Rezensionen

Klaus Wolf 1 , Uwe A1trock 2 , Susanne Bieker 3 , Andreas Pott 1 , Martin Scharvogel 2 , Thomas Weith 4 , and Hartmut Häußermann 5
  • 1 , Frankfurt a. M., Deutschland
  • 2 , Kassel, Deutschland
  • 3 , Darmstadt, Deutschland
  • 4 , Potsdam, Deutschland
  • 5 , Berlin, Deutschland
Klaus Wolf, Uwe A1trock, Susanne Bieker, Andreas Pott, Martin Scharvogel, Thomas Weith and Hartmut Häußermann
JobHubert, PützMarco (Hrsg.) Flächenmanagement. Grundlagen für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung mit Fallbeispielen aus BayernHannover2006. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 322 WeiskeChristine, KabischSigrun, HannemannChristine (Hrsg.): Kommunikative Steuerung des Stadtumbaus. Interessengegensätze, Koalitionen und Entscheidungsstrukturen in schrumpfenden StädtenWiesbaden: VS Verlag2005 (217 S., 21 Abb., 7 Tab.) von BlanckenburgChristine, BöhmBirgit, DienelHans-Liudger, LegewieHeinerLeitfaden für interdisziplinäre Forschergruppen: Projekte initiieren – Zusammenarbeit gestaltenStuttgart: Franz Steiner Verlag2005. = Blickwechsel. Schriftenreihe des Zentrums Technik und Gesellschaft der TU Berlin, Bd. 3 (255 S., Abb., Tab.) HeldGerdTerritorium und Großstadt. Die räumliche Differenzierung der ModerneWiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften2005 (409 S.) BornKarl Martin, FichtnerTimo, KrätkeStefan (Hrsg.) Chancen der EU-Osterweiterung für OstdeutschlandHannover2006. = ARL-Arbeitsmaterial321StegenRafaelDie soziale Stadt. Quartiersentwicklung zwischen Städtebauförderung, integrierter Stadtpolitik und BewohnerinteressenMünster: LIT Verlag2006. = Stadtzukünfte 3

Hubert Job, Marco Pütz (Hrsg.) Flächenmanagement. Grundlagen für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung mit Fallbeispielen aus Bayern Hannover 2006. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 322

„Leider ist das Bewusstsein für das Schutzgut Grund und Boden in der Gesellschaft bisher nur schwach ausgeprägt. Ihm fehlt das symbolträchtige Image bestimmter bedrohter Tiere und Pflanzen oder die deutliche Sprache verschmutzter Luft oder Gewässer“, so Fabian Dosch u. a. im Fazit des hier besprochenen Arbeitsmaterials der ARL (S. 204).

Auch wenn in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt durch Arbeiten der ARL und Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung, die politisch Handelnden mit zunehmender Intensität aufgefordert wurden, durch Zielformulierungen wie „Mehr Wert für die Fläche“ oder „Ziel-30-ha“ sich stärker um ein stringentes Flächenmanagement bei der Siedlungsordnung und -entwicklung zu kümmern, ist es gerade das Verdienst dieses Bandes, konkrete Wege aufzuzeigen, wie sinnvolles Flächenmanagement vor Ort betrieben werden kann. Dabei wird von der Arbeitsgruppe der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern besonderer Wert darauf gelegt, nicht nur theoretisch-methodisch zu arbeiten, sondern durch die Vorstellung geschickt ausgewählter Fallbeispiele auf sinnvolle Ansätze und Defizite eines nachhaltigen Flächenmanagements von der Bundesraumordnung bis zur Ortsplanung hinzuweisen.

Der achtzehn selbstständige Beiträge enthaltende Band ist in drei Teilbereiche gegliedert. In Teil I werden „Grundlagen und Rahmenbedingungen des Flächenmanagements“ behandelt. Nach einem einführenden Thesenpapier von Karl Ruppert, das außer der sprachlichen Klarstellung im Umgang mit Umwidmung von Flächen vor allem dadurch verdienstvoll ist, dass es, mit Schaubildern und Daten untermauert, in seinen Thesen deutlich hervorhebt, dass Flächenmanagement ein gesellschaftliches Phänomen darstellt und daher als eminenter Bestandteil jeder Siedlungsentwicklung gesehen werden muss. Wichtig in diesem Kontext sind die weiteren Beiträge in diesem theoretisch-methodischen Teil, die Statusberichte zur flächenpolitischen Diskussion (Dosch), zum rechtlichen Rahmen des Flächenmanagements (Engelhardt) und zum bisherigen Flächenmanagement in der Regionalplanung (Dietrichs) geben. Von besonderem Gewicht in methodischer Hinsicht für ein nachhaltiges Flächenmanagement in diesem Teil ist wohl der Aufsatz von Stefan Siedentop, unterzieht er sich dach der schwierigen und gleichwohl verdienstvollen Aufgabe herauszuarbeiten, welche Funktionen Flächeninformationssysteme erfüllen sollen und welche Komponenten dafür notwendig sind (Abb. 1 u. 2, S. 72/73). Die angeführten Beispiele von flächenbezogenen Informationssystemen (Tab. 1, S. 81) verdeutlichen den Stand und die Defizite planungsrelevanter flächenbezogener Unterlagen für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. Zugleich wird deutlich, dass auch vorhandene Daten nicht genügend für die „Einleitung politischer Lernprozesse mobilisiert“ werden.

Abgerundet wird dieser Teil der Arbeit durch eine Bestandsaufnahme der Flächennutzung in Bayern (Job/Pütz), die sich auf Daten der amtlichen Statistik stützt und einen guten Überblick über die Flächenentwicklung nach den statistischen Kategorien enthält, woraus für die spezifische Entwicklung vor Ort Hinweise für ein regionalisiertes Flächenmonitoring abgeleitet werden.

Dass der demographische Wandel erhebliche Auswirkungen auf die Flächeninanspruchnahme hat, wird in dem Beitrag Koch am Beispiel Bayerns sehr deutlich, was sich besonders anhand der dargestellten Modellrechnungen zur wohnungsinduzierten Entwicklung bis 2020 (Abb. 5, S. 107) sehr gut nachvollziehen lässt.

