Die altersselektive Abwanderung aus Ostdeutschland

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Kurzfassung

Der Beitrag analysiert die Abwanderung von Ostnach Westdeutschland zwischen 1991 und 2004 – mit Schwerpunkt auf ihrer Altersselektivität, also ihrer altersspezifisch differenzierten Struktur nach Richtung und Stärke. Nach einem Überblick über die Ost-West-Wanderungen wird deren Altersselektivität hinsichtlich ihrer zeitlichen, geschlechtsspezifischen und räumlichen Differenzierung untersucht. Eine demographische Modellrechnung der altersselektiven Abwanderungseffekte in den ostdeutschen Ländern schließt die Analyse ab.

Kurzfassung

Der Beitrag analysiert die Abwanderung von Ostnach Westdeutschland zwischen 1991 und 2004 – mit Schwerpunkt auf ihrer Altersselektivität, also ihrer altersspezifisch differenzierten Struktur nach Richtung und Stärke. Nach einem Überblick über die Ost-West-Wanderungen wird deren Altersselektivität hinsichtlich ihrer zeitlichen, geschlechtsspezifischen und räumlichen Differenzierung untersucht. Eine demographische Modellrechnung der altersselektiven Abwanderungseffekte in den ostdeutschen Ländern schließt die Analyse ab.

Keywords:

1 Einleitung

1.1 Ost-West-Wanderungen: Ein Überblick1

Binnenwanderungen beeinflussen die demographische, ökonomische und soziale Entwicklung einer Region. In Deutschland gibt es unterschiedliche Trends, dabei sind die großräumigen Ost-West-Wanderungen dominierend (Mai 2004, S. 211). Die Altersselektivität dieser Wanderungsbewegungen, also die altersspezifisch unterschiedliche Struktur hinsichtlich Richtung und Stärke, lässt sich sowohl im Querschnitt (z. B. räumlich oder geschlechtsspezifisch) als auch im Längsschnitt (über die Zeit) beobachten und ist vor allem für die Regionalpolitik eine wichtige Kenngröße.

Wanderungen von Ostnach Westdeutschland sind dabei kein neues Phänomen. Im Grunde existiert dieser Trend schon seit über 100 Jahren, wenn man von den industrialisierten Regionen in Sachsen als Zuwanderungsgebiet absieht. Bereits vor dem 1. Weltkrieg gab es massive und langfristige Abwanderung aus den ländlichen Ostprovinzen (auch dem heutigen NordOstdeutschland) insbesondere in die Industriegebiete im Westen (Köllmann 1974, S. 114). Nach dem 2. Weltkrieg fand dann eine starke Abwanderung nach Westen vor allem bis zum Mauerbau statt. Bis 1989 zogen 4,87 Mio. DDR-Bürger fort, in die Gegenrichtung knapp eine halbe Million Westdeutsche. Seit Ende 1989 wuchs die Abwanderung zunächst stark an; danach verringerte sie sich bis Mitte der 1990er Jahre. Ab 1997 zogen Ostdeutsche wieder in stärkerem Maße fort; ab 2001 nahm die Abwanderung jedoch wieder ab. Insgesamt wanderten von 1991 bis 2004 gut 2,18 Mio. Personen in den Westen, 1,28 Mio. nach Osten. Damit verlor Ostdeutschland rund 900 Tsd. Einwohner durch Abwanderung. Auch wenn die Abwanderung quantitativ hinter dem Geburtendefizit zurücksteht, wird sie dennoch intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert, was auch an ihrer ausgesprochenen Selektivität liegt (vgl. Kap. 2). Während die Wanderungen in Ostdeutschland die Schrumpfung insgesamt verstärkten, trugen sie in Westdeutschland zum Wachstum der Bevölkerung bei.

Nichtsdestotrotz muss betont werden, dass die ostdeutschen Fortzugsraten eher durchschnittlich waren und sind. Die Abwanderung ist auch ein Problem mangelnder Zuzüge; Ostdeutschland nimmt zu wenig am deutschen Wanderungsgeschehen teil (Schlömer 2004, S. 104; vgl. Kapitel 2.1 und 2.2).

1.2 Erklärungsansätze der Ost-West-Wanderungen

Ein Erklärungsansatz großräumiger Binnenwanderungen und ihrer Altersselektivität ist das Konzept des Lebenszyklus (Kemper 1987, S. 180; Flöthmann 1993, S. 55). Wanderungen werden demnach durch eher längerfristige Änderungen im Lebensverlauf ausgelöst und können als Reaktion auf disparitäre Lebensbedingungen (z. B. Arbeitsmarkt, Infrastruktur) verstanden werden. Man zieht fort, wenn in der Zielregion ein höheres „Befriedigungsniveau“ zu erwarten ist, das abhängig ist von der Stellung im Lebenszyklus, aber auch von der Bewertung der regionalen Lebensbedingungen nach altersspezifisch unterschiedlichen „Anspruchsniveaus“ (Bogue/Hagood 1972, S. 177). Eine Wanderungsentscheidung wird demnach durch exogene Faktoren beeinflusst, aber auch durch subjektives Entscheidungsverhalten.

Regionale Disparitäten scheinen damit Binnenwanderungen zu beeinflussen. Diese Ungleichgewichte sind Grundlage des Push-Pull-Modells, das von attrahierenden Kräften zwischen Regionen ausgeht. Je nach „Kräfteverhältnis“ und der individuellen Bewertung kommt es zu einem Ortswechsel. Eine Besonderheit der deutsch-deutschen Migration sind die Differenzen am Arbeitsmarkt und der ökonomischen Lebensbedingungen. Dies prägt die altersselektiven Muster, weil der Hauptteil der ökonomisch motivierten Wanderungen von jüngeren Altersgruppen getragen wird (s. u.). Klassische Erklärungsansätze besagen, dass Wanderungen in Regionen mit einer höheren Arbeitskräftenachfrage führen (Job-vacancy-Ansatz) und so die Arbeitsmarktdisparitäten teilweise ausgleichen. Beschäftigungsniveau und Lohneinkommen sind in Ostdeutschland deutlich geringer als im Westen, dagegen ist die Arbeitslosigkeit in einigen Regionen bedenklich hoch. Dies bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass die Wanderungshäufigkeit mit der Arbeitslosenquote ansteigt und Wanderungen von Regionen mit hoher zu solchen mit niedriger Arbeitslosigkeit führen (Bücher/Schlömer 2001, S. 46). Zwar stimmt es, dass eine Abwanderung umso eher realisiert wird, je schlechter die Aussicht auf eine neue/bessere Arbeitsstelle vor Ort ist – allerdings mehr von Personen, die eine Chance auf einen (besseren) Arbeitsplatz in der Zielregion haben. Die Realisierung einer Wanderung hängt damit auch vom Qualifikationsniveau ab: Personen mit einem höheren Ausbildungsniveau sind mobiler, vor allem über größere Distanzen (Genosko 1980, S. 742; Windzio 2004, S. 42). Je größer das Missverhältnis von Qualifikationsniveau und aktueller Beschäftigung, desto wahrscheinlicher ist eine Wanderung (Quinn/Rubb 2005, S. 164). Auch Büchel/Schwarze (1994, S. 50) betonen anhand der Ost-West-Wanderungen den Unterschied in den erzielbaren Lohneinkommen als Einflussgröße des Wanderungsaufkommens. Schneider (2005, S. 314) kommt in einer Untersuchung der Ost-West-Wanderungsströme zu dem Ergebnis, dass das ostdeutsche Humankapital durch die Abwanderung entscheidend verringert wird, weil vor allem gut Ausgebildete, aber auch Berufsanfänger in den Westen ziehen.

