Green Care: Machbarkeitsstudie zur Tagesbetreuung für SeniorInnen am Bauernhof / Green Care: Feasibility study of day care for elderly people on farms

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Zusammenfassung

Entwicklungen wie der Rückgang land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sowie der demografische Wandel stellen die österreichische Landwirtschaft sowie das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen in der Zukunft. Ein möglicher unterstützender Lösungsansatz für die strukturellen und finanziellen Herausforderungen der landwirtschaftlichen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen bietet das Modell Green Care Tagesbetreuung für SeniorInnen. Die Green Care Tagesbetreuung auf landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht vor allem Bäuerinnen mit einer sozialen Grundausbildung den Schritt in die Selbstständigkeit. Um die Umsetzbarkeit von niederländischen Referenzprojekten in Österreich überprüfen zu können, wurden im Rahmen einer empirischen Erhebung Experteninterviews in Österreich sowie in den Niederlanden durchgeführt. Es zeigt sich, dass Green Care Tagesbetreuung für einzelne land- und forstwirtschaftliche Betriebe eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Betriebsausrichtung darstellen kann, wenn hierfür ein entsprechender Rahmen gegeben ist.

Zusammenfassung

Entwicklungen wie der Rückgang land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sowie der demografische Wandel stellen die österreichische Landwirtschaft sowie das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen in der Zukunft. Ein möglicher unterstützender Lösungsansatz für die strukturellen und finanziellen Herausforderungen der landwirtschaftlichen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen bietet das Modell Green Care Tagesbetreuung für SeniorInnen. Die Green Care Tagesbetreuung auf landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht vor allem Bäuerinnen mit einer sozialen Grundausbildung den Schritt in die Selbstständigkeit. Um die Umsetzbarkeit von niederländischen Referenzprojekten in Österreich überprüfen zu können, wurden im Rahmen einer empirischen Erhebung Experteninterviews in Österreich sowie in den Niederlanden durchgeführt. Es zeigt sich, dass Green Care Tagesbetreuung für einzelne land- und forstwirtschaftliche Betriebe eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Betriebsausrichtung darstellen kann, wenn hierfür ein entsprechender Rahmen gegeben ist.

1 Einleitung

Entwicklungen wie der Rückgang land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, der demografische Wandel aber auch die Abwanderung aus ländlichen Gebieten stellen die österreichische Land- und Forstwirtschaft sowie das Gesundheits- und Sozialsystem vor enorme Herausforderungen in der Zukunft (BMLFUW, 2013; Larcher et al.,2014; Statistik Austria, 2014). Die schwierige wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe zwingt die LandwirtInnen sich nach zusätzlichen bzw. alternativen Einkommensquellen umzusehen. Durch die Entwicklung hin zu einer dienstleistungsorientierten Landwirtschaft (Dessein und Bock, 2010) verändert sich gleichzeitig auch das Bild, welches die Gesellschaft von der Landwirtschaft hat. Um die Landwirtschaft auch in Zukunft attraktiv zu gestalten sowie für kommende Generationen als erstrebenswert zu positionieren, gilt es demnach innovative und ökonomisch nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln. Vor allem für kleinstrukturierte Betriebe und Betriebe im Nebenerwerb bietet die Diversifizierung eine Chance, den Fortbestand der einzigartigen landwirtschaftlichen Strukturen zu sichern. Im Gegensatz zum Rückgang der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe steigt die österreichische Bevölkerung. Lebten 2013 etwas weniger als 8,5 Mio. Menschen in Österreich, soll sich diese Zahl bis 2060 auf 9,3 Mio. erhöhen (Statistik Austria, 2014). Dieses Bevölkerungswachstum geschieht vorwiegend in urbanen Ballungsräumen, wohingegen der ländliche Raum an EinwohnerInnen verliert. Mit der Abwanderung von primär jüngeren, gut ausgebildeten Menschen muss auch ein Rückgang von Arbeitsplätzen festgestellt werden (Renner, 2010). Die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen aus ländlichen Regionen gilt dabei als Indikator für eine negative regionale Entwicklung, der Verlust von Arbeitsplätzen in den Regionen führt wiederum zu einer geringeren Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen (Larcher et al.,2014). Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, wodurch der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung stark zugenommen hat. Die gleichzeitig steigende Erwerbstätigkeit von Frauen sowie sinkende Geburtenraten führen damit zu einer steigenden Nachfrage nach außerfamiliären Betreuungs- und Pflegeleistungen (BMASK, 2010).