Teil 2 der Beitragsammlung enthält „Fallbeispiele zum Flächenmanagement in Bayern“. Zunächst gibt Hensold einen Einblick in das vom Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz im Jahr 2001 initiierte Projekt „Kommunales Flächenressourcen-Management“, in dem praxisnahe Handlungshilfen für die vorrangige Entwicklung der vorhandenen innerörtlichen Entwicklungspotenziale gegeben werden sollen, und er geht auch auf die auf Anregung des Bayerischen Städtetags im Jahr 2002 initiierte ressortübergreifende Flächenmanagement-Arbeitsgruppe am bayerischen Umweltministerium ein. Die Bemühungen um eine flächensparende Siedlungsentwicklung werden demnach zumindest in Bayern intensiviert.

In den Beiträgen Osswald/Meigel und Mattern/Wälde werden Beispiele der Flächeninanspruchnahme auf kommunaler (Ulm/Neu-Ulm) und regionaler Ebene (Bayerischer Untermain) vorgestellt, die Ansätze zur Erhebung von Flächen zur Umwidmung in diesen Bereichen gut dokumentieren, aber gleichzeitig auch nachweisen, dass es nicht nur unterschiedliche Bewertungen darüber gibt, welche Flächen in die Erhebungen eingehen sollen, sondern dass es auch eines nicht unerheblichen Aufwands bedarf, ein Flächenmanagement-Monitoring aufzubauen.

Die mit erheblichem Aufwand durchgeführte Untersuchung zum Brachflächen- und Baulückenkataster als Instrument des kommunalen Flächenmanagements anhand einer fast vollständigen Befragung der bayerischen Städte mit mehr als 20 000 Einwohnern (von 275 befragten Städten und Gemeinden antworteten 87,5 %, so dass die Ergebnisse eine hohe Repräsentativität darstellen) macht deutlich, dass dieses Instrument auf der kommunalen Ebene noch eine untergeordnete Rolle spielt und dass noch erhebliche Probleme hinsichtlich der Erhebungsverfahren und der sehr unterschiedlichen Akzeptanz durch die verschiedenen Interessengruppen bestehen.

Am konkretesten vor Ort bewegt sich die Untersuchung zur Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung auf kommunaler Ebene am Beispiel Gröbenzell im Verdichtungsraum und Ascha in einer ländlichen Region (Bläser/Job/Paesler). Aufgrund der akribischen und anhand vergleichbarer Voruntersuchungen auch verfahrenstechnisch sehr gut dokumentierten und in den Untersuchungsschritten kritisch bewerteten Analyse wird deutlich, welch hoher Aufwand erforderlich ist, kleinräumige Flächenbewertungen ohne allzu große Verzerrungen vorzunehmen. Besonders verdienstvoll ist darüber hinaus die Ermittlung der Wahrnehmung dieser Problematik durch die Bevölkerung, ein Aspekt, der hinsichtlich planerischer Maßnahmen nicht hoch genug bewertet werden kann.

Die Bandbreite der Problematik wird abgerundet durch die Beiträge Pütz zur Steuerung und Koordination der Flächennutzung am Beispiel der Metropolregion München und über Bahnbrachen als Flächenpotenzial am Beispiel der Region Oberfranken-West (Arnal).

Die Ergebnisse der umfangreichen und informativen Einzelbeiträge als beeindruckende Gesamtleistung einer Landesarbeitsgemeinschafts-Arbeitsgruppe der ARL werden abschließend, die Aufforderung „Mehr Wert für die Fläche“ des Rates für Nachhaltige Entwicklung aufnehmend, in Handlungsempfehlungen für das Flächenmanagement zusammengefasst und sind besonders durch die Tabellen 1 bis 3 (S. 206–208) für die planende Praxis sehr hilfreich. Dort werden in Synopsen die rechtlichen und planerischen sowie ökonomischen und fiskalischen Instrumente und die informatorischen und Sensibilisierungselemente, abgeleitet aus den Erkenntnissen der Einzelbeiträge, dargestellt und tragen hoffentlich dazu bei, dass „das Schutzgut Grund und Boden“ stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert wird und zu einer nachhaltigen Siedlungsordnung und -entwicklung beiträgt.

Man wünschte sich vielleicht außerdem, dass die verdienstvollen empirischen Belege für die Ermittlung entsprechender Flächen ebenfalls in einer methodischinstrumentellen Synopse dargestellt worden wären und dadurch dieses Arbeitsmaterial der ARL eine noch konkretere Handreichung bieten würde. Das schmälert aber nicht den Gesamteindruck dieser lesenswerten und hilfreichen Aufsatzsammlung zur Verbesserung des Flächenmanagements für eine nachhaltige Siedlungsordnung und -entwicklung.

Christine Weiske, Sigrun Kabisch, Christine Hannemann (Hrsg.): Kommunikative Steuerung des Stadtumbaus. Interessengegensätze, Koalitionen und Entscheidungsstrukturen in schrumpfenden Städten Wiesbaden: VS Verlag 2005 (217 S., 21 Abb., 7 Tab.)

Mit dieser Veröffentlichung, die auf den Beiträgen einer gleichnamigen Tagung aufbaut, wird eine Grundlage für die bislang weitgehend fehlende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Urban Governance unter Schrumpfungsbedingungen gelegt. Allein ihre Existenz legt die Defizite bisheriger Evaluationsbemühungen zum Stadtumbau schonungslos offen. Wie in Sammelbänden üblich, kann dabei die Gesamtkonzeption nicht bis ins letzte Detail zwingend geraten, doch gelingt es den Herausgeberinnen, einem Team aus ostdeutschen Soziologinnen, die Aufsatzsammlung als Zusammenspiel verschiedener Akteure im Stadtumbau zu einer vielfältigen und in weiten Teilen anregenden Lektüre zu machen.

Einleitend arbeitet Hans-Joachim Bürkner die weitgehend im anglo-amerikanischen Raum geführte Debatte um Wachstumsmaschinen und Urbane Regimes auf und versucht, sie auf den Schrumpfungskontext des Stadtumbaus Ost zu beziehen. Er plädiert für eine Qualifzierung der Schrumpfungspolitik durch Überwindung der von ihm beobachteten „sektoralen Koalitionen“ aus Lokalpolitikern, Verwaltung und Wohnungsunternehmen. Die diesbezüglichen Ausblicke zeigen sinnvolle Pfade künftiger Forschung auf. Johannes Boettner diskutiert Anreize für verantwortliche Akteure, zurückhaltend mit Informationen über die planerischen Absichten im Umgang mit Schrumpfungsprozessen umzugehen, und erörtert Möglichkeiten breiter öffentlicher Diskurse. Christine Weiske schließt den ersten Block mit einer Diskussion der Strukturen lokaler Verhandlungssysteme in schrumpfenden Städten und ihren Einfluss auf Allokationsentscheidungen ab.