Trotz dieser Zusammenhänge stimmen die Wanderungsmuster in der Realität nicht unbedingt mit der Push-Pull-Theorie überein, wonach die stärkste Abwanderung von der schwächsten in die stärkste Region führen müsste. Es lassen sich auch Überlagerungen durch den Faktor der räumlichen Nähe feststellen; die Distanz zwischen den Regionen/Ländern spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Stärke der Wanderungsströme.

Neuere Ansätze von Wanderungstheorien betonen stärker außerökonomische Faktoren. Der Ansatz der sozialen Netzwerke besagt, dass persönliche und verwandtschaftliche Beziehungen im Herkunfts- und Zielgebiet für die Realisierung einer Wanderung entscheidend sind und Wanderungsnetzwerke bilden (Haug 2000, S. 38). Das Konzept des sozialen Kapitals betont ebenfalls, dass persönliche Kontakte die Migranten in der Herkunfts- und Zielregion unterstützen und dadurch fehlende materielle Möglichkeiten bzw. anfallende Kosten ausgleichen können – der Migrant zieht aus seinem sozialen Kapital ökonomische Vorteile. Dienel et al. (2004, S. 135) wiesen am Beispiel der Abwanderung aus Sachsen-Anhalt darauf hin, dass vor allem bei jungen Frauen private Gründe wie der Zuzug zum (Ehe-)Partner und/oder soziale Kontakte in der Zielregion die wichtigste Rolle spielen. Die Theorie der Migrationssysteme (Massey et al. 1993, S. 454) beschreibt die Austauschsysteme, die zwischen Herkunfts- und Zielregion bestehen und ein dynamisches System bilden. Der Fokus liegt hier auf der Einbeziehung sowohl des Herkunfts- wie auch des Zielgebiets hinsichtlich seiner Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten und Beziehungen. Der Ansatz integriert zudem das Konzept der sozialen Netzwerke, die hier als Verbindungsstück zwischen den Migranten (Mikroebene) und der strukturellen (Makro)Ebene fungieren. Haug (2000, S. 159) entwickelte schließlich eine Synthese klassischer und neuerer Ansätze, bei der eine Wanderung als rationale und ökonomisch beeinflusste Entscheidung aufgefasst wird, die aber ebenso von sozialen Netzwerken und dem sozialen Kapital abhängt.

2 Altersselektivität der Abwanderung nach Westdeutschland

2.1 Ost-West-Altersselektivität: normal oder ungewöhnlich?

Eine gesicherte Erkenntnis der Migrationsforschung ist der Zusammenhang der Mobilitätsmuster mit dem Alter, die Altersselektivität. Die Selektivität der Abwanderung nach Westdeutschland zeigt sich in altersstrukturellen Austauschprozessen, die eng mit dem Lebenszyklus Zusammenhängen und unterschiedlich ausgerichtet sind. Die typische Binnenwanderungsstruktur hat ihren Schwerpunkt auf den jüngeren Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter reduziert sich der Umzugswunsch; Familien haben zudem eine deutlich niedrigere Mobilität als Alleinstehende. Die jüngere Bevölkerung ist dagegen am mobilsten und kann am schnellsten mit einem Ortswechsel auf Veränderungen reagieren.

Betrachtet man die Altersverteilung der Ost-West-Wanderungen für die Jahre 2000 und 2004 (Abb. 1), so lässt sich dieses verallgemeinerte Muster gut am Verlauf ablesen. Die Fortzüge von Ost nach West überwiegen die Zuzüge in fast jeder Altersstufe. Der Hauptteil wird von den jüngeren Altersstufen etwa zwischen 18 und 30 Jahren getragen, wobei diese überdurchschnittliche Konzentrierung typisch für Ostdeutschland ist. Diese Personen sind aufgrund ihres Eintritts in den (Aus) Bildungssektor bzw. Arbeitsmarkt sehr mobil, später kommen Familien-/Haushaltsgründungen hinzu. Die Mobilität von Vorschulkindern ist höher als die der schulpflichtigen Jugendlichen, denn Familien ziehen häufiger mit Kleinkindern um als mit älteren Kindern. Die Ost-West-Mobilität sinkt dann ab etwa dem Alter von 30 Jahren ab und spielt ab dem Alter von 50 Jahren quantitativ kaum mehr eine Rolle. Anfangs fallen hier noch Familienwanderungen darunter, in späteren Altersstufen sind die Wanderungen eher wohnungs-/berufsorientiert, dann ruhesitzorientiert. Nur in den Altersstufen der Hochbetagten kommt es nochmals zu einem leichten Anstieg, weil hier Ortswechsel bei Eintreten eines Pflegefalls auftreten können.

Abbildung 1

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Abbildung 1

Wanderungen zwischen Ost- und Westdeutschland und Fortzüge innerhalb Westdeutschlands nach Einzelalter – 2000 und 2004 (Saldo, Wanderungen über die Ländergrenzen)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Beim Vergleich der Zu- und Fortzüge zwischen Ost und West fällt auf, dass die West-Ost-Wanderungen eine andere Struktur aufweisen (Tab. 1). Die Fortziehenden von Ost nach West waren 2004 im Schnitt immerhin 1,8 Jahre jünger (25,3 Jahre) als in der umgekehrten Richtung (27,1 Jahre). In West-Ost-Richtung ziehen mehr erwerbsfähige Personen und weniger im Ausbildungsbzw. Studieralter. Folge dieses altersstrukturellen Austauschs ist ein zusätzlicher (geringer) Alterungseffekt für die ostdeutsche Bevölkerung (vgl. Kap. 3). Ein weiterer Unterschied betrifft die höheren Altersstufen, bei denen die Zuwanderung nach Ostdeutschland deutlich höhere Raten aufweist.

Tabelle 1

Medianalter der Binnenwanderung (nur Fortzüge, in Jahren)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Ost nach West – 200425,3 Jahre
West nach Ost – 200427,1 Jahre
innerhalb Westdeutschland – 200429,0 Jahre

Auch im Vergleich der beiden Zeitpunkte 2000 und 2004 erkennt man deutliche Unterschiede: Zum einen hat sich bei den Fortzügen von Ost nach West der Schwerpunkt in den vier Jahren stärker auf die jüngeren Altersgruppen verschoben. Im Jahr 2000 waren die Saldoraten der Bevölkerung ab 30 Jahre höher, die der Endzwanziger etwas niedriger. Umgekehrt zogen 2000 mehr Kinder unter zehn Jahren fort als vier Jahre später; die Familienabwanderung hat nachgelassen. Bei den Zuzügen kam es nur in den jüngeren Altersstufen zu einem deutlichen Anstieg, was zum großen Teil durch ein Studium bedingt sein dürfte.