Derartige Entwicklungen verlangen nach neuen Lösungen, die auch in Zukunft den veränderten Bedürfnissen einer immer älter werdenden Gesellschaft mit einer zugleich längeren aktiven Lebensphase gerecht werden. Es muss gelingen, jungen Menschen Alternativen zur Abwanderung zu bieten und Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu halten bzw. zu schaffen. Eine Möglichkeit der oben angeführten Diversifizierung bieten Maßnahmen, die mit der demografischen Entwicklung hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft und in Folge auch einer steigenden Nachfrage nach Pflegeangeboten in Verbindung stehen (Dessein und Bock, 2010). In diesem Zusammenhang stellen vor allem Betreuungskosten für SeniorInnen eine gesellschaftliche und finanzielle Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Ein möglicher Lösungsansatz, der vielen der angesprochenen Herausforderungen im ländlichen Raum begegnen kann, stellt das Modell Green Care Tagesbetreuung für SeniorInnen dar.

1.1 Zielsetzung

Das Ziel der Studie war es, das Modell Green Care im Betreuungsbereich anhand von Referenzprojekten in den Niederlanden zu analysieren. Auf Grundlage der vorhandenen Theorie sowie im empirischen Vergleich wurde die Machbarkeit der Umsetzung des Modells „Tagesbetreuung für SeniorInnen auf landwirtschaftlichen Betrieben“ für Österreich überprüft. Die Niederlande wurde als Referenzgebiet gewählt, da in den Niederlanden Green Care im SeniorInnen-Betreuungsbereich weitgehend etabliert ist und bereits praktische Erfahrungen in Bezug auf die Umsetzung gesammelt werden konnten (Hassink et al., 2010; Hassink et al.,2013; Roest et al., 2010). In den Niederlanden hat sich neben der traditionellen Tagesbetreuung, welche zumeist in ein Pflegezentrum integriert ist, auch das Angebot der Green Care Tagesbetreuung auf landwirtschaftlichen Betrieben durchgesetzt (De Bruin et al., 2010a). Dieses wird sogar bei DemenzpatientInnen erfolgreich angewendet (Bäuerle und Heeg, 2007; De Bruin et al., 2009; 2010b). Der Vergleich von konventionellen und Green Care Einrichtungen zeigt, dass der Fokus bei ersteren vor allem auf dem Pflegeaspekt sowie auf Aktivitäten in geschlossenen Räumen liegt (Spittau, 2013). Green Care Einrichtungen sind demgegenüber tendenziell kleinstrukturiert und bieten neben abwechslungsreichen häuslichen Aktivitäten wie gemeinsames Kochen auch landwirtschaftliche Aktivitäten wie Stall- und Gartenarbeiten in der freien Natur sowie tier- und pflanzengestützte Interventionen (De Bruin et al., 2009; 2010b). Dies wirkt sich neben dem psychischen auch auf das physische Wohlbefinden der KlientInnen positiv aus. So wird beispielsweise auch der Gefahr ihrer Vereinsamung und Isolation wirkungsvoll begegnet (Baumgarten et al., 2002).