Vier der folgenden Beiträge beziehen sich auf den ostdeutschen Stadtumbauprozess. Sigrun Kabisch stellt eine Studie zu Weißwasser vor, die ein erstaunlich hohes Maß an Verständnis der Bewohner für Abrissmaßnahmen zutage gefördert hat. Die Reaktionen der Betroffenen darauf sind allerdings ganz unterschiedlich, insbesondere deren Fähigkeit und Willen, ihnen zustehende Rechte bei der Umsetzung in eine andere Wohnung wahrzunehmen. Matthias Bernt räumt mit einer leichtfertigen Kooperationsrhetorik im Stadtumbau auf. Er analysiert die Motive von privaten Eigentümern und größeren Wohnungsbaugesellschaften und weist nach, dass sehr ausgefeilte Anreizstrukturen geschaffen werden müssten, wenn nicht vermeintliche Sachzwänge den Stadtumbau weitgehend bestimmen und zu recht beliebigen Resultaten führen sollen. Gérard Hutter und Thorsten Wiechmann untersuchen die Umsetzung von integrierten Stadtentwicklungsprogrammen in koordinierte Maßnahmen und Projekte. Cornelia Cremer stellt ausgereifte, dabei keineswegs selbstverständliche Kommunikations- und Beteiligungsansätze in BerlinMarzahn vor.

Zwei Beiträge von Ursula Stein und Anja Farke sind westdeutschen schrumpfenden Städten gewidmet. Während in Essen eine aktive kommunikative Steuerung der schwierigen Führungsaufgabe Schrumpfungspolitik versucht wird, finden die unbequemen Realitäten in Salzgitter noch nicht ausreichend Eingang in die Politik.

In der abschließenden Podiumsdiskussion werden noch einige interessante Positionen ergänzt. Aufschlussreich ist insbesondere die Binnenperspektive der Banken, die über ihre Kreditvergabe an Wohnungsbaugesellschaften im Hintergrund eine zentrale Rolle spielen.

Das Buch wirft eine Reihe noch zu beantwortender Fragen auf. An einigen Stellen leuchtet es noch nicht sehr tief in die Wirklichkeit hinein, an anderen Stellen kann es auf sehr detaillierte Forschüngsresultate zurückgreifen. So spiegelt sich in dem Band der Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung zum Stadtumbau in schrumpfenden Städten wider – wenngleich die beinahe ausschließliche Berücksichtigung von auf der Tagung behandelten Themen verkürzt und problematisch erscheint und eine stärkere Ergänzung um weitere Aspekte wünschenswert gewesen wäre. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Veröffentlichung neue Forschungsarbeiten angestoßen werden. Diese sollten sich insbesondere den Governance-Arrangements zuwenden, wenn es darum geht, knapper werdende finanzielle Ressourcen gerecht zu verteilen. Weiter bleibt zu untersuchen, ob es faire Aushandlungsmechanismen geben kann, die die selektiven Wirkungen von Schrumpfungsprozessen durch Kompensationsmaßnahmen bearbeiten, und wie diese sich im politischen Alltag einstellen können. Welche Rolle der Beteiligung wirklich zukommt und was im Einzelnen passiert, wenn Politik und Verwaltung zwischen den Hoffnungen auf identitätsstiftende Diskussions- und Empowerment-prozesse einerseits und der abschreckenden Wirkung eines durch breite Informationspolitik verstärkten Klimas der Resignation in der Schrumpfung andererseits abwägen müssen, ist weiterhin ungeklärt.

Christine von Blanckenburg, Birgit Böhm, Hans-Liudger Dienel, Heiner Legewie Leitfaden für interdisziplinäre Forschergruppen: Projekte initiieren – Zusammenarbeit gestalten Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2005. = Blickwechsel. Schriftenreihe des Zentrums Technik und Gesellschaft der TU Berlin, Bd. 3 (255 S., Abb., Tab.)

Vor dem Hintergrund einer zunehmend breiteren Lasten- und Aufgabenverteilung im Bereich privater und öffentlicher Aufgaben werden mehr und mehr Akteure in Planungs- und Kooperationsprozesse eingebunden und dadurch immer mehr kooperative Prozesse durch Bürger, Betroffene oder Interessensgruppen initiiert. Der vorliegende Leitfaden nimmt sich dieses Aufgabenfelds der disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit an und erarbeitet Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der verschiedenen Kooperationspartner. Dabei will er eine effektive Projektplanung und Projektdurchführung ermöglichen, indem er die Transparenz von komplexen kooperativen Prozessen erhöht und es dadurch dem Anwender des Leitfadens ermöglicht, die richtige Handlungsoption zum richtigen Zeitpunkt wahrzunehmen.

Der Leitfaden gliedert sich in drei thematische Kapitel. Im ersten Kapitel werden die Arbeitsphasen interdisziplinärer Prozesse, also die Vorbereitung, Planung und Durchführung betrachtet. Das zweite Kapitel geht verstärkt auf kommunikationspsychologische Aspekte ein, also die Arbeitssituationen und deren Gestaltung innerhalb der Projekte. Das dritte Kapitel gibt einen Überblick über das Thema Moderation, beschreibt Aufgabenfelder und empfiehlt Vorgehensweisen.