Wie ist das Ost-West-Muster zu beurteilen? Zieht man für einen Vergleich das Muster der großräumigen Binnenwanderungen innerhalb Westdeutschlands für das Jahr 2004 heran (Abb. 1), kann man auch dann eine jüngere Struktur der Ost-Fortzüge feststellen. Das Medianalter betrug bei den inner-westdeutschen Wanderungen 29,0 Jahre, was eine beachtliche Differenz von 3,7 Jahren zu den Ost-West-Wanderungen (25,3 Jahre) ausmacht. Die West-Wanderungen sind offensichtlich stärker erwerbs- bzw. familienorientiert. Ab etwa dem Alter 30 übertreffen die inner-westdeutschen die Ost-West-Raten – unter diesem Alter ist das Verhältnis umgekehrt, wenn auch erst ab 20 Jahren wirklich deutlich. Festzuhalten ist, dass die Ost-WestFortzüge im Wesentlichen nur im Alter zwischen 20 und 30 Jahren überdurchschnittlich, ansonsten eher (unter)durchschnittlich ausfallen, zumindest verglichen mit den großräumigen Binnenwanderungen im Westen (vgl. Kap. 2.2). Mittlerweile wird diese über durchschnittliche Abwanderung Jugendlicher, die längerfristig die Entwicklungschancen vieler Regionen beeinträchtigen kann, auch von politischer Seite als große Herausforderung begriffen.

2.2 Zeitliche Entwicklung der Altersselektivität

Im Zeitverlauf betrachtet können einzelne Phasen der Altersselektivität abgegrenzt werden (Abb. 2).2 Nach einer starken ostdeutschen Abwanderung in allen Altersgruppen, einer Konsolidierung bis Mitte der 1990er Jahre und einem zeitweilig positiven Saldo bei den 25- bis 30-Jährigen (1994/95) vergrößerte sich das Wanderungsgefälle zum Westen, um nach 2001 wieder abzuflauen. Vor allem in der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen gab es starke Wanderungsverluste. Eine Ausnahme bildeten die ab 50-Jährigen, deren Wanderungsgefälle in den letzten Jahren stetig abflaute und bei den ab 65-Jährigen ab 1996 sogar positiv wurde. Seit 2001/02 ist ein Abflauen der Abwanderung in allen Altersgruppen zu beobachten, allerdings nicht bei den 18- bis 25-Jährigen. In der Summe der Jahre 1991 bis 2004 hatten nur die ab 65-Jährigen einen leicht positiven Saldo (gut 800 Personen). Auch die mittleren und älteren Altersgruppen verloren netto Einwohner an Westdeutschland, vor allem die 18- bis 25-Jährigen (-340 000) und unter 18-Jährigen (-215 000). Die Abwanderung nach Westen wurde also vor allem von jüngeren Altersgruppen realisiert3, während umgekehrt eher Personen höheren und mittleren Alters nach Ostdeutschland zogen. Zwischen 1991 und 2004 konzentrierte sich über die Hälfte des negativen Saldos von insgesamt -900 000 auf die 18- bis 30-Jährigen (-455 000), während auf die 50- bis 65-Jährigen ein Anteil von nur 3,7 % entfiel. Diese altersselektiven Austauschprozesse verstärkten insgesamt die Alterung in den neuen Ländern und schwächten sie im Westen leicht ab. Am problematischsten ist dies für Regionen, wo der Zuzug älterer Menschen zu einer „aktiven“ und der Fortzug jüngerer Einwohner und ihrer Kinder zu einer zusätzlichen „passiven“ Alterung führen (vgl. Kap. 3).

Abbildung 2

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Abbildung 2

Saldo der Ost-West-Wanderungen nach Altersgruppen – 1991bis 2004 (Saldoraten)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Eine feinere Analyse der altersstrukturellen Zusammensetzung und zeitlichen Entwicklung der Wanderungsströme zeigt aufschlussreiche Verschiebungen des Wanderungsverhaltens in der Altersstruktur (Abb. 3, 4). Damit werden letztendlich Verhaltensänderungen angedeutet, die sich in den Wanderungsmustern spiegeln.

Abbildung 3

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Abbildung 3

Altergruppenanteile an den Ost-West-Wanderungen – 1991bis 2004 (in %)

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Abbildung 4

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Abbildung 4

Altersgruppenanteile an den West-Ost-Wanderungen – 1991 bis 2004 (in %)

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Bei den Wanderungen in Richtung Westen (Abb. 3) fällt auf, dass früher der Anteil der Familien deutlich höher war (interpretiert anhand der 0- bis 18-Jährigen). Auf der anderen Seite ist der Anteil der 30- bis 50-Jährigen angestiegen; er wies über viele Jahre sogar den größten Anteil an den Fortzügen auf. Aufgrund der gegensätzlichen Entwicklung in den letzten Jahren dürften unter den 30- bis 50-Jährigen nun mehr ledige Erwachsene bzw. Erwachsene ohne Familie gewesen sein, die arbeitsbedingt wanderten. Auch diese Altersgruppe hat aber in den letzten Jahren prozentual abgenommen, ebenso wie die Älteren. Im Anteil deutlich zugenommen haben dagegen die Jüngeren zwischen 18 und 30 Jahren. 2004 entfielen über 35 % der Fortzüge auf diese Altersgruppe.

Deutlich wird im Vergleich der Abbildungen 3 und 4 der Gegensatz zwischen den „jungen“ Fortzügen in den Westen und den Zuzügen nach Ostdeutschland, die eher von mittleren und älteren Altersgruppen geprägt waren. Die Altersgruppen ab 30 macht 50 % der Ost-Zuzüge aus. Die jüngere Altersgruppe 18–25 hatte zu Beginn der 1990er Jahre einen noch größeren Anteil, der in den letzten zwei Jahren wieder auf gut ein Viertel anwuchs. Außerdem stieg zunächst der Anteil des Familienzuzugs deutlich an. Der Anteil der Älteren stagnierte in den letzten Jahren, nach einem Anstieg in den 1990er Jahren. Zu dieser Wanderungsgruppe gehören wohl teilweise auch ruhesitzorientierte Senioren und rückkehrende Ostdeutsche. Den größten Anteil an den Ost-Wanderungen halten jedoch Personen der Altersgruppe von 30–50 Jahren.

Um das Ausmaß der Wanderungsintensität abschätzen zu können, ist neben dem Saldo auch die Intensität der Fortzüge eine wichtige Variable. Wie Kapitel 2.1 zeigte, überwiegen beim Vergleich der beiden großräumigen Ströme zwischen dem Osten und Westen bzw. umgekehrt in allen Altersgruppen die Fortzüge aus dem Osten gegenüber den quantitativ wenig relevanten aus dem Westen. Verglichen mit den Binnenwanderungsraten innerhalb Westdeutschlands erwiesen sich dabei vor allem die unter 30-jährigen Ostdeutschen deutlich fortzugsbereiter.