1.2 Das Modell Green Care Tagesbetreuung

Der aus dem Englischen übernommene Begriff Green Care fasst unterschiedliche gesundheitsvorsorgende und gesundheitsfördernde Interventionen für eine Vielzahl von Zielgruppen (SeniorInnen, Kinder, geistig- und körperlich behinderte Menschen, Burnout PatientInnen etc.) mit Hilfe von Tieren, Pflanzen und der Natur zusammen (Gibson et al.,2007; Dessein und Bock, 2010; Haubenhofer, 2010). Auch weitere Begriffe wie „Social Farming“, „Care Farming“ und „Farming for Health“ sind im Englischen gebräuchlich. Die deutschsprachige Literatur bedient sich dem Begriff „Soziale Landwirtschaft“ (Renner, 2010). Green Care weist innerhalb der verschiedenen europäischen Länder Unterschiede hinsichtlich Aktivitäten, Finanzierungssystemen, dem Verhältnis von sozialen zu landwirtschaftlichen Dienstleistungen, Zielsetzungen- und Gruppen auf. Diese Unterschiede lassen sich primär auf kulturelle Unterschiede und Unterschiede in Strukturen der Gesundheits-, Sozial-, und Bildungssysteme zurückführen (Hassink et al., 2006; Haubenhofer et al., 2010). Di Iaccovo und O’Connor (2009) definieren Soziale Landwirtschaft als die Summe von sozialen, pflegerischen und pädagogischen Maßnahmen, welche im Rahmen eines ökonomisch geführten, multifunktionalen land-oder forstwirtschaftlichen oder auch gartenbaulichen Betriebs auf Gemeindeebene stattfinden und den Menschen durch Integration in alltägliche Arbeiten neue Perspektiven aufzeigen. Das Konzept ist eng mit jenem der multifunktionalen Landwirtschaft verbunden und führt durch die Überschreitung traditioneller sektoraler Grenzen zur gesellschaftlichen Emanzipation und Selbstbestimmung der Zielgruppen (Dessin, 2008; OECD, 2011; Wiesinger, 2013). Die Angebote auf Green Care Betrieben stellen dabei keine Konkurrenz, sondern vielmehr eine qualitativ hochwertige Angebotsergänzung zu den am Markt bestehenden sozialen Pflege- und Betreuungseinrichtungen dar (Gilliard und Marshall, 2011). Mit Green Care wird die Lebensmittel- und Umweltkompetenz der österreichischen LandwirtInnen um eine soziale Komponente erweitert (BMLFUW, 2014). Dieses in Österreich neue Angebot umfasst eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Pädagogik, Therapie, Pflege & Betreuung und soziale Arbeit, die in Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen direkt auf aktiven land- und forstwirtschaftlichen Betrieben angeboten werden (Green Care Österreich, 2015). Der Fokus der vorliegenden Studie wurde auf Bäuerinnen gelegt, da die soziale Landwirtschaft und speziell der Pflege- und Betreuungsbereich traditionell von Frauen getragen wird. Frauen stellen zudem einen bedeutenden Faktor im landwirtschaftlichen Sektor dar. Mit ihrer Arbeitsleistung tragen sie wesentlich zu den vielfältigen Erscheinungsformen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, zur Pflege der Kulturlandschaft sowie zur Aufrechterhaltung des sozialen Lebens im ländlichen Raum bei. Die flexibel gestaltbare Versorgungsarbeit von Frauen im Haushalt führte in der Vergangenheit dazu, dass sie als „flexible gender“ vielfach auch in den produktiven Arbeitsbereich eingebunden werden (Oedl-Wieser et al., 2010). Aus ökonomischer Sicht ist die Arbeitsleistung der Frau in der Außenwirtschaft unentbehrlich und führt mitunter zur De-Traditionalisierung der bäuerlichen Familienbetriebe (Oedl-Wieser et al., 2010; 2012). In den letzten Jahren lässt sich jedoch vermehrt eine Veränderung des weiblichen Rollenbildes beobachten. Bei einer Agrarquote von 3,4 % nimmt der Frauenanteil in der Landwirtschaft mit 45,8 % in Österreich den dritthöchsten Wert in der EU ein. Zudem weist Österreich mit rund 40 % einen der höchsten Werte landwirtschaftlicher Betriebsleiterinnen innerhalb der EU auf. Ohne deren Bereitschaft, sich der landwirtschaftlichen Betriebsführung anzunehmen, wären heute viele Betriebe vermutlich nicht mehr aktiv, da vor allem über kleinere Betriebe kein ausreichendes Einkommen für den Erhalt einer Familie erzielt werden kann. Demnach liegt die Weiterführung eines landwirtschaftlichen Betriebes im Nebenerwerb häufig bei den Frauen (Oedl-Wieser et al., 2010; 2012).

2 Material und Methodik

Da Green Care in Österreich noch relativ neu ist, musste zunächst eine theoretische Basis für die praktische Umsetzung erarbeitet werden. Der empirisch angelegte Teil der Arbeit verfolgte daher einen qualitativen Ansatz. Die im Folgenden definierten Forschungsfragen dienten dabei als roter Faden bei der Datenerhebung über qualitative ExpertInnengespräche:

  1. Mit welchen Maßnahmen kann der demografischen Entwicklung unter Beachtung einer Rollenstärkung der Frauen im ländlichen Raum begegnet werden?

  2. Welchen Nutzen und welche Vorteile bieten Green Care Tageszentren auf landwirtschaftlichen Betrieben für die beteiligten Stakeholder?

  3. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um das niederländische Modell Green Care Tagesbetreuung am Bauernhof unter Berücksichtigung der gesellschaftsrechtlichen Organisation, der Formen und Möglichkeiten der Finanzierung, des möglichen Dienstleistungs- und Betreuungsangebots, der Qualitätssicherung sowie der Öffentlichkeitsarbeit von Green Care (inkl. Interessensvertretung) auch in Österreich etablierenzu können?

Forschungsfrage 3 bildet dabei die Basis für die empirische Erhebung. Weiters hebt sich die Studie mit den Erkenntnissen von den fünf konkreten Themenbereichen von bisher verfassten Arbeiten zum Thema Green Care ab.