Die Autoren untergliedern kooperative Projekte organisatorisch in die Phasen Vorbereitung, Konstituierung und Planung und abschließende Durchführung. Die beschriebenen Arbeitsschritte orientieren sich im Kapitel „Vorbereitung“ am Projektverlauf und arbeiten wesentliche Elemente wie Ideenfindung, Auswahl von Kooperationspartnern, Zieldefinition und Antragserstellung methodisch auf. Gleichzeitig werden Themen wie Kontakte zu Förderinstitutionen und Institutionelle Unterstützung behandelt und kritisch betrachtet. Insbesondere für Einsteiger werden wertvolle Hinweise zu Aufbau und Strukturierung von Projektanträgen gegeben. Im Unterkapitel Konstituierungsphase stehen die beteiligten Akteure im Vordergrund. Fragen nach Motiven, Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Beteiligten werden thematisiert und als Arbeitsschritte aufbereitet. Neben der Wahl einer geeigneten Organisationsstruktur und der internen Rollenverteilung liefert der Leitfaden hier auch Anregungen zur Identitätsfindung der Kooperierenden sowie zur Konkretisierung gemeinsamer Ziele und zu deren methodischen Umsetzung. Ergänzt werden diese Arbeitsschritte und organisatorischen Hinweise durch eine Methodenübersicht zur Qualitätssicherung. Das Unterkapitel Durchführungsphase beschäftigt sich mit dem Projektverlauf selbst. Fragen der Koordination der gemeinsamen Arbeit und deren Organisation stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die Handhabung von Veränderungen innerer und äußerer Rahmenbedingungen im Projektverlauf. In der Durchführungsphase geht es um die Verbindlichkeit und Umsetzung gemeinsam getroffener Festsetzungen. In diesem Zusammenhang werden auch Arbeitsschritte wie Wissensmanagement, Dokumentation von Zwischenergebnissen und Öffentlichkeitsarbeit im Projektverlauf anschaulich aufgearbeitet. Das Unterkapitel Projektabschluss beschäftigt sich mit Möglichkeiten und Strategien einer potenziellen Fortführung des Projekts und der Entwicklung sog. Spin-offs und stellt die Vorteile geeigneter Evaluationsmethoden dar.

Kapitel 2 „Kommunikationspsychologische Aspekte“ gliedert sich in die drei Unterkapitel „Kooperationskultur, Macht und Führung und Konflikte. Im Bereich „Kooperationskultur“ werden verschiedene Kommunikationstechniken und -Strategien vorgestellt, die ein „gutes Kooperationsklima“ schaffen und damit die Qualität der Zusammenarbeit erhöhen sollen. Die dazu aufgezeigten Bausteine beschäftigen sich mit grundsätzlichen Regeln des gemeinsamen Umgangs in der Zusammenarbeit. Hinweise zur konstruktiven Zusammenarbeit durch klare Regeln wie u. a. eine funktionale Gesprächsführung, die Akzeptanz von Feedback aus der Arbeitsgruppe oder die Absprache, auch schwierige Themen innerhalb der Arbeitsgruppe ansprechen zu können und zu sollen, werden vorgestellt und entsprechende Anleitungen zur Umsetzung gegeben. Darüber hinaus wird das Thema Motivation behandelt und werden Hinweise zum Motivationserhalt gegeben. Das Unterkapitel Macht und Führung beschäftigt sich mit den verschiedenen Hierarchie- und Machtinteressen der Prozessteilnehmer. Neben der Beschreibung von Gefahren werden auch Potenziale von Machtstreben und Konkurrenz in der Gruppe thematisiert. Ergänzend wird die Rolle der Projektsteuerung beleuchtet. Das dritte Unterkapitel beschäftigt sich mit dem Thema Konfliktmanagement. Dabei werden sowohl Empfehlungen zu Spielregeln in der Kommunikations- und Kooperationskultur gegeben als auch verschiedene Strategien zur Verhinderung bzw. zur Bewältigung bereits bestehender Konfliktsituationen dargestellt.

Kapitel 3 „Moderation“ ist ein Grundlagenkapitel zur Vermittlung von Basiswissen im Bereich Moderation; unterschieden werden Grundlagen und Techniken. Im ersten Teil betrachten die Autoren die Aufgahenverteilung in der Gruppe, mit dem Ziel einer effizienten und effektiven Sitzungsgestaltung. Ergänzt wird dies durch eine Übersicht über die Notwendigkeit geeigneter Visualisierungstechniken. Im zweiten Teil des Kapitels wird explizit auf Moderationstechniken eingegangen und dargestellt, welche Möglichkeiten verschiedene Techniken bieten. Dabei werden sowohl Techniken für den Sitzungsalltag als auch ergänzende Techniken zur Entwicklung kreativer Ideen oder zur Problembewältigung beschrieben.

Die definitorische Herleitung von „Kulturen“, „Disziplinen“, „Rechtfertigungsdruck durch Demokratisierung und Modernisierung“ etc. gibt der Einleitung des Leitfadens einen sehr wissenschaftlichen, aber wenig praxisnahen Einstieg. Auch die Unterscheidung kooperativer Projekttypen in „interdisziplinär, multidisziplinär und transdisziplinär geht sehr ins Detail und ist mit verschiedenen Grafiken gut aufbereitet, jedoch ebenfalls sehr wissenschaftlich gehalten. Eine verkürzte Übersicht verschiedener Definitionen und Typologien mit umfassenderen Literaturempfehlungen würde dem Leser den Übergang zum eigentlichen Praxisleitfaden erleichtern. Bedingt ist dieses Vorgehen durch den Anspruch der Autoren, mit dem Leitfaden eine sehr breite Zielgruppe zu bedienen – angefangen bei Koordinatoren interdisziplinärer Projekte über wissenschaftliche Mitarbeiter in eben solchen sowie über Mitwirkende in Bürgerinitiativen bis hin zu Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung. Der Leitfaden richtet sich damit an alle potenziellen Akteursgruppen kooperativer Projektarbeit. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese breite Zielgruppe mit einem Werk erreicht werden kann, das den Fokus auf interdisziplinäre Forschergruppen im Titel trägt.

Inhaltlich stellt der Leitfaden die typischen Verlaufsphasen und Arbeitssituationen kooperativer Zusammenarbeit dar und gibt Hilfestellung(en) bei der Wahl geeigneter Instrumente für eine erfolgreiche Bearbeitung einzelner Projektphasen. Dabei helfen die in Kapitel 1 und 2 angeführten Beispiele, die beschriebenen Situationen und Arbeitsphasen nachvollziehbar zu machen und dem Leser anschaulich zu vermitteln. Im Sinne eines Nachschlagewerks ist insbesondere die Struktur des Leitfadens hervorzuheben. Der modulare Aufbau jedes einzelnen Unterkapitels bietet dem Leser die Möglichkeit, gezielt für ihn interessante Informationen nachzuschlagen, ohne größere Textpassagen lesen zu müssen. Gleichzeitig stehen dem Leser mit den beschriebenen Beispielen, aber auch mit den wissenschaftlichen Hintergrundinformationen und kapitelspezifischen Quellenangaben Möglichkeiten zur Verfügung, interessante Fragestellungen individuell zu vertiefen.