Ein anderes Bild ergibt sich jedoch, vergleicht man die Fortzugsraten vor dem Hintergrund aller Binnenwanderungen in Deutschland über eine Kreisgrenze hinweg, wobei hier nur die 18- bis 30-Jährigen untersucht werden (Abb. 5; zu Vergleichszwecken sind zusätzlich die Ost-West-Fortzugsraten abgebildet): Im Vergleich mit den westdeutschen erweisen sich die ostdeutschen Fortzugsraten in dieser Altersgruppe als durchschnittlich. Im Osten zeigen dabei die etwas jüngeren 18- bis 25-Jährigen, im Westen umgekehrt die etwas älteren 25- bis 30-Jährigen eine leicht höhere Mobilität – in etwa verhält sich die Fortzugsbereitschaft bei den 18- bis 25-jährigen Westdeutschen und 25- bis 30-jährigen Ostdeutschen gleich. Insgesamt stiegen die Fortzugsraten zwischen 1998 und 2001 in Ost wie West deutlich an. Im Osten trug dazu zwar auch die vor allem in den letzten Jahren hohe Westwanderung 18- bis 25-Jähriger bei – die allerdings noch überboten wurde von den Binnenwanderungen 25- bis 30-Jähriger innerhalb Westdeutschlands mehr noch aber die inner-ostdeutsche, eher kleinräumige Mobilität. Insgesamt sind die ostdeutschen jungen Erwachsenen also nicht mobiler als ihre westdeutschen Altersgenossen, sondern lediglich bei einem Vergleich der Ost-West- bzw. West-Ost-Wanderungsströme.

Abbildung 5

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Abbildung 5

Binnenfortzugsraten in Ost- und Westdeutschland (über die Kreisgrenzen) – 18- bis 30-Jährige, 1991 bis 2004 (je 1 000 Ew.)

Quelle: BBR, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

2.3 Geschlechtsspezifische Altersselektivität

Neben dem zeitlichen Verlauf weisen die altersselektiven Ost-West-Wanderungen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede auf. 1991–2004 wanderten netto gut 364 000 Männer aus Ostdeutschland ab, im gleichen Zeitraum jedoch 536 000 Frauen (Tab. 2). In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen kommt dieses Missverhältnis noch drastischer zum Ausdruck, mit 123 000 Männern gegenüber 216 000 Frauen. Relativ betrachtet waren dies 384 Frauen je 1000 der Bevölkerung, die in diesem Zeitraum abgewandert sind (Männer: 193). Die überdurchschnittliche Abwanderung der Frauen betraf in erster Linie diese Altersstufe, auch wenn in den übrigen ebenfalls Frauen netto stärker abwanderten. Genauer kommt dies in Abbildung 6 zum Ausdruck: Das Maximum der weiblichen Abwanderung lag 2004 eindeutig beim Alter 20. Vor allem zwischen 17 und 20 Jahren ist die Abwanderung der Frauen erheblich größer als bei den Männern.

Tabelle 2

Wanderungssaldo zwischen Ost- und Westdeutschland nach Altersgruppen und Geschlecht – 1991 bis 2004 (in 1 000)

Quelle : Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

WeiblichMännlichGesamt
bis 18 Jahre-110,4-104,6-215,0
18–25 Jahre-216,2-123,4-339,7
25–30 Jahre-60,1-55,1-115,2
30–50 Jahre-123,2-74,0-197,2
50–65 Jahre-25,1-8,4-33,4
65 Jahre und älter-1,01,80,8
Gesamt-536,0-363,6-899,6

Abbildung 6

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Abbildung 6

Saldo der Ost-West-Abwanderung nach Geschlecht und Einzelalter – 2004 (je 1 000 Ew.)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Gründe für die doppelt so hohe Abwanderung jüngerer Frauen werden im vergleichsweise hohen weiblichen Ausbildungs- und Erwerbstätigenniveau und in den dennoch mangelnden Beschäftigungsperspektiven für ostdeutsche Frauen gesehen. Diese haben offensichtlich eine höhere Mobilitätsbereitschaft als die ostdeutschen Männer: zudem ziehen sie deutlich früher aus dem Elternhaus aus und schließlich wird auch der „mismatch“ auf dem Heirats-/Partnermarkt vor Ort als Ursache genannt.

Die Auswirkungen dieser geschlechtsspezifisch ungleichen Abwanderung sind gravierend. Mögen sie quantitativ noch nicht sehr bedeutend sein, demographisch wirken sie zweifach: durch den Wegzug junger Menschen, zugleich aber auch potenzieller Mütter/Kinder. In Bezug auf die demographischen Folgewirkungen ist es entscheidend, in welchen Altersstufen gewandert wird, weniger, in welcher Größenordnung. Folge ist ein Männerüberschuss vor allem bei jüngeren Jahrgängen, der sich auf ländlich periphere Räume und strukturschwache Gebiete konzentriert.

Ein anderer Grund für die stärkere weibliche Abwanderung insgesamt liegt im Verlauf der Wanderungsströme: So sieht man im Vergleich der Sexualproportion nach Altersgruppen (Abb. 7, 8), dass die Fortzüge nach Westen zwischen 18 und 25 Jahren zwar weiblich dominiert sind („Frauenüberschuss“: Werte unter 100). Umgekehrt aber liegt das Verhältnis bei den Altersgruppen zwischen 25 und 50 zugunsten der Männer. Zudem hat sich der Frauenüberschuss bei den Fortzügen nach Westen in den letzten Jahren verringert oder stagnierte zumindest. Bei den Zuzügen von West nach Ost waren die Wanderungen vor allem in den Anfangsjahren stark männlich dominiert. Dies hat zwar stetig abgenommen, aber auch 2004 lag die Relation zwischen 25 und 65 Jahren deutlich zugunsten der Männer (Werte über 100). Insbesondere Anfang der 1990er Jahre sind also sehr wenige Frauen nach Ostdeutschland gezogen und im Gegenzug überdurchschnittlich viele Jüngere abgewandert5.

Abbildung 7

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Abbildung 7

Sexualproportion der Ost-West-Wanderungen – 1991 bis 2004 (Männer je 100 Frauen)

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Abbildung 8

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Abbildung 8

Sexualproportion der West-Ost-Wanderungen – 1991 bis 2004 (Männer je 100 Frauen)

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

2.4 Regionale Altersselektivität

Regionale Altersstrukturtypen der Abwanderung

Neben der zeitlichen und geschlechtsspezifischen Selektivität trat die Altersselektivität auch räumlich differenziert auf.6 Der altersselektive Verlauf der OstWest-Wanderungen wies zwar räumliche Übereinstim-mungen auf, dennoch lassen sich regionale Unterschiede ausmachen. Grundsätzlich ist die Abwanderung immer im regionalen Kontext zu sehen: Es gibt räumliche Muster der Verlierer und Gewinner, oft nahe beieinander. Persistente selektive Abwanderungsmuster existierten dabei bereits zu DDR-Zeiten, vor allem im ländlichen Raum.

Insgesamt wanderte vor allem die jüngere Bevölkerung großflächig ab. Es gab aber auch hier zeitweilig Zuwanderungsregionen wie etwa Universitätsstädte. Der Saldo variierte regional am stärksten bei den 18- bis 25-Jährigen.7 Zuwanderungsgewinne gab es ebenfalls bei der älteren Bevölkerung ab Mitte der 1990er Jahre, vor allem im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns. Hierunter fielen Ruhesitzwanderer oder Rückwanderer; aber auch die günstige Baulandausweisung in den grenznahen Gemeinden zu Hamburg/Schleswig-Holstein spielte wohl eine Rolle (Dinkel, 2004: S. 195). Der Anteil der Westwanderungen an allen Fortzügen betrug 2004 37 % und hatte seine höchsten Werte in ländlichen Kreisen. Der Anteil variiert altersspezifisch und weist die höchsten Werte (über 40 %) bei den 18- bis 30-Jährigen auf. Er ist nicht zuletzt ein aussagekräftiger Indikator für die Attraktivität und Ausstattung einer Region. Im Zeitverlauf hat er allerdings im Wert abgenommen: 1991 betrug er noch zwischen 55 % und 65 % aller Fortzüge. In den letzten Jahren hat er sich auf einem niedrigeren Niveau eingependelt; das ostdeutsche Wanderungsgeschehen hat sich damit stärker diversifiziert.

