ausbaus der Windenergienutzung eine Empfehlung zu geben, dann die, Windkraftanlagen offensiv als schön zu kommunizieren – beispielsweise auch durch entsprechende romantisierende Bilder – und sie als wertvoll im Sinne des Klimaschutzes und einer globalen, langfristigen Nachhaltigkeit zu vermitteln: „Learning to love the landscapes of carbon-neutrality“ (Selman 2010). Denn eines sollte deutlich geworden sein: Jede Verknüpfung von „Landschaft“ mit anderen Wörtern ist kontingent insofern, als dass sie auch ganz anders artikuliert werden könnte.

Bei der Erörterung des Laclau’schen Diskursbegriffes haben wir betont, dass differentielle Verweise und mithin Bedeutung durch sprachliche und nicht-sprachliche Praktiken artikuliert werden können (vgl. Kap. 2.2 und 2.3). Laclau (1990: 100) hebt hervor, dass nicht-sprachliche Praktiken genauso wie physische Phänomene ihre Bedeutung oder ihren Sinn erst im Kontext bestimmter diskursiver Strukturen erhalten. Im Umkehrschluss heißt das, dass man nicht-sprachliche Praktiken und also zum Beispiel auch solche Praktiken, die die Veränderung räumlich-materieller Strukturen implizieren, durch Diskursanalysen erklären kann. Leistet unsere Untersuchung einen Beitrag zur Erklärung räumlicher Strukturen? – Die nicht-sprachliche Praxis, Windkraftanlagen zu installieren, ist unseres Erachtens nur im Kontext des Pro-Windenergie-Diskurses zu verstehen. Wie wir dargelegt haben, spielt „Landschaft“ in diesem Diskurs jedoch keine zentrale Rolle. Insofern können wir nur die negative Aussage treffen, dass zumindest auf der Ebene nicht-ortsbezogener Diskurse keine oder nur eine sehr schwache Verbindung zwischen Landschaftsdiskursen und der Errichtung von Windkraftanlagen besteht. Nach unserem Eindruck bieten die Verbindungen zum globalen Sicherheitsdiskurs (beispielsweise mit den Signifikanten „Importsubstitution“, „Versorgungssicherheit“ und „Atomausstieg“), zum neoliberalen Ökonomiediskurs (mit Signifikanten wie „Kosten“, „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Wirtschaftswachstum“) oder zum Klimaschutzdiskurs („Reduktion des CO2- Ausstoßes“, „Nachhaltigkeit“, „zukünftige Generationen“) hier ein weitaus größeres Erklärungspotenzial.

Auf der Ebene ortsbezogener Diskurse könnte sich die Situation anders darstellen. Insbesondere dann, wenn „Kulturlandschaft“ oder „Landschaft“ seit längerer Zeit fester Bestandteil lokaler Diskurse sind – zum Beispiel in manchen tourismusorientierten ländlichen Regionen, Tagebaugebieten oder Regionen mit Großschutzgebieten –, könnte die Errichtung von Windkraftanlagen stark davon beeinflusst werden, inwieweit es gelingt, den Pro-Windenergie-Diskurs in den jeweils hegemonialen Landschaftsdiskurs zu integrieren. Daher dürfte es vielversprechend sein, die Thematik dieses Beitrags in ortsbezogenen Diskursanalysen zu vertiefen. Interessant wären hier auch die Fragen, welche ortsspezifischen Landschaftskonzepte im Kontext der Windenergienutzung artikuliert werden, welche Rolle Signifikanten wie „kommunale Selbstbestimmung“ dabei spielen, welche Typen von Sprechern welche Diskurspositionen einnehmen und ob sich durch die Reproduktion bestimmter Diskurse bestehende Gruppenzuordnungen verändern oder gar neue Gruppenidentitäten herausbilden.

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Footnotes

1

Im Hinblick auf unsere Untersuchungsziele sind „Landschaft“ und „Kulturlandschaft“ synonym und können einander ersetzen.

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