Um die Umsetzbarkeit von niederländischen Referenzprojekten in Österreich überprüfen zu können, wurden nach einer umfassenden Literaturanalyse elf teilstrukturierte ExpertInneneninterviews in Österreich sowie den Niederlanden durchgeführt. ExpertInnen waren dabei einerseits Personen, die diese Tätigkeiten aktiv auf landwirtschaftlichen Betrieben anbieten und daher bereits Erfahrungen sammeln konnten sowie Personen, die über ein besonderes Wissen über Green Care verfügen. Die InterviewpartnerInnen wurden nach vorab definierten Kriterien ausgewählt (Expertise bei Green Care, Wissen bzw. Erfahrungen im Sozialbereich und über den ländlichen Raum usw.). Die ExpertInneninterviews in den Niederlanden wurden im Mai 2014, jene in Österreich im August und Oktober 2014 durchgeführt. Die elf aufgezeichneten Gesprächsprotokolle wurden transkribiert und entsprechend der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2003) und mittels Textanalysesoftware computergestützt ausgewertet (Kuckartz, 2005). Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, wurden mit jenen der Literatur verglichen. Daraus ergaben sich Hinweise zur Machbarkeit der Green Care Tagesbetreuung in Österreich, woraus in Folge Handlungsempfehlungen, welche implizit Hypothesen darstellen, zur Umsetzung von Green Care in Österreich generiert wurden. Insbesondere wurde das empirisch abgeleitete Kategoriensystem, das sämtliche Parameter, die bei Einführung von Green Care nach Aussage der Interviewten beachtet werden müssen, strukturiert und zusammengefasst, sowie mit den aus der Theorie gewonnen Erkenntnissen verglichen. In mehreren Durchläufen wurde jedes der elf Interviewtranskripte durch Wegstreichen ausschmückender und wiederholender Redewendungen komprimiert (auf eine weitere Paraphrasierung wurde verzichtet, um den Informationsverlust zu minimieren). Ziel der computergestützten Auswertung mittels der Textanalysesoftware Qualitative Daten Analyse (MaxQDA) in der Version 2007 war es, die ExpertInneninterviews computergestützt zu strukturieren, sie miteinander zu vergleichen sowie zu kontrastieren, um daraus Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede herauszuarbeiten und Regelmäßigkeiten festzustellen (Kuckartz, 2005). Vergleichbare Inhalte wurden zu Haupt- und Unterkategorien (Codes) zusammengefasst. Daraus ergab sich bei Erfassung sämtlicher Inhalte ein geeignetes Kategoriensystem. Im Rahmen dieser Studie erfolgte eine Zuordnung von 520 Codes, welche in fünf Hauptkategorien zusammengefasst wurden. Beispielsweise wurde die Aussage einer Interviewten (NLL3; Übersetzung) „Ich hab immer einen guten Job gebraucht, um glücklich zu sein. (…) Ich wollte eine gute Mutter sein und eine Kombination aus Beruf und Familie dem Code „Rollenverständnis der Frauen durch Green Care“ zugeordnet, wobei NLL3 ein Kürzel für das anonymisierte Interview einer Landwirtin aus den Niederlanden darstellt (NL für Niederlande, AT für Österreich; L wenn LandwirtIn, E wenn ExpertIn; laufende Nr.).

3 Ergebnisse der qualitativen Experteninterviews

Insgesamt wurden aus den umfangreichen Transkripten bzw. deren komprimierter Form fünf Hauptkategorien identifiziert:

  1. Bedeutung für Bäuerinnen

  2. Rechtliche und betriebliche Rahmenbedingungen

  3. Formen und Möglichkeiten der Finanzierung

  4. Dienstleistungsangebot

  5. Öffentlichkeitsarbeit und Interessensvertretung

Diese Hauptkategorien wurden sowohl aus den Ergebnissen der Interviewtranskripte (induktiv), als auch auf Basis vorangegangener Literatur und Studien (deduktiv) abgeleitet. Weiters umfassten die Hauptkategorien alle aus den Interviews generierten Codes und lieferten eine adäquate Struktur der empirisch gewonnenen Erkenntnisse. Die Kategorie (1) „Bedeutung für Bäuerinnen“ umfasste etwa Codes, die mit den folgenden Sachverhalten zusammenhängen: Persönliche Einstellungen und Voraussetzungen der Bäuerinnen, Ausbildung als entscheidender Faktor, Rollenverständnis der Frauen durch Green Care, Green Care und Kinderbetreuung, Unterstützung durch Familie und Nachbarn, Work-Life-Balance und potentielle Probleme durch Green Care.

Die folgenden Ausführungen zeigen die Ergebnisse der Studie und orientieren sich an den fünf identifizierten Hauptkategorien.