Mittels einer Clusteranalyse wurden Altersstrukturtypen der Ost-West-Wanderungen gebildet, um die regional differenzierten altersselektiven Strukturen der Abwanderung zu gruppieren (Karte 1). Die Cluster deuten auf regionale Milieus und Standortqualitäten hin, die die Wanderungen beeinflussen.

Karte 1

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Karte 1

Altersstrukturtypen der Abwanderung aus Ostdeutschland – 2002 bis 2004

Ouele: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung; egene Berechnungen Kartographie: Ralf Mai 2005

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Cluster 1 und 2 zeigen Abwanderungen in jeder Altersstufe, besonders aber bei den 18- bis 25-Jährigen, und umfassen vorrangig altindustrialisierte Gebiete (etwa in Sachsen-Anhalt), peripher gelegene ländliche Räume im Norden oder strukturschwache Mittelstädte (Frankfurt/Oder, Cottbus, Hoyerswerda). Die 18- bis 25-Jährigen müssen in beiden Clustern die (relativ) stärkste Abwanderung hinnehmen – wie auch bei den übrigen drei Clustern. Cluster 1 umfasst die Kreise mit der stärksten Abwanderung der 18- bis 25-Jährigen überhaupt. Diese Mittelstädte weisen deshalb ausgeprägte Schrumpfungs- und Alterungstendenzen auf. Hier übt die Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation einen starken Druck auf die Abwanderungsbereits’chaft der jüngeren Bevölkerung aus. Auch bei den Altersgruppen im Familienalter ist die Abwanderung in Cluster 1 am stärksten. Sowohl auf dem Arbeits- als auch dem Wohnungsmarkt wird auf die Bedürfnisse von Familien hier weniger eingegangen. Cluster 2 hat im Mittel eine etwas geringere Abwanderung, jedoch mit demselben altersstrukturellen Muster. Sowohl bei den jüngeren als auch den 30- bis 50- und unter 18-Jährigen zeichnen sich solche strukturschwachen Kreise etwa in SachsenAnhalt durch eine überdurchschnittliche Abwanderung aus. Cluster 1 und 2 umfassen damit diejenigen Regionen, die überdurchschnittlich zur ostdeutschen Schrumpfung beitragen.

Cluster 3 ist der gegensätzlichste Wanderungstyp mit einer sehr hohen Abwanderung jüngerer Bevölkerung zwischen 18 und 30 Jahren, einer geringen Abwanderung von Familien bzw. 30- bis 50-Jährigen und einer leichten Zuwanderung von Personen ab 50 Jahren. Diese Kreise finden sich in Mecklenburg-Vorpommern. In diesen peripher-ländlichen Regionen ist die Abwanderung der Jugendlichen am stärksten. Im Zeitraum 2002–2004 betrug das größte Wanderungsgefälle -53 je 1 000 Einwohner (Parchim), in Uecker-Randow waren es -50 je 1 000 Einwohner.

Cluster 4 und 5 haben schließlich ein gemäßigtes Abwanderungsmuster. Auch aus Cluster 4 wandern hauptsächlich jüngere Menschen ab, allerdings liegt das Abwanderungsniveau deutlich unter dem der oben beschriebenen Regionen. Insgesamt sind hier Kreise mit gemäßigter Abwanderung, junger Altersstruktur, aber unterdurchschnittlicher ökonomischer Entwicklung zusammengefasst. Dazu zählen oft grenznahe bzw. verstädterte Räume, die eher als Wohnstandort denn als Arbeitsort attraktiv sind. Auch in dieser Gruppe befinden sich Kreise mit einem positiven Saldo bei der älteren Bevölkerung. Die Abwanderung älterer Personen konzentriert sich dagegen hauptsächlich auf Cluster 1 und 2, Großstädte oder strukturschwache Regionen mit einer ungünstigen Ausstattung.

Cluster 5 umfasst die Kreise mit der geringsten Abwanderung in allen Altersgruppen. Dazu gehören Regionen, die spezifische Standortvorteile – sei es als Wohn- oder Wirtschafts- und Bildungsstandort – entwickelt haben und eine überdurchschnittliche sozioökonomische Entwicklung aufweisen. Während die verdichteten Kreise im Umland größerer Städte wichtige Wohnstandorte sind, können die Oberzentren eher mit ihren sozioökonomischen Vorteilen Einwohner am Ort halten oder gar neue gewinnen. Solche „Stabi-litätsinseln“ wie Leipzig, Dresden oder Potsdam können ihre Abwanderung nach Westdeutschland sogar teilweise kompensieren – allerdings meist auf Kosten des Umlands, aus dem Bevölkerung abwandert (Herfert 2002, S. 334). Universitätsstädte wie Weimar und Jena schließlich verbuchen bei der jüngeren Bevölkerung leichte Zuwanderung mit 1,0 bzw. 5,7 Personen je 1000 Einwohner. Auch bei den Altersgruppen im Familienalter ist die Abwanderung unterdurchschnittlich. In diesen oft suburbanen Kreisen verfügen Familien eher über Wohneigentum und eine längerfristige Lebensperspektive, die sie stärker am Ort hält.

Nicht nur die Muster, sondern auch die regionale Spannweite der Abwanderung zeigt bei einer räumlichen Analyse interessante Ergebnisse. Die regionale Streuung der altersselektiven Abwanderung8 zeigt im Zeitverlauf eine Tendenz zur Konvergenz der Altersgruppen (Abb. 9). 1991 lagen die Koeffizienten noch relativ weit auseinander, mit der größten Streuung bei den ab 65-Jährigen und der niedrigsten bei den 18- bis 25-Jährigen. 2004 hat sich das Bild gewandelt, die altersspezifischen Streuungen liegen nahe beieinander. Die 18- bis 25- und unter 18-Jährigen weisen generell relativ niedrige Streuungswerte auf. Die ansteigende regionale Streuung bei den Jüngeren könnte ein Hinweis auf steigende ökonomische Disparitäten sein, wenn man davon ausgeht, dass solche Wanderungsmotive in dieser Altersgruppe vorherrschend sind. Die altersspezifische Konvergenz insgesamt könnte dagegen darauf hindeuten, dass die altersspezifische Bewertung der regionalen Lebensbedingungen als Wanderungsdeterminante im Verlauf der Jahre an Bedeutung verlor – mit anderen Worten, dass die wanderungsentscheidenden Aspekte von den Altersgruppen mit den Jahren ähnlicher beurteilt wurden.

Abbildung 9

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Abbildung 9

Streuung der Fortzugsraten nach Altersgruppen – 1991 bis 2004 (Fortzüge in den ostdeutschen Kreisen nach Westdeutschland)

Quelle: BBR, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Altersstrukturelle Phasen der Abwanderung

Wie stellt sich die räumliche Differenzierung der Altersselektivität im Zeitverlauf dar? Um dies darzustellen, wurden die altersselektiven Wanderungen in vier Phasen eingeteilt (Tab. 3). Die zeitlichen Abgrenzungen folgen Kapitel 2.2; die ostdeutschen Abwanderungsregionen wurden zudem zu drei siedlungsstrukturellen Gebietskategorien aggregiert: Agglomerationen/Kernstädte, verstädterte Räume und ländliche Räume9.

