Neue Rubrik: ‚Zur Diskussion‘

Rainer Danielzyk 1
  • 1 ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Brüderweg 22–24, 44135, Dortmund, Deutschland
Prof. Dr. Rainer Danielzyk
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  • ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Brüderweg 22–24, 44135, Dortmund, Deutschland
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„Raumforschung und Raumordnung“ wird von allen Beteiligten – Herausgebern, Schriftleitung, Beirat und Verlag – seit der Neuorientierung Anfang 2010 konsequent zu einer exzellenzorientierten Zeitschrift entwickelt, die eine führende Plattform für den raumwissenschaftlichen Diskurs im deutschsprachigen Raum sein und auch international immer stärker Beachtung finden soll. Die dafür erforderlichen Maßnahmen sind bereits weitgehend realisiert, wenige noch erforderliche befinden sich in der Umsetzung. Dass wir uns damit auf einem guten Weg befinden, zeigen einerseits die Reaktionen auf den Wandel der Zeitschrift, andererseits aber vor allem auch die zahlreichen Angebote hochwertiger Beiträge.

Zur Tradition der Zeitschrift gehörte aber immer auch noch mehr: ein planungspolitischer und planungspraktischer Bezug. Nun ist Tradition kein Argument für sich, weshalb vielleicht einzuwenden wäre, dass in Zeiten exzellenzorientierter Forschung darauf keine Rücksicht genommen werden kann. Insofern ist eine zusätzliche Begründung erforderlich, wenn man Anspruch auf einen besonderen Charakter, eine „Doppelfunktion“ der Zeitschrift erheben will. Diese ist darin zu sehen, dass zumindest ein Teil der raumwissenschaftlichen Arbeit Handlungsfelder und Funktionsweisen raumbezogener Planung und Politik zum Gegenstand hat. Insofern ist ein politisch-praktischer Bezug der Forschung häufiger als in anderen wissenschaftlichen Disziplinen und Arbeitsgebieten gegeben.

Diese Feststellung darf keine Rechtfertigung für eine Vermischung wissenschaftlicher Erkenntnisinteressen und normativ fundierter Handlungsziele sein. Eine wissenschaftliche Zeitschrift ist dazu verpflichtet, die Differenzen zwischen wissenschaftlichen und planungspolitischen Diskursen ständig zu reflektieren und zu beachten. Beide Formen von Diskursen sollen ihren Platz in unserer Zeitschrift haben, allerdings sind die jeweiligen Ansätze und Texte im entsprechenden Kontext zu platzieren. So gibt es aus diesem Grunde schon die Rubrik „Berichte aus Forschung und Praxis“.

Mit diesem Heft eröffnen wir nun die Rubrik „Zur Diskussion“. Damit wollen wir in unregelmäßiger Folge akzentuierten Äußerungen und Perspektiven zu aktuellen planungspolitischen Themen, die durchaus kontroverse Debatten auslösen sollen, einen Ort geben. Damit soll der Versuch unternommen werden, zur Belebung der planungspolitischen Diskussion beizutragen. Es ist geradezu erwünscht, dass auf die jeweilige Positionsbestimmung geantwortet, sie infrage gestellt und kritisch diskutiert wird. Das schärft die Argumente und trägt – hoffentlich! – ganz nebenbei auch noch zur Fortentwicklung der Planungspolitik bei. Gerade deshalb erhoffen wir uns für diese Rubrik Beiträge, die nicht den „Mainstream“ abbilden, sondern Positionen jenseits bekannter Diskussionslinien einnehmen.

Als erster Beitrag in dieser Rubrik wird ein Text von Wilfried Erbguth (Rostock) zu „Perspektiven der Raumordnung in Europa“ veröffentlicht. Er eignet sich dafür in ganz besonderer Weise, denn er stellt manche überkommenen Auffassungen zur Raumordnung infrage, um ihr letztlich einen höheren Stellenwert zu geben. Erbguth betont dabei selbst, dass „es sich um eine Gedankenskizze (handelt), die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, vielmehr nicht zuletzt durch gewisse Zuspitzungen Anstöße für (notwendige) Diskussionen liefern wird“. Damit ist nicht nur die Intention der neuen Rubrik genau getroffen, sondern auch ein substanzieller Beitrag zur notwendigen Diskussion über den Stellenwert der Raumordnung formuliert. So ist ein Bedeutungsgewinn von raumordnerisch relevanten Themen unverkennbar, der Stellenwert der Raumordnung auf allen Ebenen nach weit verbreiteter Überzeugung aber rückläufig. Erbguth sieht künftige Impulse vor allem von planerischen raumgestaltenden Ansätzen im europäischen Kontext, insbesondere im Zusammenhang mit der Regulierung der Meeresnutzung, kommen. Durch diese Einflüsse würde vor allem die Bedeutung der Bundesraumordnung und der Landesplanungen steigen. Infolge des „raumordnungsbezogenen Harmonisierungsprozesses auf EU-Ebene“ stehe eine „Zeit der Raumordnung“ bevor. Diese These steht nicht nur im Widerspruch zum vielfach wahrgenommenen Bedeutungsverlust der Raumordnung in der Bundesrepublik, sondern fordert auch die von allen Bundes- und Landesregierungen immer vertretene Ablehnung weiterer Kompetenzen für die EU heraus. Damit wird eine Diskussion belebt, die in einer Zeit dringend notwendig erscheint, in der raumrelevante Entwicklungen durch die EU initiiert oder zumindest stark beeinflusst werden, ohne dass es dafür bislang einen integrativen Gestaltungsansatz gäbe.

Wir hoffen, dass dieser Text angesichts seiner planungspolitischen Bedeutung Diskussionsbeiträge anregt, freuen uns aber selbstverständlich auch über weitere Impulse zu anderen planungspolitisch relevanten Themen.

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