Insgesamt bietet der Leitfaden einen breiten Überblick über Arbeitsschritte, Aufgaben und Herausforderungen kooperativer Prozesse. Der Wechsel zwischen wissenschaftlich fundiertem Basis- und Hintergrundwissen steht im Gesamtzusammenhang des Leitfadens in einem ausgewogenen Verhältnis zu praxisbezogenen Ausführungen und Beispielen. Dem eigenen Anspruch, ein Nachschlagewerk für individuelle Fragen und Probleme methodischer oder struktureller Art in kooperativen Prozessen zu sein, wird der Leitfaden damit gerecht und kann insbesondere für Einsteiger hüfteiche Hinweise und methodische Herangehensweisen für eine strukturierte und kommunikative Projektarbeit vermitteln.

Gerd Held Territorium und Großstadt. Die räumliche Differenzierung der Moderne Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2005 (409 S.)

Gerd Held hat mit seiner Abhandlung eine vielschichtige und ambitionierte Arbeit vorgelegt. In einer weit ausholenden historischen Rekonstruktion untersucht er die Bedeutung räumlicher Strukturen in der Moderne. Was für Zeitstrukturen üblicherweise anerkannt ist, gelte auch für räumliche Strukturbildungen: „Sie konstituieren die Moderne mit.“ (S. 374)

Wie die Themenwahl stellt auch die Lektüre der Untersuchung eine Herausforderung dar. Der Sozialwissenschaftler, Sozialphilosoph und Raumplaner Held weiß dies und bittet um „Geduld für längere Wege und indirekte Effekte“ (S. 12). Mit dem Ziel der Erweiterung eingefahrener Perspektiven „wird zusammengebracht, was gegenwärtig eher getrennt läuft: die Aufgaben des Städtebaus und der Raumordnung auf der einen Seite und allgemeine politische, ökonomische und kulturelle Fragen auf der anderen Seite. (…) Städtebau und Raumplanung sollen auch ‚große’ institutionelle Fragen erörtern“ (ebda.). Umgekehrt erwartet Held, dass „ökonomische und politische Akteure neue Wirkungsmöglichkeiten“ in den „Niederungen des räumlichen Planens und Bauens“ (ebda.) entdecken können. Bereits diese Rahmung lässt erahnen, dass die Arbeit keine pragmatische Anleitung für die Raumplanung im Sinne einer Planungsfibel ist. Entstanden ist vielmehr eine Analyse, die der Autor als Grundlage für ein allgemeines „raumwissenschaftliches Programm“ ansieht (S. 127).

Ausgangs- und Endpunkt der Entwicklung dieses Programms ist die lange vernachlässigte Kategorie des Raumes. Im Vergleich zur raumbezogenen Debatte der letzten Jahre bezeichnet Heids Raumbegriff allerdings einen auffallend speziellen und „durchaus beschränkten Gegenstand“ (S. 9): Es geht ihm um materielle, sachlich-dingliche, „gebaute“, „objektive“ und planbare „räumliche Strukturbildungen“ (ebda.) – wie etwa Verkehrsnetze oder (Staats-)Grenzen.

Ins Zentrum seiner „räumlichen Bestandsaufnahme der Moderne“ (S. 11) stellt Held zwei bestimmte Strukturbildungen und ihre Mechanismen: „Territorium“ und „Großstadt“. Das „Territorium“ steht für den Mechanismus des Ausschlusses, da es durch räumliche Grenzziehungen äußere und innere Heterogenität ausschließt. Die „Großstadt“ dagegen steht für den Mechanismus des Einschlusses. Dieser fußt auf Verdichtung und Heterogenität. Als generalisierte und strukturierende Formen setzen sich „Territorium“ und „Großstadt“ in der Moderne durch. Sie werden zu einem „wesentlichen Teil des modernen Ordnungsentwurfs“ (ebda.).

Held expliziert und belegt seine Thesen in vier Kapiteln.

Im ersten Kapitel nähert sich der Autor der räumlichen Differenzierung von Territorium und Großstadt über einen folgenreichen „Umweg“ (S. 17). So bindet er die Raumfrage in zwei für die Moderne spezifische, größere Zusammenhänge ein: die Technik und die Institution.

Unter dem Blickwinkel der technischen Rationalität wendet sich Held gegen die in der Sozialwissenschaft weit verbreitete Trennung von Sozialwelt und Sachwelt (S. 23). Er thematisiert Technik als Produzent von Subjektivität und Weitsicht und formuliert die These, dass „Sachen“ als „objektive Artefakte“ handlungsrelevante Eigendynamiken entwickeln können. Dies gelte auch für Räume bzw. für Raumstrukturen, wenn man sie – als „technische Gegenstände“ (S. 39) betrachte – „aus der Sphäre der reinen Vernunft in die Sphäre der Technik“ (S. 42) versetze.

Unter dem Aspekt der institutionellen Rationalität beleuchtet Held die Beziehung von Institutionalisierung und Intention. Handlungsmotive ließen sich nicht (allein) auf Subjekte und intersubjektive Beziehungen zurückführen, denn die „Objektivität der Welt“ (S. 55) wirke ebenfalls „motivbildend“ (ebda.). „Auch die räumlichen Strukturierungen dieser Welt“ werden somit „institutionell wirksam“ (ebda.).

Technik und Institution treten in der Moderne folglich als Mitten und Mittler zwischen „Ich“ und „Welt“. Sie „sind Bedingungen der Möglichkeit“ (S. 97) der modernen Vielfalt. Um das komplexe und kontingente Verhältnis zwischen „Subjektseite und Objektseite“ (ebda.) verstehen zu können, müssten auch die zentralen räumlichen Strukturbildungen betrachtet werden.

