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Jörg Radtke

Zusammenfassung

Dieser Beitrag untersucht die Auswirkungen der Energiewende auf gesellschaftlicher, speziell räumlicher Ebene. Dazu wird auf ein Raumverständnis rekurriert, das Anknüpfungspunkte für eine Bewertung von Technikräumen der Energiewende bietet. Der Ansatz basiert auf einer Differenzierung in Umwelt- und konventionelle sowie alternative Technikräume der Erneuerbaren Energien. Außerdem wird die Frage behandelt, was geschieht, wenn die Technik der Erneuerbaren Energien (wie Energieanlagen und Stromleitungen) auf den bereits strukturierten Raum trifft. Hierbei stehen drei Aspekte im Vordergrund:

• Hybridisierung: Bilden Technik, Individuen und Natur eine untrennbare Einheit, die nicht (mehr) auseinander dividiert werden kann?

• Auflösung von Gegenräumen: Führen Erneuerbare Energien dazu, dass die klare Abgrenzung von Technikräumen gegenüber ihrer Umwelt zunehmend schwindet?

• Gestaltung des Raumes: Welche Gestaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten ergeben sich insbesondere für die lokale Bevölkerung?

Dazu werden einerseits gesellschaftliche Gegebenheiten untersucht, die durch technologische Veränderungen beeinflusst werden, und andererseits die direkten und indirekten Einflüsse der Technik auf den Menschen. Bei der Etablierung Erneuerbarer Energien in Deutschland ist beides anzutreffen: Jedes aufgestellte Windrad findet an einem bestimmten Ort seinen Platz, der zuvor schon mit einer Bedeutung, einer Nutzung oder einer spezifischen Identität verbunden ist. Die Technik selbst wiederum beeinflusst das Individuum auf vielfältige Art und Weise: sei es in ihrer optischen Wahrnehmung, in Alltagsroutinen oder auch durch ihre rein ideelle Bedeutung.

Es wird gezeigt, dass der „Raum“ unterschiedliche Bedeutungen in denjenigen Kontexten aufweist, in denen es um den Einsatz neuer Technologie geht. Ein gutes Beispiel hierfür stellt die Nutzung von Windenergie dar – vor allem dann, wenn Windenergieanlagen in großer Anzahl ganze Landstriche prägen. Neben theoretischen Überlegungen zum Einbezug von Technik in die Gesellschaft von Bruno Latour sowie zur Bestimmung von sogenannten „Anderen Räumen“ nach Michel Foucault werden praktische Fragen im Zusammenhang mit der aktuell vollzogenen Energiewende in Deutschland behandelt. Hierzu wird in zwei Fallstudien beispielhaft auf die Bereiche Windenergienutzung und den Ausbau der Stromnetze eingegangen.

Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, die These einer zunehmenden Hybridisierung von Natur und Technik in Form der Ausbreitung Erneuerbarer Energien zu diskutieren. Hierdurch erhält der aktuelle Energiewende-Diskurs um soziotechnische Transformationen der Gesellschaft einen theoretischen Rahmen.