Zukunftsfähigkeit der Raumplanung?

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Planung befasst sich mit Zukunft, mit deren bewusster Gestaltung. Dies gilt auch für die Raumplanung. Deren Konzepte, Pläne und Programme belegen, dass es notwendig ist, sich auf die Zukunft einzulassen, Zukunft ais Herausforderung zu verstehen. Raumplanung ist öffentliche Aufgabenerfüllung. Sie soli zur Zukunftssicherung der Gesellschaft und der natürlichen Grundlagen beitragen und sich dabei von Prinzipien der Nachhaltigkeit leiten lassen, urn damit die Voraussetzung für ein „gutes Leben“ kommender Generationen zu schaffen.

Die Zukunft der Raum- und Stadtentwicklung ist offen, gestaltbar durch Planer/innen. Sie sind es, die heute und morgen Verantwortung gegenüber Natur und Mensch tragen. Dies gilt immer noch, auch wenn es viele gibt, die Planung zeitgeistbedingt ais ein Produkt des letzten Jahrhunderts ansehen. Ihre „Hochzeit“ erlebte die Planung, auch die Raumplanung, sicherlich in den 1970er Jahren. Planung sah sich ais zentrale, staatliche Problemlöiserin, glaubte an eine allumfassende, weit in die Zukunft reichende horizontale und vertikale Koordinierungs- und Steuerungsmacht.

Nach zahlreichen Misserfolgen und Fehlentwicklungen hat die Raumplanung mittlerweile einen tief greifenden Verständniswandel erfahren. Raumplanung versteht sich heute weniger ais Macherin, sondern Raumplanung ist vielmehr Steuerungs-, Kommunikations- und Konsensbildungsprozess zugleich. Zum Selbstverständnis der Profession der heutigen Generation der Raumplaner/innen gehiört eine Planungskultur, die sich an Merkmalen wie fachliche und soziale Mitwirkung, Offenheit für unterschiedliche Lösungen, Verantwortung gegenüber kommenden Generationen orientiert. So formuliert es jedenfalls die Vereinigung für Stadt-, Regional-und Landesplanung, die SRL, mit rund 2.000 Mitgliedern, der größte berufsständische Interessen-verband in Deutschland.

Trägt die Aus- und Weiterbildung von Raumplanern/innen diesem Selbstverständnis Rechnung? Nehmen die Hochschulen die Zukunftsfrage auf, verstehen sie Zukunft ais Herausforderung und Chance, Planung ais Auseinandersetzung mit der Zukunft? Positionieren sich die Raumplanungsstudiengänge dank Bachelor-und Masterausbildung, der Modernisierung der Hochschulen im Zuge des Bologna-Prozesses, für die Zukunft?

Antworten auf diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Beiträge und Berichte dieses RuR-Heftes. Denn mit 45 anderen europäischen Staaten hat sich Deutschland verpflichtet, bis 2010 die Ziele der Bologna-Erklärung von 1999 umzusetzen, u.a. Bachelor- und Masterstudiengänge einzuführen. Mittlerweile haben alle Hochschulen in Deutschland, die Raumplaner/innen ausbilden, ihre Ausbildungsstrukturen diesem zweistufigen Ausbildungssystem angepasst. RuR bietet ein Forum, vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses von Raumplanung und ihrer Rolle in Politik und Gesellschaft die veränderten Ausbildungsstrukturen zu diskutieren und zu bewerten.

Klaus R. Kunzmann konstatiert nüchtern, dass es noch zu früh ist, die Folgen dieser Reform zu bewerten. Gleichwohl erwartet er nichts Gutes. Unverkennbar sind aber die Bemühungen der für die Raumplanerausbildung in Deutschland Zuständigen – wie die weiteren Beiträge und Berichte belegen – einerseits den neuen hochschulpolitischen Anforderungen Rechnung zu tragen, andererseits aber auch europaweit eine fachliche Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, die zukunftskompetent und -tauglich macht. Holger Gnest und Axel Priebs wünschen sich zur Profilierung der räumlichen Planung Planer/innen, die ais Berater und Problemlöser, ais Sachverwalter öffentlichen Gestaltungsanspruchs und ais Ideengeber für die Regionalentwicklung wirken.

Ein Rezensions-Essay des Buchs von David Blackbourn „Die Eroberung der Natur – Eine Geschichte der deutschen Landschaft“ von Wendelin Strubelt, beschließt das Heft. Es handelt sich urn eine geschichtliche Aufarbeitung, wie durch Planungen und ihre Umsetzung das moderne Deutschland entstand – in all seiner historischen und gegenwärtigen Ambivalenz. Auch Blackbourn setzt auf die Zukunft, die es der räumlichen Planung besser ermöglichen wird, einen Ausgleich zwischen den natürlichen und den gesellschaftlichen Regelungsprozessen zu schaffen. Dies wird umso mehr gelingen, je mehr Planer/innen es gibt, die fachlich-qualifiziert ausgebildet und sich ihrer mit dieser Tatigkeit verbundenen gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind.

Die Rezension des Buchs von Blackbourn in dieser Zeitschrift, in RuR, ist Wendelin Strubelt ein besonderes Anliegen. Mit Erreichen des 66. Lebens-jahres, im Dezember 2008, scheidet er aus dem Amt, dem BBR. Wendelin Strubelt hat sich über viele Jahre ais verantwortlicher Schriftleiter auf Seiten des BBR urn die RuR verdient gemacht und ihr Profil mit geprägt. Wir danken Wendelin Strubelt für die geleistete Arbeit.

Ihre ◼

Raumforschung und Raumordnung

Spatial Research and Planning

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