Im zweiten Kapitel konzentriert sich der Autor auf die Bildung territorialer Strukturen. Diese Strukturbildung wird unter vielfältigen Gesichtspunkten analysiert. Held beschäftigt sich mit klassischen ökonomischen Raummodellen (Thünen, Ricardo), mit Staatstheorien (Montesquieu) und mit der Neuen Institutionenökonomik (North). Er behandelt historische Prozesse der Entwicklung des Territorialstaates und der symbolischen Bindung an den Nationalstaat (Nationalstolz) ebenso wie die Entwicklungen ausgewählter Raumstrukturen (Eisenbahn, Postsystem). Der verbindende Aspekt ist die Frage nach der raumstrukturellen Wirksamkeit von Territorialisierung.

Der Großstadt und ihren gesellschaftlichen Funktionen wendet sich Held dann im dritten Kapitel zu. Die Großstadt lässt mit ihrer „extremen Zusammendrängung“ sowohl marginale Existenzen als auch „höchste Exzellenz“ zu (S. 229). Der Autor beschäftigt sich u.a. mit verschiedenen Dimensionen der Großstadtkritik, mit Utopien eines „Glück, Befriedigung und ‚Erfüllung verheißende(n) Städtebau(s)“ und mit (ökonomischen) Agglomerationsvorteilen.

Im vierten und letzten Teil seiner Arbeit führt Held seine zentralen Gedanken noch einmal zusammen. Letztlich identifiziert er die räumliche Differenzierung in „Territorium“ und „Großstadt“ als eine wesentliche Triebkraft für die charakteristischen Steigerungsleistungen der Moderne. Hierin unterscheidet sich diese Arbeit deutlich von anderen (gesellschafts-)theoretischen Perspektiven, die die Komplexitätssteigerung der modernen Gesellschaft auf den Kapitalismus, die funktionale Differenzierung, die Autonomisierung und operative Schließung sozialer Systeme oder die moderne „Erfindung“ von Organisationen zurückführen.

Die „räumliche Ordnung der klassischen Moderne“ sei im 20. Jahrhundert zwar durch „sub-territoriale und suburbane Einheiten“ vielfach „überlagert“ (S. 366) worden. Doch die „grundlegenden technischen und institutionellen Fragestellungen der Moderne sind eine Vergangenheit, die nicht vergeht. (…) Territorium und Großstadt sind noch da“ (S. 392). Daher plädiert Held abschließend für eine Orientierung der raumwissenschaftlichen und raumordnenden Praxis an den rekonstruierten Raumstrukturen.

Insgesamt stellt Heids Arbeit ein mutiges Unterfangen dar. Zum einen betritt der Autor das Feld der „großen Fragen“ – die Konstitution der Moderne, die „Offenheit und strategische Reichweite einer Gesellschaft“ (S. 11). Zum anderen widmet er sich Themen, denen in der zeitgenössischen Forschung gerade keine große Aufmerksamkeit (mehr) geschenkt wird: „räumliche Eigenlogik“ (S. 124) und die Auswirkung von Raumstrukturen auf soziales Handeln.

Held schreibt den Raumstrukturen zwar keine determinierende, aber doch eine konditionierende Wirkung zu. Dass Raumstrukturen hierbei auch als Agens konzipiert werden, ist nicht unproblematisch. Held setzt ein „objektives“ Vorhandensein dieser Strukturen voraus und interessiert sich für ihren „motivationalen Überschuß“ (S. 365). Ein solcher Status der Dinge wird in verschiedenen Forschungsrichtungen seit geraumer Zeit infrage gestellt: Der Objektivitätsstatus der Dinge und auch der von Held thematisierten Raumstrukturen ist nicht a priori gegeben. Die Dinge werden erst im Rahmen gesellschaftlicher Kommunikation objektiviert (vgl. Berger, P.L.; Luckmann, T.: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. 17. Aufl., Frankfurt a.M. 2000). Ihre Wirkung entfalten sie nicht aus sich selbst heraus; sozial relevant werden sie im Rahmen von Bedeutungszuweisungen (vgl. Werlen, B.: Sozialgeographie. Eine Einführung. Bern 2000, S. 305 ff.).

Neben Heids Engführung der Raumproblematik auf Raumstrukturen und der Zentralstellung politischer und ökonomischer Perspektiven fällt der weitgehende Verzicht auf eine gesellschaftstheoretische Einbettung seiner Untersuchung auf. Mit ihrer Reproduktion zentraler Begrifflichkeiten und Topoi der Moderne – Technik, Institution, Ordnung, Maschine – tendiert die Arbeit daher bisweilen zu einem mechanistischen und maschinenartigen Raum- und auch Gesellschaftsbild. Die Beziehungen zwischen Territorialität, Materialität, Diskurs, Macht und Identität (vgl. z.B. Massey. D. (Hrsg.): Human geography today. Cambridge 1999) werden nicht behandelt. Aus dieser Perspektivierung Heids wird verständlich, dass der Autor zwar detailreich die „Überschusswirkungen“ von Territorialität und Großstadt herausarbeitet. Das Konfliktfeld von materieller Praxis (physische Bauten, Recht, Waren- und Güterströme), Raumkonzeptualisierungen (Planungen, Karten, Ideologien) und Räumen der Repräsentation (Erleben, Utopien, Alltagspraxis) – eindrucksvoll z.B. von D. Harvey (Flexible Akkumulation durch Urbanisierung: Reflektionen über ‚Postmodernismus’ in amerikanischen Städten. Prokla 17 (1987), S. 109-131) oder H. Lefebvre (The production of space. Oxford 1991) herausgestellt – wird jedoch vernachlässigt. Die dort sichtbar werdenden gesellschaftlichen Widersprüche und Spannungen werfen die Frage auf, ob Raumplanung, wenn sie sich so grundsätzlich auf den Zusammenhang von Raum, Politik und Ökonomie einlässt, nicht genau diese Widersprüche berücksichtigen müsste. Territorialisierungen und großstädtische Agglomerationen wären dann stärker als spezifische, Widerspruch erzeugende Formen der gesellschaftlichen Raumproduktion zu deuten.

Gerd Held hat eine außergewöhnliche Arbeit geschrieben. Mit ihrer Detailfülle und ihrem komplexen Argumentationsgang bietet sie viele Anregungen und Überraschungen. Dass sie auch Einsprüche provoziert und zum genaueren Nachdenken motiviert, ist ein weiteres Verdienst. Ob die vorgeschlagene Fokussierung auf Raumstrukturen und „objektive Artefakte“ einen tragfähigen Rahmen für ein raumwissenschaftliches Forschungsprogramm darstellt, wird die weitere Diskussion zeigen.