3.1 Bedeutung für Bäuerinnen

Vor allem für Frauen mit sozialer Grundausbildung bietet die Green Care Tagesbetreuung eine Möglichkeit, ihren früheren Beruf am eigenen Betrieb selbstständig wiederaufzunehmen Durch ihre vorherige berufliche Tätigkeit verfügen sie über Netzwerke, welche für die Umsetzung am eigenen Betrieb hilfreich sind. Aufgrund dieser Kontakte werden Frauen als die Hauptinitiatorinnen und Antriebskräfte von Green Care gesehen. Diese neue Verantwortlichkeit sowie die De-Traditionalisierung auf landwirtschaftlichen Betrieben tragen wesentlich zu einer neuen Identitäts- und Rollenbildung der Frau im traditionellen agrarischen Sektor bei. ATL1 etwa meinte in diesem Zusammenhang: „Oft haben sie ihre Arbeit aufgegeben, weil sie einen Bauern geheiratet haben oder auch die Zeit nicht mehr hatten und sie suchen danach, diese Arbeit in irgendeiner Weise wieder zu machen. Irgendwann sagen sie dann: ‘Jetzt könnte ich eigentlich die Fähigkeiten, die ich in diesem Bereich habe, wieder voll einbringen und das verknüpfen, weil ich ja beides mag’“. Aussagen wie diese legen nahe, dass Green Care vor allem dann für Bäuerinnen eine Bedeutung erlangen könnte, wenn ein gewisses Naheverhältnis zum Sozialbereich besteht. Auf Basis der vorliegenden Studie kann daher auch hinterfragt werden, ob die Green Care Tagesbetreuung tatsächlich als primär weibliche Tätigkeit gefördert werden sollte, wodurch der Pflege- und Betreuungsbereich weiter feminisiert werden würde. Weiters sind nach Meinung der Befragten die Ressourcen der Bäuerinnen aufgrund der häufig weiblichen Verantwortlichkeiten in den Bereichen Direktvermarktung, Veredelung oder Urlaub am Bauernhof für weitere Tätigkeiten wie Green Care beschränkt.

Insgesamt dürfte die traditionelle Rolle der Frau zur Haushaltsführung und Kindererziehung teilweise durch eine neue Rolle ein neues, selbstbewusstes Identitätsbild in der Landwirtschaft ersetzt worden sein. Green Care unterstützt dieses veränderte Rollenverständnis und die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie (wie etwa das obenstehende Zitat von NLL3 zeigt).

3.2 Rechtliche und betriebliche Rahmenbedingungen

Obwohl die Altenbetreuung im Rahmen von Green Care auf landwirtschaftlichen Betrieben Ressourcen aus der Land- und Forstwirtschaft nutzt, stellt sie eine gewerbliche Tätigkeit und damit keine im Rahmen der Land- und Forstwirtschaft diversifizierbare Tätigkeit dar. Damit Green Care vor allem an kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Betrieben angeboten werden kann, müsste wohl eine Vereinbarkeit mit der derzeitigen Rechnungslegung im Sinne der Pauschalierung angestrebt werden. Da vor allem kleinstrukturierte Betriebe darauf bedacht sind, in der Pauschalierung zu bleiben, bedarf es nach Meinung der interviewten ExpertInnen einer Anerkennung als landwirtschaftliche Nebentätigkeit. Gelingt dies nicht, bleibt Green Care weiterhin nur als gewerbliche Form nutzbar und damit für viele Betriebe unattraktiv. Derzeit müssen kleinstrukturierte Betriebe bei Green Care jedenfalls dieselben gewerblichen Voraussetzungen einhalten wie Großinstitutionen. Dieser Mehraufwand ist nur durch Kooperationen mit Sozialträgern und Gemeinden zu bewältigen. Insgesamt müssen die betrieblichen Voraussetzungen individuell angepasst werden und passen, denn „… mit einer Hühnerzucht oder Schweinemast lässt sich Green Care weniger leicht verbinden“ (NLE2). Weitere Voraussetzungen betreffen etwa das Einzugsgebiet der Green Care Tagesbetreuung und den Transport der Klientinnen. Diese Faktoren können sowohl als klare Erfolgsfaktoren, als auch als limitierend hinsichtlich der Zielgruppe gesehen werden. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich in ländlichen Gegenden. Dies kann sich negativ auf die Auslastung auswirken, da die Nachfrage nach derartigen Dienstleistungen tendenziell im urbanen Raum zu finden ist. Daraus ergeben sich jedoch auch Chancen für kleine Betreuungsstrukturen in Stadtnähe und für Transportunternehmen, die ein neues Geschäftsfeld erschließen möchten. Landwirtschaftliche Betriebe, die räumlich sehr weit von städtischen Ballungsräumen entfernt sind, werden hingegen weniger geeignet für derartige Angebote sein.

3.3 Finanzierung

Das Österreichische Programm für ländliche Entwicklung (LE) 2014-2020 sieht in Priorität 6, „Armutsbekämpfung und soziale Integration“ eine einmalige Investitionsförderung für landwirtschaftliche investitionskosten von Green Care Projekten vor. Durch diese klare Zielformulierung ergeben sich Chancen für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Landwirtschaft, Soziales und Gesundheit. Durch die zukünftig effizientere Koordinierung des Gemeinsamen Strategischen Rahmens (GSR) der EU ergeben sich zudem Chancen für die Finanzierung sektorenübergreifender, sozialintegrativer Arbeitsmarktförderung und Kooperationsprojekte im Rahmen von LEADER (etwa zwischen Arbeitsmarktservice [AMS] und Sozialministerium).

