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  • Author: Chris Howe x
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Abstract

Der Beitrag gibt ein interdisziplinäres Gespräch zwischen dem Literaturwissenschaftler Michael Stolz (Universität Bern) und dem Molekularbiologen Christopher Howe (Universität Cambridge, UK) wieder. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage nach dem Metapherngebrauch in der Beschreibungssprache molekularer Reproduktionsvorgänge: ‚Transkription‘ (Umschrift) der DNA in RNA, ‚Translation‘ (Übersetzung) der RNA in Proteine (Ribosome), ‚Replikation‘ (Rückbiegung) der DNA in neue Stränge. Diese Metaphorizität wird im Horizont geistes- und naturwissenschaftlicher Konzepte diskutiert, die bisher kaum in Zusammenhängen gesehen wurden, aber eine mitunter überraschende Nähe aufweisen: Zur Sprache kommen Hans Blumenbergs metapherngeschichtlicher Ansatz von der ‚Lesbarkeit der Welt‘, die in den Naturwissenschaften verbreitete Kautel „The price of metaphor is eternal vigilance“ (Lewontin u.a.), Jean Claude Ameisens implikationsreiche These vom Zelltod als Gestaltungsprinzip des Lebens (‚La sculpture du vivant‘) und die Annahme einer zirkulären Kausalität in der jüngeren Krebstherapie (u.a. bei Michael Hendrickson in Auseinandersetzung mit Erwin Schrödinger). In diesem Kontext tendieren die Naturwissenschaften im Gegensatz zu den sprachskeptischen Geisteswissenschaften dazu, Begriffen wie ‚Transkription‘ und ‚Translation‘ ein wörtliches Substrat vor jeder metaphorischen Bedeutung zuzugestehen. Eine solche Wörtlichkeit aber würde in Zusammenführung natur- und geisteswissenschaftlicher Perspektiven zu dem folgenreichen Schluss führen, dass sich Kommunikation als ein Prinzip des Lebens erweist.