Tabelle 3

Phasen der altersselektiven Ost-West-Wanderungen nach Regionstypen (Saldo je 1 000 Ew., Durchschnitt der Jahre)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung; eigene Berechnungen

1991–19931994–19971998–20012002–2004
Agglomerationenunter 18 Jahre-9,3-2,7-4,4-3,3
18–25 Jahre-22,9-5,6-17,1-16,8
25–30 Jahre-7,22,4-9,7-11,5
30–50 Jahre-3,90,4-3,2-3,1
50–65 Jahre-2,0-0,5-0,3-0,1
65 Jahre u.ä.-1,6-0,40,60,5

Verstädterte Räumeunter 18 Jahre-10,3-4,0-6,1-4,4
18–25 Jahre-27,1-11,6-25,0-23,0
25–30 Jahre-9,0-1,7-14,6-18,8
30–50 Jahre-5,2-1,2-4,9-4,3
50–65 Jahre-2,3-0,8-0,8-0,5
65 Jahre u.ä.-1,2-0,10,30,3

Ländliche Räumeunter 18 Jahre-9,4-4,0-6,0-4,8
18–25 Jahre-25,6-17,0-31,9-33,4
25–30 Jahre-7,2-3,9-17,2-24,5
30–50 Jahre-4,5-1,7-4,4-4,1
50–65 Jahre-1,8-0,4-0,5-0,1
65 Jahre u.ä.-0,90,30,70,6

Die erste Phase (1991 – 1993) war in allen Altersgruppen von einem großen Wanderungsgefälle zum Westen geprägt. Insbesondere aus verstädterten und ländlichen ostdeutschen Kreisen wanderten jüngere Menschen ab. Hierin spiegelt sich die mangelnde Befriedigung des Anspruchsniveaus dieser Altersgruppen wider. Familien und ältere Altersgruppen wanderten am meisten aus verstädterten Regionen nach Westdeutschland.

Auch die beiden anderen Gebietskategorien haben negative Saldoraten bei der mittleren und älteren Bevölkerung. Das gegensätzliche Muster verweist auf die unterschiedliche Wanderungsmotivation: Jüngere Bevölkerungsteile ziehen eher aus ländlichen Gebieten fort als Familien, die dort eventuell noch einen bevorzugten Wohnstandort haben und zunächst Pendeln als Möglichkeit ansehen.

In Phase 2 (1994–1997) verringerten sich die Wanderungsgefälle vor allem in verstädterten und ländlichen Kreisen merklich und waren beinahe ausgeglichen. In bestimmten Altersgruppen und Jahren konnte sogar Zuwanderung verbucht werden. Die unterschiedliche räumliche Struktur der altersselektiven Wanderungen äußerte sich wie in der ersten Phase darin, dass jüngere Bevölkerung vor allem aus ländlichen und verstädterten Kreisen, die ältere am ehesten noch aus den Kernstädten fortzog – bei den verstädterten/ländlichen Kreisen war ihr Saldo fast ausgeglichen, während dies bei den jüngeren/mittleren Altersstufen für die Kernstädte zutraf. Bei den mittleren Altersgruppen konzentrierten sich die Fortzüge aus dem Osten neben den Kernstädten auf den ländlichen Raum.

1998 bis 2001 (Phase 3) war wieder – altersspezifisch differenziert – ein Anwachsen des Wanderungsgefälles zu beobachten. Der Saldo der älteren Bevölkerung war zwar leicht positiv und ihr Anteil an den Zuzügen nach Ostdeutschland erhöhte sich, jedoch verzeichneten die anderen Wanderungsgruppen erneut ansteigende Wanderungsgefälle. Die Muster glichen sich in Bezug auf das Niveau und die siedlungsstrukturellen Muster der ersten Phase an: Jugendliche zogen eher aus ländlichen Kreisen, Familien eher aus verstädterten Regionen fort. Bei den 18- bis 30-Jährigen in ländlichen Kreisen wurden die Werte der ersten Phase sogar übertroffen. Der Westanteil an den Fortzügen stieg ebenfalls wieder an, nachdem er zur Mitte der 1990er Jahre gesunken war.

Seit der vierten Phase ab 2002 scheint sich die Abwanderung in einigen Altersstufen eingependelt zu haben: Die älteren Jahrgänge haben per Saldo in allen drei Kategorien Wanderungsgewinne, die Familien und mittleren Altersgruppen wandern am stärksten aus dem verstädterten Raum ab, wobei die Raten bei den 30- bis 50-Jährigen gleich geblieben und bei den Familien sogar leicht gesunken sind. Nur die jüngere Bevölkerung weist eine noch stärkere Abwanderung gegenüber der dritten Phase auf – allerdings weitestgehend konzentriert auf den ländlichen Raum. In den beiden anderen Raumkategorien haben sich die Saldoraten wenig verändert. Der ländliche Raum muss ein ansteigendes Wanderungsgefälle bei der Abwanderung der 18- bis 30-Jährigen hinnehmen. Die Agglomerationen haben nun insgesamt die geringsten Wanderungsverluste.

3 Demographische Effekte der altersselektiven Abwanderung

In der Demographie ist es eine gängige Methode, mittels Modellrechnungen Effekte von Parameterveränderungen zu simulieren und so die Fragen „was wäre wenn“ oder „was wäre gewesen“ zu beantworten. Dabei ist es nicht nur möglich, in die Zukunft zu blicken, sondern auch, den Blick zurück zu richten und eine Ex-post-Projektion durchzuführen. Ein Beispiel hierfür ist die „Dekomposition“ der Bevölkerungsentwicklung, also die Quantifizierung der einzelnen demographischen Effekte unter Kontrahierung der übrigen Parameter (Dinkel/Meinl 1991, S. 120; Luy 2002, S. 27). Die Methode folgt der Logik, dass die beobachteten Veränderungen in Verlauf und Struktur ausschließlich auf die Variation des interessierenden Parameters zurückgehen müssen, wenn außer dem relevanten alle anderen Parameter konstant gehalten werden. Auf diese Weise kann der Einfluss dieser Variable isoliert und quantifiziert werden.

Im Folgenden wird eine solche Berechnung für die ostdeutschen Länder durchgeführt und der Einfluss der Binnenwanderung auf die Altersstruktur abgeschätzt.10 Es wurde keine Projektion in die Zukunft durchgeführt, sondern der vergangene Verlauf herangezogen. Aus den real aufgetretenen Fällen der Prozesse Mortalität, Fertilität und Außenwanderung zwischen 1991 und 2004 wurden für jedes Jahr altersspezifische Übergangswahrscheinlichkeiten abgeleitet und in das Modell aufgenommen (die absoluten Zahlen konnten nicht verwendet werden, da die Modellbevölkerung schon ab dem zweiten Jahr von der realen abweicht).11 Ausgangspunkt ist die nach Alter und Geschlecht gegliederte Bevölkerung zum 31.12.1990. Mit einem sog. Kohorten-Komponenten-Modell, das für jedes Projektionsjahr die Bevölkerung mittels der Übergangswahrscheinlichkeiten nach Einzeljahren fortschreibt, wurde Jahr für Jahr die Modellbevölkerung unter Ausschluss der Binnenwanderungen ermittelt. Da die tatsächlich beobachteten generativen Verhältnisse (Fertilität und Mortalität) und die Außenwanderung der gleichen (realen) Datenbasis entstammen, ist die Differenz zwischen tatsächlicher und Modellbevölkerung auf die Binnenwanderung zurückführbar. Die einseitige Struktur der ostdeutschen Binnenwanderung mit dem Schwerpunkt auf jüngeren Altersgruppen und Frauen lässt deutliche Effekte auf die ostdeutsche Bevölkerungsdynamik erwarten.12 Dieser Binnenwanderungseffekt umfasst dabei nicht nur diejenigen Personen, die (ab) gewandert sind, sondern auch altersstrukturelle Effekte auf die demographischen Komponenten. Er ist also nicht identisch mit einer bloßen Aufaddierung der ostdeutschen Binnenwanderungssalden.