Karl Martin Born, Timo Fichtner, Stefan Krätke (Hrsg.) Chancen der EU-Osterweiterung für Ostdeutschland Hannover 2006. = ARL-Arbeitsmaterial 321

Mit der aktuellen ARL-Publikation sollen die Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten der EU-Osterweiterung für Ostdeutschland in den Mittelpunkt gestellt werden. Autoren des Buches (inkl. Herausgeber) sind die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die aus wissenschaftlich wie planungspraktisch tätigen Personen der ARL-Landesarbeitsgemeinschaften Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen/ Sachsen-Anhalt/Thüringen bestand.

Der Band gliedert sich nachvollziehbar in drei Hauptteile mit sechzehn Beiträgen. Im ersten, vorwiegend analytisch orientierten Themenblock „Sozio-ökonomische Entwicklungsbedingungen von ostdeutschen Regionen im Kontext der EU-Osterweiterung“ beschäftigen sich zu Beginn Heimpold und Kawka mit Unternehmensstandorten und -netzwerken in ostdeutschen Grenzregionen. Die Ergebnisse, basierend auf Auswertungen vorhandenen Datenmaterials und ersten eigenen Untersuchungen, geben ermutigende Hinweise auf intensive grenzüberschreitende Netzwerkaktivitäten. Der anschließende Text von Jurczek macht – unter Rückgriff auf vorhandene Studien – deutlich, dass die Unternehmen im Grenzraum in ihrem strategischen Handeln durchaus offensiv mit den Herausforderungen der Grenzöffnung umgehen. Mit dem Beitrag von Zillmer wird das öffentliche Handeln im Rahmen der EU-Regionalpolitik näher betrachtet. Der stark methodisch ausgerichtete Artikel vergleicht am Beispiel des Arbeitskräftepotenzials regionale Potenzialausstattung und (EU-)Mitteleinsatz und leitet daraus – verständlicherweise – eine potenzial- und engpassorientierte Vorgehensweise für die Zukunft ab. Unternehmensverflechtungen rückt der Artikel von Krätke in den Mittelpunkt. Hierbei wird die starke Position Berlins in Ostdeutschland ebenso klar wie die schwache Stellung dieser Region im gesamtdeutschen Vergleich. Ebenso wird deutlich, dass deutsche Unternehmen – die Grenzregion überspringend – nicht nur in lohnintensiven Branchen in Polen investieren. Born stellt in seinem überwiegend auf die agrarstrukturellen Bedingungen fokussierten Beitrag allgemein die Entwicklungsmöglichkeiten der ländlichen Grenzräume dar und skizziert generelle Planungsziele. Fichtner, den ersten Block abschließend, betont die Potenziale der Tourismusentwicklung und plädiert für eine verstärkte grenzüberschreitende Wahrnehmung zentralörtlicher Versorgungsfunktionen durch ostdeutsche Grenzstädte.

Der zweite, stärker handlungsbezogene Themenblock „Institutionelle Bedingungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und planerische Initiativen im Kontext der EU-Osterweiterung’’ beginnt mit Ausführungen von Knippschild zur Koordination grenzüberschreitender Raum- und Siedlungsentwicklung. Dargestellt werden bestehende Planungsaussagen, allgemeine Möglichkeiten sowie konkrete Beispiele der zukünftigen Zusammenarbeit. Roch und Matthey beschreiben vielfältig und mit Beispielen untersetzt Grundlagen und Perspektiven der grenzüberschreitenden Raumentwicklung und betonen u.a. die Notwendigkeit ökologisch funktionsfähiger Landschaften als Ansatzpunkt für die grenzüberschreitende nachhaltige Zusammenarbeit. Hieran knüpft Leibenath mit seinen Ausführungen zu europaweiten Schutzgebietsentwicklungen in der Folge der FFH-Richtlinie an, die nach seiner Ansicht derzeit noch mangelhaft koordiniert sind und mit grenzüberschreitenden Tourismusaktivitäten verknüpft werden sollten. Ergänzend listet Janssen daran anschließend die vielfältigen rechtlichen Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der umweltbezogenen Planung auf.

Fabian, Stoll und Kubica führen den hohen Ausdifferenzierungsgrad von grenzüberschreitenden Infrastrukturplanungen anhand von Straßenbauvorhaben aus und beschreiben Wege zur Abstimmung bei differierenden Planungssystemen. Dehne und Okon zeigen aufbauend auf der Darstellung bestehender formaler wie informeller Aktivitäten, dass insbesondere zwischen den Planungszielen und der konkreten Projektrealisierung eine erhebliche Differenz besteht, und unterstreichen somit indirekt die Bedeutung lokaler Initiativen und Ideenträger. Trawnicek und Platzer verweisen in ihrem Beitrag auf die bislang defizitäre Abstimmung von Förderstrategien und konzipieren einen „neuen“ zweiten EU-Kernraum entlang der deutschen Ostgrenze. Heinrich unterstreicht durch sehr detaillierte Ausführungen zu Verkehrsverbindungsmöglichkeiten die Bedeutung der schnellen Erreichbarkeit auch für Grenzregionen.

Heinze und Rabe gelingt es durch die Darstellung der verkehrlichen Situation in der Region Usedom-Wollin sowie die Analyse von Konflikten, differierenden Interessenlagen und Entwicklungspotenzialen, eine interessant zu lesende Skizze zukünftiger Handlungsmöglichkeiten zu entwerfen. Ihre Ausführungen machen die Notwendigkeit der Kombination unterschiedlicher Lösungsansätze ebenso deutlich wie die laufende Infragestellung bestehender Mobilitätsüberlegungen.

Im Schlusskapitel fasst Krätke die unterschiedlichen Artikel nochmals kurz zusammen und formuliert daraus abzuleitende Konsequenzen, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeiten der Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich. So erschließt sich, dass aktuell die Chancen der EU-Osterweiterung zum Teil erkannt werden, eine Vielzahl von Potenzialen jedoch noch ungenutzt bleibt.