Die Bewusstseinsbildung sowie wissenschaftliche Begleitung könnten hier helfen, Ängste abzubauen, falschen Erwartungshaltungen sowie unterschwelligen Konflikten vorzubeugen und bei den involvierten Stakeholdern aus dem landwirtschaftlichen und sozialen Bereich, den Gemeinden und der Gesellschaft Akzeptanz zu schaffen. Für eine ausreichende Akzeptanz bedarf es, neben der Unterstützung auf Bundesebene, auch den Umsetzungswillen der LandwirtInnen auf lokaler Ebene. In diesem Zusammenhang geht es stark um eine überlegte Kommunikationsstrategie. Der Gesundheitssektor wird nicht bereit sein, sich an einer Finanzierung zu beteiligen, wenn das Projekt Green Care als ausschließlich landwirtschaftliche Tätigkeit vermarktet wird. Demnach kann eine Finanzierung erst durch Kooperation und Vertrauen zwischen dem „grünen“ (d.h. dem agrarischen) und dem „weißen“ (d.h. dem medizinischen) Bereich sichergestellt werden. Die innerbetriebliche Finanzierung etwa des Personals hängt naturgemäß von vielen, individuell zu klärenden Faktoren ab. „Im Endeffekt ist es davon abhängig, wie viele Klienten anwesend sind (…), wie viel Betreuung die Klienten benötigen und ob ich (…)ein zusätzliches Personal benötige“ (ATE4). Limitierend könnte es sich demnach auswirken, wenn zusätzliches, qualifiziertes Personal erforderlich ist, weil die eigenen Ressourcen erschöpft sind. Betriebe stoßen bei zusätzlichem Personal aufgrund der damit verbundenen hohen laufenden Kosten schnell an die Grenzen der Finanzierbarkeit.

3.4 Dienstleistungsangebot

Es ist von einem Rückgang der informellen Pflege- und Betreuungsleistungen aufgrund der steigenden Lebenserwartung sowie Erwerbstätigkeit der Frauen und zeitglich sinkender Geburtenraten auszugehen. Diese Entwicklung ergibt zukünftig einen höheren Bedarf an Pflege- und Betreuungsplätzen. Es ergeben sich Chancen für pädagogische Angebote als Ergänzung zum Basisprogramm und als Abgrenzung zum Dienstleistungsangebot konventioneller Tagesbetreuungseinrichtungen. Bei der Angebotsgestaltung kann der Landwirt bzw. die Landwirtin die Rolle als Natur- und LandschaftsvermittlerIn einnehmen. Bei pädagogischen Angeboten könnte auch der landwirtschaftliche Betrieb integriert und der gesellschaftlichen „Entfremdung von der Natur“ begegnet werden (bspw. Waldpädagogik). Dabei muss falschen Erwartungen von der „idyllischen oder scheinidyllischen Landwirtschaft“ und damit einhergehenden Enttäuschungen vorgebeugt werden.

Ob Zusatzangebote wie Green Care letztlich auch tatsächlich angeboten werden können, hängt zudem von einer Reihe weiterer Faktoren, wie etwa den verfügbaren persönlichen und personellen Ressourcen ab (siehe auch Finanzierung). Bei kleinen Strukturen könnte etwa der gesetzlich vorgegebene Personalschlüssel für die Betreuung älterer Menschen nicht ausreichen. Pflegeheime müssen per Gesetz unter Berücksichtigung der Pflegebedürftigkeit der KlientInnen eine personelle Mindestausstattung gewährleisten. Die diesbezüglichen Verhältniszahlen zwischen betreuenden und betreuten Personen reichen in kleineren Betrieben unter Umständen nicht aus, es wird daher zusätzliches Personal benötigt. Auch die Qualität des verfügbaren Personals kann in diesem Zusammenhang einen limitierenden Faktor darstellen.

Natürlich bieten kleine, limitierte Strukturen auf landwirtschaftlichen Betrieben einige Vorteile für potentielle AnbieterInnen: Im Allgemeinen lassen sie sich gut mit bestimmten anderen Betriebszweigen kombinieren. Neben extensiv bewirtschafteten Betrieben werden speziell für die Direktvermarktung und Veredlung Vermarktungschancen für Produkte mit einem sozial produzierten Mehrwert gesehen. In diesem Zusammenhang wird Pilotprojekten in kleinen Landgemeinden in Stadtnähe großes Potential zugeschrieben. Die LandwirtInnen könnten hier an Konzepten wie „City Farming“ anknüpfen und durch kollektiv geführte Hofläden oder betriebsangeschlossene Cafés „Orte der Begegnung“ zwischen der Bevölkerung, den KlientInnen und den LandwirtInnen schaffen. Dadurch können die Sehnsüchte nach Natur und Ursprünglichkeit befriedigt und durch den gegenseitigen Kontaktaustausch KlientInnen als auch LandwirtInnen gleichermaßen in das gesellschaftliche Leben integriert werden.