Das Modell kann gleichwohl keinen Anspruch auf absoluten Wahrheitsgehalt bieten; die Ergebnisse sollten eher in der Tendenz interpretiert werden. Allerdings dürften mögliche Fehler bei den hier verwendeten, stark aggregierten Maßen einen geringen Ausschlag geben. Zu beachten ist außerdem, dass in dem Modell sämtliche Binnenwanderungen enthalten sind, also auch die inner-ostdeutschen über die Ländergrenzen hinweg. Dieser Umstand sollte bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden. Auf der anderen Seite haben die großräumigen Binnenwanderungen innerhalb Ostdeutschlands gegenüber den Ost-WestWanderungen ein geringes Gewicht. 75 % bis 80 % aller Binnenfortzüge über die Ländergrenzen gehen nach Westdeutschland, sieht man von den Wanderungen zwischen Berlin und Brandenburg ab.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die projizierten Altersstrukturen der fünf neuen Länder deutlich von den fortgeschriebenen der amtlichen Statistik unterscheiden (Abb. 10). In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich ein grundsätzlich ähnliches Muster: Die Bevölkerung wäre ohne Binnenwanderungen in den jüngeren Altersstufen vor allem bis zum Alter 40 deutlich stärker besetzt, wobei die Abwanderung bei den Frauen stärker zu Buche schlug. Vor allem die Altersgruppen zwischen 18 und 30 Jahren sind schmäler besetzt. Deutlich werden aber auch die durch Binnenabwanderung im Bestand kleineren jungen Jahrgänge (0 bis 10 Jahre). Diese Differenz ergibt sich sowohl aus der Zahl der abgewanderten Kinder als auch der der abgewanderten Mütter mit ihren „zukünftigen“ Kindern. Die Unterschiede in den höheren Altersstufen fallen dagegen eher gering aus, hier ist die Abwanderung quantitativ kaum bedeutsam. Mecklenburg-Vorpommern ist das Land mit der insgesamt stärksten Abwanderung und verzeichnete eindeutig die stärksten Schrumpfungstendenzen (durchweg in allen Altersstufen). Besonders auffällig ist dies in den jüngeren Altersgruppen zwischen 20 und 35 Jahren. Aber auch in den übrigen Altersgruppen finden sich in diesem Bundesland die stärksten Rückgänge durch Abwanderung. Sachsen-Anhalt, wo ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern vor allem die jüngeren Frauenjahrgänge im Bestand abnahmen, folgt dicht dahinter. Thüringen und Sachsen zeigen geringere Binnenabwanderungen in den jüngeren Altersgruppen, wobei in Thüringen der überdurchschnittliche Rückgang bei den Frauen größer ist als in Sachsen.

Abbildung 10

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Abbildung 10

Altersaufbau der tatsächlichen und projizierten Modellbevölkerung der ostdeutschen Länder (31.12.2004)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Citation: Raumforschung und Raumordnung 64, 5; 10.1007/BF03184531

Brandenburg dagegen hat ein anderes Muster: Deutlich lässt sich am Altersaufbau ablesen, dass ähnlich wie in den übrigen Ländern vor allem Bevölkerung zwischen 20 und 35 Jahren netto abwandert. Im Gegenzug ist die brandenburgische Bevölkerung jedoch angewachsen, und zwar in den „Familienaltersstufen“ zwischen 35 und 50 Jahren – vor allem eine Folge der Suburbanisierung aus Berlin. Da oft Familien mit Kindern ins Umland ziehen, sind die Altersstufen zwischen etwa 10 und 15 Jahren ebenfalls leicht angewachsen – trotz gegenläufiger altersstruktureller Effekte (Reduzierung der Mütterjahrgänge). In den projizierten Altersaufbauten lassen sich damit die oben beschriebenen Migrationsmuster und ihre altersselektive Wirkung sehr anschaulich nachvollziehen.

Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse mit den Auswirkungen der Binnenwanderungen auf die Alterung. Das Medianalter erhöhte sich in den 14 Jahren in allen Ländern deutlich, während bei der Modellbevölkerung der Anstieg um immerhin 1,3 bis 2,4 Jahre geringer war. Am interessantesten ist die letzte Spalte, die angibt, mit welchem Anteil die Binnenabwanderung zur Alterung zwischen 1991 und 2004 insgesamt beitrug. Zwischen 20,3 % und 27,3 % des Anstiegs des Medianalters geht nach diesen Modellrechnungen auf das Konto der Binnenwanderungen. Mit anderen Worten: Knapp ein Viertel der ostdeutschen Alterung seit der Wiedervereinigung wurde von den Binnenwanderungen verursacht. Ihr Anteil an der Alterung lag am höchsten in Mecklenburg-Vorpommern mit 27,3 %, dicht gefolgt von Sachsen-Anhalt (27,1 %), und am niedrigsten in Sachsen und Brandenburg mit 22,4 % bzw. Thüringen mit 20,3 %. Die ostdeutsche Alterung wurde also durch die Abwanderung größtenteils jüngerer Bevölkerung nach Westdeutschland deutlich verschärft. Innerhalb Ostdeutschlands kam es zwar zu leichten Verlagerungen durch Binnenwanderungen zugunsten von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, deren Abwanderungsverluste und Alterung damit aber nur in geringem Maße gemildert werden konnten.

Tabelle 4

Medianalter der realen und der Modellbevölkerung sowie der Binnenwanderungseffekt in den ostdeutschen Ländern, 1991 und 2004 (in Jahren)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Medianaher in JahrenAnteil der Binnenwanderungen an AIterung in %
Tatsäc BevölkerungModellbevölkerung 2004Differenz 2004 (Modellbevölk. tatsächlich)
19912004
Brandenburg35,943,541,8-1,722,4
Mecklenburg-Vorpommern34,543,340,9-2,427,3
Sachsen38,844,643,3-1,322,4
Thüringen37,043,942,5-1,420,3
Sachsen-Anhalt37,644,642,7-1,927,1