Die Gesamtpublikation stellt einen facettenreichen Überblick über bestehende grenzüberschreitende Aktivitäten sowie handlungsbezogene Vorschläge zur Nutzung der EU-Osterweiterungschancen dar. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass die Ausführungen auch ökologische Aspekte umfassen.

Gleichwohl ist die teils additive, teils wiederholende Darstellung bestehender Anstrengungen auf die Dauer dem Lesevergnügen eher abträglich. Zugleich drängt sich der verfälschende Eindruck auf, dass die Handlungsfelder Raumplanung, Siedlungs- und Freiraumentwicklung sowie Infrastrukturplanung einen Großteil der Aktivitäten vor Ort bestimmen und es bei der Chancenwahrnehmung in diesen Feldern kaum zu Konflikten kommt. Hier wäre ein Abschlussartikel wünschenswert gewesen, der dies korrigierend aufgreift, zugleich auf die Vielzahl anderer Aktivitäten (z. B. in den Bereichen Bildung, Kultur etc.) verweist und die Entwicklungen in einen europäisch vergleichenden Kontext stellt. So fehlt zum Schluss der Schuss Esprit, der die Nutzung der Chancen der EU-Osterweiterung doch erst wahrscheinlich werden lässt.

Rafael Stegen Die soziale Stadt. Quartiersentwicklung zwischen Städtebauförderung, integrierter Stadtpolitik und Bewohnerinteressen Münster: LIT Verlag 2006. = Stadtzukünfte 3

Der Autor hatte nach eigenen Angaben in seiner praktischen Arbeit im Programm Soziale Stadt seit dem Jahr 2000 festgestellt, dass sich „nur wenig von den auf der Zukunftswerkstatt durch die Bewohner des Viertels entwickelten menschenbezogenen Projekten wiederfand“ (S. V). Das Verhältnis zwischen menschenbezogenen und baubezogenen Maßnahmen entsprach nach seiner Ansicht nicht den Problemen der Viertel. Dies veranlasste ihn, sich in der Bundesrepublik umzusehen und zu prüfen, ob es sich um einen Einzelfall handelte, und stellte dabei fest, dass diese Diskrepanz häufig zu finden war. Nun liegt als Ergebnis dieser produktiven Irritation eine Dissertation vor.

Das Buch besteht aus vier Teilen: Zunächst werden noch einmal die Ursachen für die Notwendigkeit einer integrierten Stadtteilpolitik dargelegt, dann folgt eine historische Bestandsaufnahme der Städtebauförderung in Westdeutschland. Eine Fallstudie über ein Programmgebiet Soziale Stadt in Bremerhaven zeigt ausführlich und im Detail, worin die Probleme bei der Umsetzung der Ziele des Programms Soziale Stadt bestehen. Ein letzter Teil ist Vorschlägen zur Verbesserung und zur Reform der Rahmenbedingungen für eine sozial orientierte Stadtentwicklung gewidmet.

Insgesamt wird ein guter, wenn auch nicht immer ganz präziser, jedoch leicht lesbarer Überblick über die Zusammenhänge, die zum Programm Soziale Stadt geführt haben, und über die Probleme bei seiner Umsetzung gegeben. Vorschläge zu seiner Weiterentwicklung und Reform werden zusammengefasst. Überraschungen erlebt man dabei nicht, weil ja durch Evaluationen in verschiedenen Bundesländern und auf Bundesebene inzwischen die Tücken und Lücken der Umsetzung des Programms Soziale Stadt hinreichend bekannt sind.

Sehr lesenswert ist die Fallstudie zu einem Gebiet in der Stadt Bremerhaven. Hier wird anschaulich gezeigt, was sicherlich für viele Gebiete im Programm Soziale Stadt gilt: Die Dominanz von stadtplanerischen und architektonischen Diagnosen und Handlungsperspektiven führt dazu, dass der Kern des Programms Soziale Stadt, der in einer Verschränkung von sozialen und baulichen Perspektiven liegt, verfehlt wird. Der Autor lässt da keine Zweifel aufkommen: Eine auf rein baulichen Erscheinungsformen und ethnischen Vorurteilen begründete Stigmatisierung der Bevölkerung hat zu einer Problemdiagnose geführt, aus der schließlich ein Projekt entstanden ist, „das die sozioökonomischen Realitäten der Bewohner vor Ort verkannt und damit Chancen vertan hat, eine funktionierende und überwiegend akzeptierte Nachbarschaft in einem anderen, gemeinsam entwickelten Erscheinungsbild zu erhalten“ (S. 196 f.j. Theoretisch stützt sich Stegen auf den akteurszentrierten Institutionalismus, wie ihn Mayntz/ Scharpf entwickelt haben. Dadurch wird es möglich, die Beharrungskräfte der traditionellen Städtebaupolitik ebenso aufzudecken wie die kurzgeschlossenen Kooperationen zwischen dominanten Akteuren in der Stadtpolitik. Innovationen haben es unter diesen Bedingungen schwer.

Die Empfehlungen, die der Autor aus seiner Analyse ableitet, decken sich – wie gesagt – mit den Ergebnissen anderer Evaluationsstudien, die er allerdings nicht systematisch auswertet. Er kündigt an, im Schlusskapitel „kreative und phantasievolle Auslegung der Gesetze sowie mutige und neue Möglichkeiten politischer Initiativen“ (S. 257) zu diskutieren, jedoch trifft man dann nur auf Bekanntes. Die Summe der Reformforderungen besteht darin, die Möglichkeiten der integrierten Stadtpolitik, wozu insbesondere auch die nicht-investive Verwendung der Programmmittel gehört, durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ministerien auf Bundes- und Landesebene zu verbessern. Dafür besteht bisher allerdings wenig Hoffnung. Das Bundesministerium, das seit Beginn dieses Jahres auch den Titel „Stadtentwicklung“ im Namen trägt, hat aber inzwischen einen Experimentalfonds aufgelegt, der zwar mit 40 Mio. € relativ bescheiden ausgestattet ist, aber der breiten Kritik Rechnung trägt, dass sich die Ziele des Programms und die dafür bereitgestellten Instrumente bisher so wenig gedeckt haben. Man darf gespannt sein, wie dieser Experimentaltopf genutzt wird und welche Ergebnisse dann evaluiert werden können. Das vorliegende Buch macht sehr deutlich, warum solche Experimente dringend notwendig sind.

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