3.5 Öffentlichkeitsarbeit und Interessensvertretung

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Green Care wird wesentlich von der Akzeptanz regionaler Stakeholder beeinflusst. Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz ist der Erfolg einer Green Care Tagesbetreuung von der Akzeptanz des Sozial- und Pflegesektors sowie den Gemeinden abhängig. Durch gegenseitiges Vertrauen und Kooperationen zwischen den Stakeholdern können hier Synergien aufgedeckt und gefördert werden. Kooperationen zwischen dem landwirtschaftlichen, sozialen und medizinischen Bereich schaffen eine Gleichwertigkeit und gelten als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Etablierung von Green Care. Kooperationsprojekte zwischen Gemeinden und Sozialträgern stärken zudem die Infrastruktur im ruralen Raum, schaffen zusätzliche, attraktive Arbeitsplätze, wodurch wiederum der Abwanderung in ländlichen Gebieten begegnet werden könnte.

Weiters könnte es durch eine Green Care Tagesbetreuung gelingen, vorhandene Ressourcen (etwa ein bestehendes Gasthaus im Ort) durch Kooperationen besser auszulasten. Dadurch werden Arbeitsplätze in Gemeinden gehalten und Wertschöpfung in diesen generiert. Die Gemeinden bleiben dadurch als Arbeits- und Lebensraum attraktiv. Green Care kann aber nur durch anerkannte Ausbildungsstandards, Adaption akkreditierter Zertifizierungsrichtlinien sowie wissenschaftlicher Begleitung erfolgreich sein. Es muss falschen Erwartungen vorgebeugt, Sicherheit gegeben und Akzeptanz in der Gesellschaft und bei den beteiligten Stakeholdern geschaffen werden. Aus Sicht eines niederländischen Betriebes läuft es letztlich darauf hinaus: „Man muss erklären und argumentieren können, warum Care Farms für den Pflegesektor und den sozialen Sektor attraktiv sind. Diese Menschen (die Green Care erklären) sind sowohl auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene notwendig“ (NLL1). Auch in den Niederlanden waren anfangs die Widerstände gegen Green Care groß, können aber mittlerweile als weitgehend überwunden angesehen werden. In Österreich dürften sich vor allem die komplexen und starren politischen Organisations- und Entscheidungsstrukturen hemmend auswirken. Über eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und Interessensvertretung (z.B. ARGE Green Care) könnte dem entgegengewirkt werden.

4 Diskussion

Die amtliche österreichische Statistik belegt, wie stark die Anzahl land- und forstwirtschaftlicher Betriebe in Österreich sowie die Beschäftigtenzahlen in diesem Sektor in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sind. Um die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich auch in Zukunft attraktiv zu gestalten sowie für kommende Generationen als erstrebenswert zu positionieren, bedarf es daher der Entwicklung innovativer und ökonomisch nachhaltiger Maßnahmen. Nach Dessein und Bock (2010) stellt das Modell Green Care einen möglichen, unterstützenden Lösungsansatz der strukturellen und finanziellen Herausforderungen der künftigen landwirtschaftlichen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen dar. Die Erkenntnisse dieser Studie stimmen dem weitgehend zu, auch wenn das Modell Green Care nur für ausgewählte Betriebe, die die dafür notwendigen Bedingungen erfüllen, in Frage kommen dürfte. Hierfür spricht auch, dass die Natur als solche aufgrund der zunehmenden Entfremdung immer stärker als Luxusgut wahrgenommen wird. Ländliche Werthaltungen gewinnen in der urbanen Gesellschaft wieder stärker an Bedeutung, die Menschen orientieren sich an vertrauten Wertvorstellungen wie beispielsweise den bäuerlichen Strukturen. Das traditionelle Bild der Landwirtschaft dient hierbei oft als Instant-Lösung für gesellschaftliche Probleme. Die gesellschaftliche Sehnsucht nach Natur und Ursprünglichkeit macht Green Care zu einem „Medium“, welches diese Sehnsüchte stillen soll. In diesem Zusammenhang muss im Rahmen von Green Care den falschen Erwartungen einer „idyllischen oder scheinidyllischen Landwirtschaft“ und möglichen, damit einhergehenden Enttäuschungen vorgebeugt werden (ATE3). Auch dies wurde von den Interviewten im Rahmen dieser Studie mehrmals betont. Letztlich könnte man über Green Care (und vergleichbare Angebote) auch in Zukunft den Bedürfnissen einer immer älter werdenden Gesellschaft mit einer zeitgleich längeren aktiven Lebensphase gerecht werden (Frick et al., 2013). Allerdings ist dies nicht gänzlich unwidersprochen: Vor allem der medizinische Bereich kritisiert die fehlende sozial-medizinische Ausbildung der LandwirtInnen (Hassink und van Majken, 2006; Spittau, 2013). Durch anerkannte und zertifizierte Ausbildungsstandards sowie eine Zusammenarbeit zwischen Ländern, Landwirtschaftskammern und Sozialträgern könnte diesen Ängsten und damit auch dem Entstehen von Konkurrenzsituationen vorgebeugt werden.