4 Fazit

Die Abwanderung aus Ostdeutschland weist seit der Wiedervereinigung eine zeitlich, geschlechtsspezifisch und räumlich unterschiedliche Selektivität auf. Die Abwanderung konzentrierte sich mit den Jahren immer stärker auf die jüngeren Altersgruppen, deren Fortzugsbereitschaft aber insgesamt nicht höher ist als bei den westdeutschen Jugendlichen. Das Durchschnittsalter der Fortzüge liegt um 1,8 Jahre unter dem der Zuzüge aus Westen und sogar um 3,7 Jahre niedriger als bei den Wanderungen innerhalb Westdeutschlands. Das unterschiedliche Muster lässt Differenzen bei der Motivationsstruktur der jeweiligen Wanderungsströme vermuten. Die zeitliche Entwicklung der altersstrukturellen Wanderungen kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden, die die Schwerpunkte der Altersgruppen bei den Wanderungsströmen abbilden. Die Selektivität differierte zudem geschlechtsspezifisch; in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen wanderten etwa doppelt so viele Frauen ab. Auch regional gibt es ausgeprägte Strukturen, wobei die Abwanderung regional sehr unterschiedlich ausfallen kann. Typisiert nach der Altersstruktur und zeitlich-siedlungsstrukturellen Phasen ergeben sich aufschlussreiche Muster; die Abwanderung konzentriert sich vor allem auf die jüngere Bevölkerung aus dem ländlichen Raum. Ob sich mit den letzten Jahren ein längerfristiges Wanderungsmuster herauskristallisiert hat, bleibt offen. Durch die unterschiedlichen Alterszusammensetzungen der Zu- und Fortzüge kommt es jedenfalls zu Austauschprozessen und einer Verschärfung der Alterung. Modellrechnungen ergaben, dass die Binnenwanderungen eine große Bedeutung für die demographische Alterung der ostdeutschen Bevölkerung haben. Je nach Land gingen 20,3 % bis 27,3 % des Anstiegs der Alterung auf die Binnenabwanderung zurück.

Neben diesen eher negativen Befunden sollte im Auge behalten werden, dass Binnenwanderungen an sich normale Vorgänge sind – selbst in der ehemaligen DDR gab es Wanderungsverflechtungen zwischen den Bezirken. Mobilität wird zudem für eine moderne und flexible Arbeitswelt eingefordert. Angesichts des drastischen Geburtendefizits wird es ohnehin zu einer ungleicheren räumlichen Verteilung der ostdeutschen Bevölkerung kommen und damit zu einem stärkeren „Wettbewerb um Köpfe“. Sicherlich wird es dabei nicht nur Gewinner unter den Regionen geben können, und der Braindrain wird sich nur teilweise in einen Braingain umwandeln. Absehbar ist aber auch, dass sich allein demographisch das Abwanderungspotenzial Ostdeutschlands in den kommenden Jahren verringern wird und die Binnenwanderungen daher abflauen könnten – vor allem, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er Jahre in das Ausbildungsalter kommen. Auf der anderen Seite ist dieser sich selbst verstärkende Prozess bedenklich: Wenn in rund zehn Jahren diese Jahrgänge des Geburtenrückgangs, verstärkt durch Abwanderung, in die reproduktiven Altersstufen kommen, werden die Schrumpfungstendenzen noch stärker zutage treten – umso mehr ein Grund, zukünftig nicht nur die Abwanderung anzugehen, sondern sich auch um mehr Zuwanderer aus anderen Regionen zu bemühen.

Literatur

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4

Footnotes

1

Aufgrund der seit 2001 erfolgten statistischen Zusammenlegung von Ost- und West-Berlin wurde Berlin ab 1991 aus der Analyse ausgeschlossen, da die Wanderungen mit Brandenburg die Ost-West-Bewegungen erheblich verfälschen. Ohne Berlin beläuft sich der Ost-West-Saldo 1991–2004 auf 900 000, während er unter Herausrechnung der Wanderungen Berlin-Brandenburg-940 000 betragen würde.

zwischen den Ländern (Fortzüge über die Ländergrenzen)

2

Im Folgenden analysiert mit zusammengefassten Altersgruppen. Diese sind zwar stark aggregiert, bilden die Wanderungsmotive dennoch anschaulich ab: die 18-bis 25- und 25- bis 30-Jährigen; die 30- bis 50-Jährigen mit den unter 18-Jährigen, die meist als Kinder mitwandern; die 50- bis 65- und ab 65-Jährigen.

3

Dies wurde durch Zuzüge aus dem Ausland etwas ausgeglichen, allerdings waren diese Wanderungsgewinne in den Altersstufen deutlich geringer als die Verluste.

5

Allerdings lag das Niveau der West-Ost-Fortzüge deutlich unter den Ost-West-Fortzügen.

6

Regionale Analyseebene sind im Folgenden die Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland.

7

Zwischen -52,8 und +5,7 Personen je 1 000 Einwohner (Durchschnitt der Jahre 2002–2004)

8

Gemessen anhand der Variationskoeffizienten der Fortzugsraten in den Kreisen

9

Analog zur Systematik des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR 2004)

10

Eine ausführlichere Fassung dieser Modellrechnungen (unter Einbeziehung aller 16 Bundesländer) befindet sich im Druck (Mai/Scharein 2006). An dieser Stelle sei Herrn Dr. Scharein für die Mitarbeit herzlich gedankt!

11

Datengrundlage: Statistische Landesämter, Statistisches Bundesamt

12

„Für die langfristige Bevölkerungsdynamik sind alleine Frauen relevant, die vor oder während des reproduktiven Lebensabschnittes in einer Bevölkerung leben“ (Dinkel 1990, S. 50). Ein Zuzug älterer Migranten ist längerfristig für die demographische Dynamik kaum bedeutend.

4

Bei den west- wie auch ostdeutschen Binnenwanderungen ist der Großteil kleinräumig, z. B. von der Stadt ins Umland.

Bogue, Donald J.; Hagood, Margaret J.: Differentielle Wanderung im Corn Belt und Cotton Belt. In: Regionale Mobilität. Hrsg.: Szé-11, Gyorgy. – München 1972, S. 176–212

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    Wanderungen zwischen Ost- und Westdeutschland und Fortzüge innerhalb Westdeutschlands nach Einzelalter – 2000 und 2004 (Saldo, Wanderungen über die Ländergrenzen)

    Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Saldo der Ost-West-Wanderungen nach Altersgruppen – 1991bis 2004 (Saldoraten)

    Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Altergruppenanteile an den Ost-West-Wanderungen – 1991bis 2004 (in %)

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    Altersgruppenanteile an den West-Ost-Wanderungen – 1991 bis 2004 (in %)

    Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Binnenfortzugsraten in Ost- und Westdeutschland (über die Kreisgrenzen) – 18- bis 30-Jährige, 1991 bis 2004 (je 1 000 Ew.)

    Quelle: BBR, eigene Berechnungen

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    Saldo der Ost-West-Abwanderung nach Geschlecht und Einzelalter – 2004 (je 1 000 Ew.)

    Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Sexualproportion der Ost-West-Wanderungen – 1991 bis 2004 (Männer je 100 Frauen)

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    Sexualproportion der West-Ost-Wanderungen – 1991 bis 2004 (Männer je 100 Frauen)

    Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Altersstrukturtypen der Abwanderung aus Ostdeutschland – 2002 bis 2004

    Ouele: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung; egene Berechnungen Kartographie: Ralf Mai 2005

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    Streuung der Fortzugsraten nach Altersgruppen – 1991 bis 2004 (Fortzüge in den ostdeutschen Kreisen nach Westdeutschland)

    Quelle: BBR, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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    Altersaufbau der tatsächlichen und projizierten Modellbevölkerung der ostdeutschen Länder (31.12.2004)

    Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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