Es kann ein weiteres Argument angeführt werden: Unter Umständen sind viele KlientInnen nicht bereit oder in der Lage, sich die Tagesbetreuung als Form der Betreuung zu leisten. Aus diesem Grund entscheiden sie sich aktuell eher für stationäre Pflege- und Betreuungseinrichtungen, obwohl eine Versorgung im eigenen Zuhause noch problemlos möglich wäre (zentas, 2008). Durch die Schaffung geeigneter Strukturen und finanzieller Unterstützung könnte sich hier ein enormes Einsparungspotential für den Pflege- und Betreuungssektor ergeben. Green Care könnte nach Ansicht der Interviewten dabei einen signifikanten Beitrag leisten. Über geeignete Finanzierungsmodelle und Investitionsförderungen müssten dafür aber zusätzliche Anreize bei interessierten Betrieben, ebenso wie bei potenziellen KlientInnen, geschaffen werden. Hammer und Österle (2004) gehen in ihrer Studie davon aus, dass rund 80 % der Menschen mit Langzeitpflegebedarf aktuell von nahen Angehörigen betreut bzw. gepflegt werden. Bei einer Fertilitatsrate von 1,4 Kindern pro Frau ist jedoch von einem Rückgang der informalen Pflege auszugehen (WIP, 2010). Auch deshalb wird es zukünftig noch deutlich wichtiger, innovative Wege in der Altenbetreuung zu beschreiten, damit den gesellschaftlichen Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft begegnet werden kann.

Trotz der Potentiale, die Green Care bietet, dürfen die Gefahren bzw. Probleme, welche unter anderem von unterschwelligen Konflikten, bestehenden, meist geschichtlich begründeten Ängsten billiger Dumping-Angebote sowie politischen und finanziellen Interessen ausgehen, keinesfalls unterschätzt werden. Auf die Notwendigkeit anerkannter Standards und Zertifizierungen wurde bereits hingewiesen. Auch muss berücksichtigt werden, dass die Green Care Tagesbetreuung nur dann eine Win-Win Situation für LandwirtInnen, SeniorInnen, Gemeinden, Sozialträger sowie weitere Stakeholder schaffen kann, wenn die angesprochenen Probleme (etwa der steuerlichen Pauschalierung der Betriebe) bereinigt werden. Die Landwirtschaft kann im nahen urbanen Raum eine Infrastruktur für den Gesundheits- und Sozialbereich bieten, die sich zudem positiv auf eine gesteigerte regionale Wertschöpfung auswirkt und auch langfristig Arbeitsplätze im Agrarsektor sichert. Dabei muss es gelingen, neben den Stakeholdern aus den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit und Soziales auch die Interessen der LandwirtInnen zu berücksichtigen. Durch Kooperationsprojekte zwischen Gemeinden könnte etwa einer zu geringen Auslastung begegnet werden. Kooperationsprojekte stärken die Infrastruktur ruraler Räume und schaffen zusätzliche, attraktive Arbeitsplätze, wodurch wiederum der Abwanderung aus ländlichen Gebieten begegnet werden kann, wie sie von Renner (2010) und anderen thematisiert wird. Neben Kooperationen zwischen Gemeinden ist auch die Akzeptanz und Unterstützung durch Kooperationen mit Sozialträgern von großer Bedeutung. So ergeben sich Chancen in der Umsetzung von Green Care Tagesbetreuungseinrichtungen über sektorenübergreifende, sozial-integrative Kooperationsprojekte im Rahmen von LEADER-Projekten wie auch in der effizienteren Koordinierung des Gemeinsamen Strategischen Rahmens der EU.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Green Care Tagesbetreuung als qualitativ hochwertiges Nischenprodukt nie für alle, sehr wohl aber für einzelne land- und forstwirtschaftliche Betriebe eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zur bestehenden Betriebsausrichtung darstellen könnte. Neben der persönlichen Überzeugung sowie einer landwirtschaftlichen und sozialen Ausbildung stellen eine geeignete betriebliche Ausgangssituation und ein entsprechender rechtlicher Rahmen wesentliche Grundvoraussetzungen dar.

Danksagung

Diese Forschungsarbeit wurde vom Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen der Universität für Bodenkultur Wien im Rahmen des Inge Dirmhirn Stipendiums unterstützt. Ein großer Dank gilt zudem den elf ExpertInnen und LandwirtInnen in Österreich und den Niederlanden, die mit ihrer Zeit und ihrem Fachwissen im Rahmen der Experteninterviews zur Erstellung der Arbeit beigetragen haben.

Literatur

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